Bernhard Forck im Gespräch Musikalische Reise durch das barocke Europa

Akademie für Alte Musik Berlin
Akademie für Alte Musik Berlin | Foto: © Uwe Arens


Am 13. Oktober, Samstag, um 19:00 Uhr im Studio 1 des bulgarischen Rundfunks wird die Akademie für Alte Musik Berlin (kurz Akamus) ihr erstes Konzert in Sofia geben. Ein Gespräch mit ihrem Konzertmeister Bernhard Forck über das Erfolgsrezept des Ensembles und das bevorstehende Konzert in Sofia.

Auf der Seite des Ensembles lesen wir: „1982 in Berlin gegründet, gehört die Akademie für Alte Musik Berlin (kurz Akamus) heute zur Weltspitze der historisch informiert spielenden Kammerorchester und kann auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte verweisen.“ Würden Sie das Erfolgsrezept von Akamus verraten?
 
Wir haben uns über die 36 Jahre eine große Spontaneität im Konzert und auf der Bühne erhalten. Mich selbst fasziniert es immer wieder, welche rhythmische Kraft und Lebendigkeit aus diesem Ensemble kommt - und das von jedem Pult.  

Sie spielen alte Musik auf historischem Instrumentarium. Warum haben Sie sich gegen das moderne Instrumentarium entschieden?
 
Zum historischen Instrumentarium gehören freilich auch immer moderne Kopien alter Instrumente, das macht diese Unterscheidung in gewisser Weise schon etwas hinfällig. Wir streben allerdings ein ‚historisch orientiertes Klangbild‘ an, das sich der Verbindung zahlreicher Aspekte verdankt, so u.a. den viel differenzierteren Klangfarben durch die Verwendung alter Instrumente und Bögen, die bereits baulich sehr variieren. Bei den Streichern sorgt zudem die Bespannung mit Darmsaiten für eine ganz andere Art der Tongebung. Ich empfinde das immer als ein sehr charakterstarkes Musizieren, das nie einen bloß vordergründig homogenen Schönklang anstrebt, sondern ganz dem Sprach- und Affektgehalt der Barockmusik verpflichtet ist. Auch Aufgerautes und Geschärftes hat darin Platz.
 
„Mit der Zeit gehen“ trifft bestimmt nicht auf Akamus. Ist die Barockmusik so zeitlos, dass sie dem nagenden Zahn der Zeit entkommen kann?

Tatsächlich ist es so, dass die Orchestersprache des Barock auch heute noch den Hörer besonders unmittelbar packt. Das oftmals Tänzerische der Barockmusik und ihr großer Reichtum an Affekten lassen das Publikum unmittelbar an der Lebendigkeit des Musizierens teilhaben. Diese direkte Verbindung zum Publikum spüren und genießen wir bei unseren Konzerten auch auf der Bühne.
 
Das Ensemble wurde vor 36 Jahren gegründet. Wagen wir einen Blick voraus: Welche Ziele setzt sich das Ensemble für die Zukunft? 
 
Wir sind immer ein entdeckungsfreudiges Ensemble gewesen. Das heißt eben nicht nur in den Archiven die Schätze heute kaum bekannter Komponisten zu heben, sondern auch über den Tellerrand der Barockmusik hinaus zu blicken. Beim Internationalen Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen haben wir jüngst Richard Strauss‘ „Metamorphosen für 23 Streicher“ gespielt und das Werk als Prolog einer Aufführung von Purcells „Dido und Aenas“ vorangestellt.In den kommenden Jahren werden wir verstärkt Ausflüge ins 19. Jahrhundert machen. Im Hinblick auf das große Beethoven-Jubiläum 2020 starten wir bereits in dieser Saison einen großen Zyklus, in denen wir uns mit Beethovens Sinfonien und ihren Vorbildern beschäftigen. Und auch im 21. Jahrhundert sind wir angekommen: Der argentinisch-französische Komponist Oscar Strasnoy schreibt derzeit für uns und das Percussion-Duo „DoubleBeats“ ein gemeinsames Werk, das im nächsten Herbst uraufgeführt wird.
 
Am 13.10 geben Sie Ihr erstes Konzert in Sofia. Haben Sie sich einen Plan überlegt, wie Sie das bulgarische Publikum für die Barockmusik begeistern wollen?

Einen eigenen Plan haben wir dafür nicht. Wir werden das tun, was wir immer machen:
fesselnde Barockmusik spielen. Das Programm „Europäischer Barock“, das wir in Sofia präsentieren, bietet dafür beste Voraussetzungen. Es ist ein höchst abwechslungsreiches und farbiges Panorama mit wunderbarer Musik von Händel, Vivaldi und vielen weiteren Komponisten. Ich bin mir sicher, dass mit Werken wie Geminianis lebendiger und überbordender „Follia“ der Funke auch auf das bulgarische Publikum überspringen wird.
Dann freut es uns natürlich, dass wir durch die Kooperation mit dem Bulgarischen Nationalen Radio und dem Goethe-Institut Bulgarien nicht nur zum Konzert nach Sofia kommen. Dank der geplanten Probenbesuche, unserer Workshops und der Radioübertragung können wir sicher sehr viele Menschen von unserer Art des Musizierens begeistern.
 
Und eine letzte Frage: Welche Musik hören Sie im Privaten - lieber alte oder moderne?

Diese Antwort mag für einen Musiker kurios ausfallen. Aber die vielen Konzerte, Proben und Aufnahmen, das Üben und natürlich auch die Familie, bringen es mit sich, dass man privat gar nicht viel Muße zum Musikhören hat. Dennoch genieße ich es, an freien Abenden manchmal auch ins Konzert zu gehen. Dann spielt die Unterscheidung in Altes und Modernes keine wesentliche Rolle. Besonders deren kluge Gegenüberstellung in einem Konzertprogramm empfinde ich oft als inspirierend.