Die Schule und meine Aufgaben
Die Escola Secundária Martins Sarmento (ESMS) an der ich mein Praktikum absolviere, ist eine Sekundarschule. Der Wechsel von Primar- zur Sekundarschule findet in Portugal nach der 9. Klasse statt. Das heißt, hier gehen Schüler*innen von der 10. bis zur 12. Klasse zur Schule.
Bildungswege an der ESMS
Die Schüler*innen können an der ESMS entweder die allgemeine Hochschulreife erlangen, oder einen der vielen Berufsschulzweige besuchen. Wer die allgemeine Hochschulreife anstrebt, muss sich – ähnlich wie in Deutschland – für einen Zweig entscheiden, zum Beispiel „Ciências e tecnologia“(Naturwissenschaften) oder „Línguas e humanidades“ (Sprachzweig). Allerdings unterscheiden sich in Portugal nicht nur die Fächer, sondern auch das Niveau insgesamt sowie die späteren Studienmöglichkeiten: Die meisten Optionen stehen später den „Ciências e tecnologia“ - Schüler*innen offen, und dieser Zweig ist – zumindest an meiner Schule – mit einem besonders hohen Niveau assoziiert. Eigentlich müssen die Schüler*innen also bereits nach der 9. Klasse eine Idee haben, was sie nach der Schule machen möchten; deshalb gibt es bereits in der 9. Klasse viele Berufsinformationsberatungen.Die Schüler*innen, die sich für die Berufsschule, also für „Cursos Profissionais“ entscheiden, können aus einer großen Bandbreite von Ausrichtungen wählen, z.B. Fotografie, Tourismus, Gastronomie, oder technische Kurse. Die Sekundarschulbildung ist verpflichtend bis zum abgeschlossenen 18. Lebensjahr, oder zum Abschluss der Sekundarstufe.
Und was mache ich hier?
Insgesamt verbringe ich etwa 16 Stunden pro Woche in der Schule. Dort begleite ich eine Deutschklasse (11. Klasse), fünf Englischklassen (drei 10. Klassen und zwei 12. Klassen) und gebe mittwochs einen eigenständigen Deutsch-Schnupperkurs.Der Unterricht beginnt um 8:25 Uhr und geht bis maximal 17:45 Uhr. Nicht erschrecken: In der Regel ist nur ein Tag so lang für die Schüler*innen – und ich bin auch nur einen Tag bis 18:45 da und komme an diesem Tag dafür sogar erst um 11:50 Uhr. Freitags habe ich immer frei, also super für Wochenendausflüge.
Übrigens: An meiner Schule gibt es nur Doppelstunden, dazwischen jeweils 10 bis 15 Minuten Pause. Fun Fact: Die Schulglocke wurde während Corona abgeschafft und läutet genau einmal täglich – nämlich zur ersten Stunde.
Im Deutschunterricht
An meiner Schule ist Deutsch derzeit leider wenig beliebt. Entsprechend gibt es nur eine Deutschklasse mit 12 Schüler*innen im zweiten Lernjahr (Zielniveau A2). Da die Noten der Schüler*innen bereits zum Abitur zählen und am Ende der 11. Klasse eine nationale Prüfung im Fach Deutsch ansteht, schreitet der Unterricht zügig voran.
Deutschbuch | © Ronja Bergmann
Meine Aufgabe besteht daher hauptsächlich darin, die Schüler*innen in individuellen Arbeitsphasen zu unterstützen - insbesondere zwei Lernende mit gesondertem Förderbedarf! Die beiden habe ich inzwischen besonders ins Herz geschlossen! Da ich nicht so viel vorbereiten muss, hatte ich Zeit einen Adventskalender für die Deutschklasse zu basteln. Da haben sie sich sehr gefreut.
Adventskalender | © Ronja Bergmann
Im Englischunterricht
Im Englischunterricht begleite ich meistens meine Betreuungslehrkraft, die sowohl Deutsch, als auch Englisch unterrichtet. Das ist sehr ungewöhnlich, da Lehrkräfte in Portugal üblicherweise nur ein Fach unterrichten. Vereinzelt kann ich Stunden übernehmen und diese auch eigenständig planen und durchführen. Die meiste Zeit hospitiere ich aber und unterstütze die Schüler*innen bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben.Sehr interessant ist es zu sehen, wie unterschiedlich die Niveaus der einzelnen Klassen im Fach Englisch in der 10. Klasse sind und wie unterschiedlich die Schüler*innen arbeiten. Der Grund: Die Schule hat ein sehr großes Einzugsgebiet und in der 10. Klasse kommen Schüler*innen von sehr leistungsstarken, meistens städtischen Schulen oder Privatschulen mit Schüler*innen von eher leistungsschwacheren Schulen zusammen. Zudem spielt der gewählte Zweig der Schüler*innen eine Rolle…
Im nächsten Blog erzähle ich euch mehr über die AGs und Zusatzprogramme an der ESMS, zum Beispiel auch zu meinem Deutschkurs.
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Ronja