Woche 11
Das Abenteuer geht weiter
Ein Ausflug in heimische Gefilde
Nachdem Amelie mir freudig mitteilt hatte, dass bei ihr ganz in der Nähe ein Ikea ist, zögerten wir nicht lange. Wir verabredeten uns zu einem Streifzug durch den schwedischen Möbelmarkt. Nicht, dass wir unbedingt etwas brauchten, doch wir wollten ein bisschen bummeln, heimisches Flair einatmen und gleichzeitig ein paar Weihnachtseinkäufe für unsere bevorstehenden Weihnachtsfeiern in der Schule erledigen. Da Ikea ja auch eine Essensabteilung hat, hofften wir auf westliche Köstlichkeiten für unsere Schülerinnen und Schüler. So machte ich mich Mittwoch, direkt nach meinem Unterricht, auf den Weg. Mit im Gepäck meine Nachbarin Ana, die von unserer Idee auch sichtlich begeistert war. Voller Vorfreude liefen wir den Weg zu Ikea und schmiedeten Einkaufspläne. Als irgendwann in der Dämmerung ein riesiges blaues Gebäude erschien, was (bis auf die chinesischen Schriftzeichen) tatsächlich genauso aussieht wie in Deutschland, strahlten wir über unsere ganzen Gesichter und unser Schritt wurde schneller.
Chengdu is calling
Amelie hatte mir zum Geburtstag einen Ausflug in die Panda-Aufzuchtstation in Chengdu geschenkt. Da die Stadt aber noch ein wenig mehr zu bieten hat, wollten wir das direkt mit einem weiteren Wochenendausflug verbinden. Die Stadt im Westen erreichten wir nach nur knapp vier Stunden mit dem Hochgeschwindigkeitszug. Der erste Eindruck: Hier gefällt es uns. Ganz zu unserer Freude war die Innenstadt sogar weihnachtlich geschmückt und es gab einen klitzekleinen Weihnachtsmarkt, direkt vor dem Eingang einer Shoppingmall. Leider waren wir etwas spät dran, also musste der erste Glühwein der diesjährigen Weihnachtssaison bis zum nächsten Tag warten. Der erste Eindruck bestätigte sich auch am nächsten Tag, als wir uns frühmorgens auf den Weg zu den Pandas machten. Wir wollten uns unbedingt die Fütterung der Tiere ansehen. So saßen wir in dem ersten Bus zur Aufzuchtstation und waren (natürlich) nicht die Einzigen. Wir betraten den Park und wunderten uns über eine Schlange an einem Ticketschalter. Eigentlich hatten wir die Eintrittskarten schon gekauft. Wir schauten uns das Spektakel aus der Nähe an und stellten fest, dass es Karten für eine Art Golfbuggy waren, um durch den Park gefahren zu werden. Natürlich sprach keine Menschenseele Englisch. Aus Unsicherheit entschieden wir uns, die Karten für umgerechnet 1,50€ zu kaufen. Kein Mensch lief zu Fuß durch den Park, deshalb dachten wir, dass das eventuell verboten sein könnte. Heimlich vermuteten wir allerdings, dass die Chinesen wohl einfach zu faul sind, eigenständig durch den Park zu laufen. Das soll keine Kritik sein, aber man sieht Chinesen tatsächlich sehr selten zu Fuß gehen. Beispielsweise wird sich lieber für die Rolltreppe angestellt, als die Stufen zu laufen. Wir reihten uns in eine weitere Schlange ein, um auf das Fahrzeug zu warten. Einige Minuten später wurden wir direkt zur Fütterung der Pandas gefahren. Wir mussten lediglich eine kurze Brücke und ein paar Stufen zum Gehege der Tiere gehen. Wie geht es nun weiter? Müssen wir wieder auf den Buggy warten? Oder ist es tatsächlich erlaubt zu laufen? Weit und breit kein Fahrzeug in Sicht, also entschieden wir uns zu Fuß zu gehen. Später stellte sich heraus (wer hätte es gedacht?), dass unsere heimlich Vermutung richtig war. Laufen ist NATÜRLICH erlaubt. Hier und da waren ein paar Chinesen tatsächlich auch zu Fuß unterwegs. Also erkundeten wir die weiteren Gehege des Parks zu Fuß. Wir liefen von Gehege zu Gehege und erfreuten uns tierisch an den niedlich aussehenden Bärchen. Ein absolut gelungener Ausflug und für mich (bis jetzt) eines meiner Highlights!
Für den nächsten Tag nahmen wir uns vor, nach Leshan zu fahren, um den weltberühmten Big Buddha zu bestaunen. Zufälligerweise war Ralf, ein weiterer SCHULWÄRTS!-Praktikant, auch in Chengdu, so dass wir uns entschlossen, gemeinsam zu fahren. Der Große Buddha von Leshan ist die weltgrößte Skulptur eines Buddhas aus Stein, also ein absolutes must-see in China, so dachten wir. Das wir später eines Besseres belehrt werden würden, ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.