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Konferenz „Echoes of the South Atlantic“
Lexikon für eine gemeinsame Welt

Während des Vortrags von Paul Gilroy auf der Konferenz „Echos of the South Atlantic“
Während des Vortrags von Paul Gilroy auf der Konferenz „Echos of the South Atlantic“ | Foto: Sebastian Bolesch

Bis ins 15. Jahrhundert markierte der Atlantik die wahrnehmbare Grenze zwischen Afrika und Europa auf der einen und Amerika auf der anderen Seite. Ihre Überwindung setzte eine Geschichte von Kolonisierung, Versklavung, Ausbeutung und Migration in Gang. Die Konferenz „Echoes of the South Atlantic“ des Goethe-Instituts rückt diese Vergangenheit ins Zentrum eines interkulturellen Diskurses.

Von Ana Hupe

Die Performance „2021“ von Jota Mombaça und Michelle Mattiuzzi versuchte den Geist der zweitägigen Konferenz „Echoes of the South Atlantic“ zusammenzufassen: Beide betraten das Foyer des Hauses der Kulturen der Welt in weißer Kleidung und hielten Händchen. Das verfärbte Haar von Mattiuzzi bildete einen runden Schein über ihrem Kopf, der den Ton der Geister wiedergab, die das Duo durch lautes Vorlesen, Schreiben, Nacherzählen und Löschen von Sätzen wie „black impossible bodies”, „to touch the brokeness” oder „every white smile is a threat” hervorrief. Die Geister waren bereits von Paul Gilroy, der die Keynote am ersten Abend der Konferenz hielt, in einer beeindruckenden Präsentation auf der Terrasse beschworen worden. Dort erinnerte er sich an William Edward Burghardt Dubois, Stuart Hall und alle, die den Weg für seinen Klassiker „The Black Atlantic: Modernity and Double Consciousness“ prägten.
Performance „2021“ mit Jota Mombaça (links) und Michelle Mattiuzzi (rechts) Performance „2021“ mit Jota Mombaça (links) und Michelle Mattiuzzi (rechts) | Foto: Sebastian Bolesch

Dem Aufstieg des Faschismus entgegenwirken

Die Rede von Paul Gilroy wurde von Musik begleitet. In Würdigung des am 6. Juli verstorbenen brasilianischen Musikers João Gilberto, der Klänge aus Jamaika, Ghana und anderen afrikanischen Ländern aufgriff, erinnerte er an die Bedeutung von musikalischen Archiven der Diaspora als Ort, um den Menschen im globalen Süden eine Zukunft zu vermitteln und dem Aufstieg des Faschismus entgegenzuwirken.
Felwine Sarr wies am Ende der Konferenz in seinem hoffnungsvollen Vortrag (Video des Vortrags) auf die Gestaltung neuer Identitäten hin, die Exil und Umsiedlungen mit sich bringen. Sarr erklärte, dass die Gesellschaft mit transnationalen Fragen lebe, die sich aus der zunehmenden Mobilität in der Welt speisen, jedoch immer noch als Fragen eines Nationalstaates betrachtet werden. Er fordere deshalb ein neues „Lexikon“ für eine gemeinsame Welt.
Felwine Sarr während seines Vortrags Felwine Sarr während seines Vortrags | Foto: Sebastian Bolesch

Viele Projekte – eine Vergangenheit

Neben den Hauptvorträgen gab es auf der Konferenz vier Panels und zwei Filmvorführungen: Die Aufarbeitung der Beteiligung skandinavischer Nationen an kolonialer Gewalt, die dunkle Geschichte bei der Herstellung scheinbar harmloser Rohstoffe wie Vanille in Madagaskar und die Bedeutung von Plattformen für queere Künstler*innen aus dem globalen Süden waren einige der Themen. Gemeinsam haben die Teilnehmer*innen den Wunsch, die Sprache der Kunstgeschichte aufzufrischen. Eine der diskutierten Strategien für die Erstellung eines dekolonialen Glossars waren Aktionen zur Ablehnung der Repräsentativität. Der Kurator Paul Goodwin forderte, wie Èdouard Glissant es nennen würde, „das Recht auf Opazität“ und zeigte Werke von Künstler*innen, die Binärismen hinterfragen, um verschiedene Welten in Beziehung zu setzen.
<i>Drafting beyond the Atlantic: Wombs of a Rainforest</i> (Esboçando para além do Atlântico: Ventres da Mata Atlântica), de Amilcar Packer e Anita Ekman Drafting beyond the Atlantic: Wombs of a Rainforest (Esboçando para além do Atlântico: Ventres da Mata Atlântica), de Amilcar Packer e Anita Ekman | Foto: Sebastian Bolesch

Geschichte aufarbeiten und zuhören

Das Hauptziel der Plattform „Echoes of the South Atlantic“ ist es, den Süd-Süd-Dialog zu fördern und die koloniale Rolle Europas als Vermittler dieser Beziehungen zu überdenken. Das Projekt des kamerunischen Künstlers Jean-Pierre Bekolo in Kolumbien spiegelt dieses Ziel wider: Er analysiert die Beziehung des „ursprünglichen“ afrikanischen Menschen zur diasporischen Identität.
Die indianischen Völker, die während des Kolonialismus einen Völkermord erlitten, wurden von Anita Ekman und Amilcar Packer in einem Projekt beleuchtet. Sie präsentierten Bilder, die in der brasilianischen Serra da Capivara in Zusammenarbeit mit indigenen Frauen aufgenommen wurden und Teil ihrer Forschung im brasilianischen Atlantikwald sind.
Die Kraft des Klangs, eines Mediums, das die verbindenden Welten besser durchdringt, wurde von DJ Samy Bem Redjeb geehrt. Die Musik, die er spielte, erlaubte es, Phantasien zu erweitern, um den noch existierenden Kolonialismus weiter zu bekämpfen.

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