Pressefrühstück „Internationale Kultur- und Bildungsarbeit sind kein Beiwerk“

Klaus-Dieter Lehmann und Johannes Ebert beantworten Fragen der Presse
Klaus-Dieter Lehmann und Johannes Ebert beantworten Fragen der Presse | Foto: Viktoria Tomaschko

Bei einem Pressegespräch in Berlin stellte das Goethe-Institut die Schwerpunkte seiner Arbeit in den kommenden Jahren vor. Im Zentrum stehen die internationale Vernetzung feministischer Positionen und die deutsch-französische Zusammenarbeit.

Bei einem Pressegespräch in Berlin äußerte sich Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, zu den Rahmenbedingungen für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik: „Das gemeinsame Interesse für Deutschland in der Welt muss das Interesse an einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft sein. Sie gilt es offensiv zu vertreten. Das Goethe-Institut vertritt diese Haltung, und wir wünschen uns dafür die politische Unterstützung für unsere Arbeitsfähigkeit und die dafür nötigen Ressourcen.“ Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, führte aus: „Es geht derzeit um die großen Fragen – die Zukunft eines friedlichen und gerechten Europas, die Krise der liberalen Werteordnung und zunehmende Angriffe auf die Demokratie. Internationale Kultur- und Bildungsarbeit sind kein Beiwerk, sondern zentraler Faktor in einer auf Wissensaustausch angewiesenen Gesellschaft. In Zeiten zunehmend politischer, wirtschaftlicher und kultureller Grenzziehungen geht es darum, dem europäischen Ideal der Völkerverständigung neue Lebenskraft zu geben. Hierfür brauchen wir 2018 und 2019 stärkere Unterstützung auch von politischer Seite, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Johannes Ebert und Klaus-Dieter Lehmann beim Pressegespräch Johannes Ebert und Klaus-Dieter Lehmann beim Pressegespräch | Foto: Viktoria Tomaschko

Die Bedeutung von Gleichberechtigung

In den kommenden Jahren legt das Goethe-Institut einen Schwerpunkt auf feministische Diskurse und künstlerische Positionen sowie auf Programme, die Frauen stärken, insbesondere ihren Zugang zu Bildung und gesellschaftlichen Schlüsselpositionen. Klaus-Dieter Lehmann: „Das Goethe-Institut fördert die Stärkung von Frauen durch kulturelle und bildungspolitische Programme bewusst und bereits seit vielen Jahren. Das erfolgt auf mehreren Ebenen: durch eine künstlerische und intellektuelle Auseinandersetzung, durch die gezielte Förderung und Vernetzung von etablierten Künstlerinnen sowie durch Bildungsprogramme für Mädchen und junge Frauen.“ Lehmann betonte: „Oft bleibt in der deutschen Öffentlichkeit unerwähnt, dass es auch in Ländern wie Ägypten, Tunesien oder dem Libanon Aktivistinnen, Akademiker und Künstlerinnen gibt, die sich mit Gender-Themen auseinandersetzen. Das Projekt ,Tashweesh‘ nimmt sich der kontrovers geführten Debatte um Tradition, Islam und Feminismus auf intellektueller und künstlerischer Ebene an. Es geht aber auch darum, die Präsenz von Frauen und deren Blick auf die Welt in noch männlich dominierten Kulturindustrien zu erhöhen und damit das gesellschaftliche Verständnis für die Bedeutung von Gleichberechtigung auszuweiten.“

Ein Fundament der Europäischen Union

Generalsekretär Johannes Ebert berichtete, dass das Goethe-Institut sich derzeit mit dem Auswärtigen Amt und dem französischen Außenministerium sowie dem Institut français in Gesprächen befinde, um die deutsch-französische Zusammenarbeit auszubauen. „Wir sehen drei mögliche Ansätze hierfür: die Intensivierung gemeinsamer Programme, gemeinsame Unterbringungen und die Gründung von neuen deutsch-französischen Instituten. Auch wenn die deutsch-französische Zusammenarbeit heute nicht mehr ohne den gesamteuropäischen Kontext gesehen werden kann – sie ist und bleibt ein Fundament der Europäischen Union.“