Gamescom Spass ist garantiert

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Gamescom „Virtual Reality“ | © Koelnmesse

Virtual und Augmented Reality, Serious -und Indie Games waren nur einige der Themen der diesjährigen Gamescom. Besonders interessant waren aber auch unsere Begegnungen mit Ausstellern und Experten aus Großbritannien, Schweden, den Vereinigten Staaten und der Türkei.

Erste Hürden für Besucher

An die Bitte der Gamescom-Koordinatoren größere Taschen und Rucksäcke zuhause zu lassen hat sich fast niemand gehalten, denn schließlich passen Kamera, Notebook und Trinkflasche ja schlecht in die Gesäßtasche – entsprechend lang dauerten die Eingangskontrollen. Aus Sicherheitsgründen war es auch nicht erlaubt, Waffenattrappen mitzubringen. Die Cosplayer der Aussteller zeigten sich jedoch sehr wohl schwer bewaffnet. Zumindest aus Pietätsgründen fragt man sich, ob das Waffenverbot in diesem Jahr nicht für alle gelten sollte.

Cosplayer Cosplayer, die Fantasy-Figuren originalgetreu nachstellen | Linus Völkner Während im vergangenen Jahr der ein oder andere Stand mit eher halbgaren Konzepten auffiel, schien 2016 selbst die IndieBoothArena gut durchstrukturiert. Beispielsweise war es nun möglich, vergünstigte Wertgutscheine zu erstehen, mit denen an jedem Indie-Stand direkt vom Hersteller Spiele erworben werden konnten.
 
 

Gamescom VR („virtuelle Realität“)

Die marktreifen VR-Lösungen von HTC („Vive“), Oculus („Oculus Rift“) und Sony („Playstation VR“), die alle mit konkreten Spielen und nicht nur mehr bloßen Konzepten aufwarten konnten, zeigten eindrucksvoll wie weit die Technik schon fortgeschritten ist. Mit den neuen Grafikkarten von AMD sowie der Möglichkeit zur Nutzung einer VR-Brille an einer Spielkonsole gelingt der Einstieg in die VR-Welt nun sehr viel günstiger als noch vor einem Jahr (Googles Eigenbaubrille Cardboard für 15€ einmal ausgenommen).

Zu meinen persönlichen Highlights gehörte das Ausprobieren der Microsoft HoloLens, die auf mich surreal aber doch irgendwie natürlich wirkte. Die transparente Brille ersetzt nicht die Realität, wie es ihre VR Pendants machen, sondern blendet zusätzliche Inhalte ein (sogenannte „Augmented Reality“). Außerdem hat Microsoft es geschafft, den nötigen Computer in die Brille zu integrieren, sodass man sie kabellos benutzen kann.

Virtual Reality Batman Virtual Reality "Batman" | © Koelnmesse

Spieleentwickler aus aller Welt

Aus dem diesjährigen Gastland Türkei konnten wir zwei Vertreter interviewen, Ali Erkin, der Vorsitzende der türkischen Spieleentwicklervereinigung TOGED, sowie Cansu Tatar, eine Game Designerin, die für die Firma Simsoft arbeitet. „Während die Türkei momentan hauptsächlich auf Mobile Games fixiert ist, bietet sie zusätzlich auch das ein oder andere Serious Game an“, so Herr Erkin. „Die Spieleentwicklung in der Türkei gelingt einfacher als in anderen Ländern, da uns auch die Regierung unter die Arme greift“, ergänzt Frau Tatar.

Mit ihrer ansteckenden Begeisterung für jedes noch so kleine Detail von Rudolf Kremers (Eufloria) neuem Echtzeitstrategiespiel Neopolis hätte man Tracey McGarrigan von Omni Systems Ltd. den ganzen Tag zuhören können. Für den Heimweg  nach England wollte sich die quirlige Person aufs Fahrrad schwingen, um über die Hilfsorganisation GamesAid Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Ihre einzige Befürchtung „Hoffentlich schaff ich das dieses Jahr mit den Bergen ein bisschen besser.“ In der männerdominierten Gamingbranche darf es mehr von solch sympathischen Powerfrauen geben!

Tracey radelte fürs Fundraising nach England. Tracey radelte fürs Fundraising nach England. | © Linus Völkner Im Gespräch mit dem schwedischen Spieleentwickler Brjánn Sigurgeisson wurde das noch einmal unterstrichen. Er plädierte für die Akzeptanz von Videospielen als Kunst und dafür, dass Eltern den Videospielkonsum ihrer Kinder sinnvoll steuern sollten. Auf meine Frage warum seine Spiele so viele deutsche Begriffe enthalten, meinte er, dass „Deutsch einfach cool klingt“.

Das Goethe-Institut freute sich über twitternde Spieleentwickler aus Jakarta anreisten, genauso wie die im Rahmen des vom Auswärtigen Amts geförderten Projekts „Transatlantic Gaming Summit“ vom Goethe-Institut Boston einbestellten Experten aus Neuengland.

Die Gäste vom MIT Game Lab und der Dachorganisation Mass Digi zeigten sich beeindruckt. „Die Vielfalt des Angebots und die Varianz von Retro-Spielen über ein weit gefächertes Indieangebot bis zu den großen Triple-A-Spielen bietet für jeden Geschmack etwas“, meinte Richard Eberhard, Leiter des MIT Game-Lab.

Interkultureller Dialog: Richard Eberhard, Leiter des Mit game lab im Gespräch mit Johannes Kristmann, Spieleentwickler bei Maschinen-Mensch Interkultureller Dialog: Richard Eberhard, Leiter des Mit game lab im Gespräch mit Johannes Kristmann, Spieleentwickler bei Maschinen-Mensch | © Christoph Mücher An meinem letzten Tag verließ ich die Messe um das Gamescom City Festival zu besuchen, das aber leider erst in den Abendstunden wirklich starten sollte. Also begab ich mich solange zum Kölner Dom, der ganz ohne technische Tricks auskommt. Das 2007 von Gerhard Richter erneuerte Südhausquerfenster mit seinen 11.500 einzelnen Farbquadraten sollte auch Gamern mit Hang zum Pixelchic gefallen.

Nun bin ich gespannt, was sich die Branche nächstes Jahr wohl einfallen lässt.