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Online-Magazin „Fehler“
Dasselbe in Grün

Marvel Comics „The Incredible Hulk“ # 376 , „Personality Conflict“
Marvel Comics „The Incredible Hulk“ # 376 , „Personality Conflict“ | © Grand Comics Database™ (CC BY-SA 4.0)

Das neue Online-Magazin „Fehler“ feiert den Fehler und seine Innovationskraft – mit Essays, Anekdoten, Podcasts und Kunst aus Deutschland, Indien, Kanada und den USA. Auch Hulk, das berühmte Monster der Marvel-Comics, verdankt sein Markenzeichen einem Druckfehler.

Von Stefan Kloo

„Mensch oder Monster oder ist er beides?“, fragte das Cover des Marvel Comics „The Incredible Hulk #1“ im Jahr 1962 und skizzierte damit perfekt die schizophrene Seele des zukünftigen Marvel-Hauptdarstellers. Für Fans von Superhelden-Comics ist der unglaubliche Hulk schon seit fast 60 Jahren eine Ikone, und selbst Uneingeweihte kennen spätestens seit dem phänomenalen Erfolg der „Avengers“-Filme von Marvel den brachialen grünen Klotz. Grün? Ohne einen Druckfehler wäre der unglaubliche Hulk nur grau (und möglicherweise lange nicht so populär).

Stan Lee, der Schöpfer des Incredible Hulk, hatte ursprünglich einen grauhäutigen Hulk entworfen. Die Figur, die im Wesen von Boris Karloffs Inkarnation des gepeinigten Monsters im Film „Frankenstein“, der Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson und dem Golem aus jüdischer Mythologie informiert war, sollte den Erfolg des orangefarbenen Fan-Favoriten „Das Ding“ (The Thing) der Fantastischen Vier wiederholen. Seine Hautfarbe und groteske Statur mussten, wie schon bei „Das Ding“, als Alleinstellungsmerkmal diese Figur definieren, da auch der Hulk ohne Spandex-Outfit und Cape auskommen durfte. Stan Lee wählte grau für den Hulk, weil er sich nicht auf eine bestimmte ethnische Gruppe beziehen wollte und die Farbe „gruselig und unheimlich“ anmuten sollte.

In der ersten Hulk-Ausgabe aber erschien die von Lee gewünschte Farbe uneinheitlich in einer Vielzahl von Grau- und sogar leichten Grüntönen. Auf einigen Seiten strahlte der Hulk in einem hellen, fast metallischen Teint, auf anderen war er dafür deutlich dunkler anthrazitgrau. Die Vorlagen des Koloristen Stan Goldberg und der Lauf der Ausgabe korrespondierten einfach nicht.

Der Druckfehler ist zu erklären – wenn man in einem Vierfarbdruck grau wollte und stattdessen grün bekam, lag das daran, dass die Dichte der Presse entweder leicht auf Magenta oder schwer auf einer Kombination aus Cyan und Gelb lag. Nachdem Lee die erste veröffentlichte Ausgabe mit der manchmal grünlich schimmernden Haut gesehen hatte, bat er den Koloristen Stan Goldberg, den Hulk für die zweite Ausgabe grün zu machen. Dabei blieb es, in den meisten Nachdrucken wurde der Hulk der Erstausgabe grün nachgefärbt und der „Jolly Green Giant“ sollte zu einem der populärsten und komplexesten Charaktere des Marvel-Universums werden. Da die grüne Haut des Charakters von so grundlegender Bedeutung geworden ist, war der verpatzte Druck in der Tat eine glückliche Fügung: Schätzungen zufolge hat der grüne Antiheld seit seinem grauen Debüt mehr als eine Milliarde Dollar durch Charakterlizenzen generiert.

Weitere Missverständnisse, Fehler in Übersetzungen, schadhafte Prozessoren oder tote Fliegen, die unerwartet Neues hervorbrachten, versammelt das Online-Magazin „Fehler“.

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