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„Hack Your Culture“
Zeig mir deine Sammlung

Collage - Zeig mir deine Sammlung | Njoki Ngumi, Cristiana Serejo, Medhavi Gandhi, Lisistrata Lusandiana
Collage - Zeig mir deine Sammlung | Fotos (Ausschnitte): © privat, N. Ngumi, C. Serejo, M. Gandhi, L. Lusandiana

Im Rahmen von „Hack Your Culture“ des Goethe-Instituts kamen drei Vertreterinnen von Kulturinstitutionen in Brasilien, Indonesien und Kenia zusammen, um die Herausforderungen des Digitalen zu diskutieren.

Von Tânia Caliari

Anfang November 2020 kamen im Rahmen des Hackathons „Hack Your Culture“ der Goethe-Institute in Brasilien, Indonesien und Südafrika Vertreterinnen von drei Museen und Archiven in Brasilien, Indonesien und Kenia zusammen, um über digitalen Wandel und Kulturerbe im globalen Süden zu sprechen. Dabei wurde deutlich: Der Prozess der Digitalisierung von Sammlungen und die Entstehung virtueller Publikumsformate im Museumsbereich wurden während der Covid-19-Pandemie vorangetrieben und bieten großes Potenzial für die Interaktion zwischen den Institutionen und ihren Besucher*innen.
Gleich zu Beginn brachte die Moderatorin Medhavi Gandhi, Heritage Lab Indien, das Gespräch auf die Covid-19-Pandemie. „Als die Pandemie kam, fielen in den ersten Wochen die Kulturveranstaltungen aus. Aber wenige Monate später hatten wir eine digitale Strategie auf die Beine gestellt und merkten, dass Online-Events günstiger und leichter zu bewerkstelligen sind“, so Lisistrata Lusandiana, Direktorin des Archivs der Visuellen Künste Indonesiens.

Der Zugang zum Internet ist nicht für alle eine Selbstverständlichkeit

Die Vizedirektorin des Museu Nacional in Rio de Janeiro, Cristiana Serejo, bestätigte, dass die Pandemie eine Chance sei, den Digitalisierungsprozess voranzubringen. „Im Juni 2020 feierte das Nationalmuseum seinen 202. Geburtstag. Unsere Mitarbeiter*innen hatten die Idee, dafür kurze, informative Videos zu erstellen. Aber keiner kannte sich zunächst aus mit dem Drehen und Editieren von Videos. Das war eine große Herausforderung und ich finde, wir haben dabei viel dazugelernt.“
Die Kenianerin Njoki Ngumi von The Nest Collective betonte, die Einschränkung des sozialen Lebens habe deutlich gemacht, dass Zugang zum Internet nicht für alle etwas Selbstverständliches ist, obwohl es ein allgemeines Menschenrecht sein sollte. Sie plädierte dafür, über die Formen der digitalen Interaktion, die sich während der Pandemie etabliert haben, hinauszugehen und zu versuchen, vollständigere virtuelle Erlebnisse anzubieten, etwa mit Virtual Reality.
 

Was die Leute wirklich sehen wollen

Auf die Frage, was für sie und ihre Einrichtungen im Hinblick auf den digitalen Wandel Priorität habe, äußerten die Teilnehmerinnen einhellig, dass der Ausbau der Internet-Infrastruktur und von Expertise im Bereich Digitalisierung grundlegend seien. „Aus meiner Sicht ist der Ausbau des Zugangs zum Kulturerbe durch diese beiden Faktoren bedingt“, so Njoki Ngumi. Zudem eröffne die Digitalisierung die Möglichkeit, das Museumspublikum anhand digitaler Daten kennenzulernen. Ngumi fügte an, dass sich in Kenia die meisten Suchmaschinen-Anfragen auf die Themen Sport und Sex bezögen. „Welches Museum hat schon einmal etwas Spannendes zum Thema Sport gebracht? Ist es möglich, eine familientaugliche Ausstellung zum Thema Sex zu gestalten? Diese Fragen können wir den Leuten stellen und uns dann zu diesen Themen engagieren. Wir sollten bei den Daten anfangen und uns fragen, was die Leute wirklich sehen wollen.“
Für Cristiana Serejo vom brasilianischen Museu Nacional, das 2018 durch einen verheerenden Brand zerstört wurde, fördern digitale Angebote auch das Zugehörigkeitsgefühl des Publikums. „Ich bin der Auffassung, dass es notwendig ist, bei den Menschen das Gefühl zu wecken, zu diesem Museum dazuzugehören.“ Dem stimmte auch Lusandiana zu und betonte, dass Kulturinstitutionen für viele Menschen sehr weit weg erschienen und digitale Medien Nähe herstellen könnten. Zudem böte die Zugänglichmachung von Sammlungen über das Internet Wissenschaftler*innen, Forscher*innen und Interessierten weltweit die Möglichkeit, mit den Daten zu interagieren.

Dekolonisierung der Institutionen

Ngumi ergänzte, dass in Ländern mit einer kolonialen Vergangenheit das Verhältnis der Menschen zu den Museen der Kolonisator*innen etwas „Ererbtes“ sei. Die direkte Interaktion mit den Kulturinstitutionen durch einen vereinfachten digitalen Zugang ermögliche es den Menschen, dieses Verhältnis neu zu gestalten. Zum Thema Dekolonisierung der Institutionen fügte Serejo an, dass es durch die Digitalisierung von Sammlungen möglich werde, weltweit verstreute Objekte der brasilianischen Kultur mit Objekten aus der eigenen Sammlung zusammenzubringen.
Nach dem Großbrand von 2018, bei dem die Sammlung des Museu Nacional fast vollständig verloren ging, erreichten viele Schenkungen aus der indigenen Bevölkerung Brasiliens das Museum, um die Sammlung neu aufzubauen. Auch dabei spielten digitale Plattformen eine zentrale Rolle. „Es ist sehr interessant zu sehen, wie sich die indigenen Gemeinschaften mit unserem wissenschaftlichen Team zusammengetan haben, um die Sammlung des Museu Nacional zumindest in Teilen wiederherzustellen“, so Serejo. „Das ist ein vollkommen anderer Prozess als zur Zeit der portugiesischen Kolonisierung.“

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