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Im Gespräch mit Eliza Petkova
Bulgarische Namen im deutschen Kino: Eliza Petkova

Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt
Still aus „Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt“ | Foto: © Constanze Schmitt

Eliza Petkovas jüngster Film „Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt“ wurde im Februar im Rahmen der 70. Ausgabe der Berlinale uraufgeführt und trat in der Sektion Perspektive Deutsches Kino an. Der Film wurde im Juli im Rahmen der diesjährigen Sommer-Sonderausgabe des Sofia Film Festivals dem bulgarischen Publikum vorgestellt. „Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt“ ist einer der drei deutschen Filme von bulgarischen Regisseur*innen, die dieses Jahr auf dem Festival gezeigt werden. Wir haben mit allen drei Regisseurinnen gesprochen, um mehr über ihre Filme und die aktuellen Entwicklungen im Kinobusiness unter den momentanen Sonderbedingungen zu erfahren.

Von Simona Ganeva

Wie werden heute in Deutschland Filme gemacht?

Ich weiß nicht, ob es irgendwo auf der Welt eine bestimmte Formel gibt, um Filme zu machen. Grundsätzlich braucht man für die Umsetzung eines Filmprojekts neben den materiellen Voraussetzungen vor allem viel Motivation, Vertrauen in das Projekt, Geduld, Belastbarkeit, Neugierde, Lust mit Menschen zu arbeiten, Mut kreative Freiheit zu zeigen, Optimismus, wachsame Intuition und einen guten Willen.
Wenn die genannten Anforderungen erfüllt sind, kann der Autor oder die Autorin eine Koalition mit den richtigen Personen bilden und sich mit einem starken künstlerischen Team umgeben, um das Projekt zu verwirklichen. Das ist, wovon ich überzeugt bin, aber ein Erfolgsrezept habe ich nicht.

Wie war Ihr Schaffensweg von der Geburtsstunde der Idee für den Film „Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt“ bis hin zu seiner Realisierung auf der Leinwand?

Gewunden, ähnlich einem steilen Bergweg mit kleinen und grossen Steinen, die mehrere Hindernisse darstellen. Da der Film nicht über eine „unschuldige“ Thematik verfügt wie zum Beispiel romantische Komödien, waren die Organisation und Finanzierung des Films sehr schwierig. Am Ende haben wir sogar eine Koproduktion mit einer chinesischen Produktionsfirma aus Peking entwickelt, um den Film realisieren zu können. Insgesamt dauerte der Prozess drei Jahre, in denen wir das Gefühl eines unaufhörlichen Marathons hatten. Aber dann, als wir uns alle bei der Berlinale für die Vorführung versammelten und die Reaktionen auf den Gesichtern von tausenden von Menschen im Publikum sahen, wurde das Gefühl von schwerer Last augenblicklich in ein Gefühl von Glück und Leichtigkeit verwandelt.

Welche Regisseur*innen (und/oder Filme) habe sie zum visuellen Stil Ihres Filmes inspiriert?

Filme wie „Dogtooth“ von Giorgos Lanthimos, „Elena“ von Andrei Swjaginzew, „Attenberg“ von Athina Rachel Tsangari und nicht zuletzt „Nader und Simin – Eine Trennung“ vom iranischen Regisseuren Asghar Farhadi haben uns definitiv mit ihrer beeindruckenden und gleichzeitig schlichten und reinen Ästhetik inspiriert. Das Gefühl für die Charaktere wiederum ist stark von der Konstellation der Charaktere in Jean-Paul Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“ inspiriert. Dort sind die drei Protagonisten ebenfalls in der „Hölle“ eingeschlossen, die durch ihre eigenen Erwartungen hervorgebracht wird und sich immer an denjenigen richtet, der am wenigsten in der Lage ist, auf diese zu reagieren.

Einer der großen persönlichen Kämpfe des modernen Menschen ist die Sehnsucht nach Veränderung, die aus irgendeinem Grund niemals eintritt. Wir können diesen inneren Widerspruch in der einen oder anderen Form in den Figuren in Ihrem Film wiederfinden. Denken Sie, dass die aktuelle Ausnahmesituation als Chance für eine solche Veränderung gesehen werden kann, die unser Leben tatsächlich vollständig verändert?

Sie bietet mit Sicherheit eine Gelegenheit. Ob diese Gelegenheit jedoch zu einer echten Veränderung führt, liegt bei uns. Es ist unabdingbar, dass wir aktive Schritte unternehmen und bewusste Entscheidungen treffen, um unser Leben in die gewünschte Richtung zu leiten.
Wenn wir uns darauf verlassen, dass eine Pandemie uns vorgefertigte Lösungen präsentiert und uns von unserer eigenen Destruktivität gegenüber der Welt um uns herum erlöst – das wird nicht passieren. Was wir brauchen ist zuerst ein Bewusstsein, dann die Bereitschaft zur Veränderung und schliesslich der Wille, die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. All dies liegt vollständig im Bereich des Möglichen, aber dessen Verwirklichung erfordert einen kollektiven Willen.

Wie hat sich die Pandemie auf die Verbreitung des Films „Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt“ ausgewirkt? Was sind Ihrer Meinung nach die Chancen und Herausforderungen, vor denen er angesichts der Bedingungen steht, unter denen wir für eine unbekannte Zeit leben werden? 

Die Auswirkungen der Pandemie sind sehr groß und spiegelten sich unmittelbar nach seiner Weltpremiere auf der Berlinale im monatelangen Einfrieren des Films wider. Viele der Festivals, auf denen er präsentiert werden sollte, wurden aufgrund von Einschränkungen abgesagt, einige davon wurden verschoben oder fanden online statt. Die Verbreitung ist schwierig und unvorhersehbar. Für den kommenden Herbst hoffen wir auf „echte“ physische Teilnahmen an Festivals, für die der Film ausgewählt wurde, aber niemand weiß, wie sich die Dinge bis dahin entwickeln werden.

Beschreiben Sie in einem Satz, warum wir Ihren Film schauen sollten.

Weil er nicht missioniert, nicht erzieht und keinen mahnenden moralischen Zeigefinger erhebt, sondern die Intelligenz seiner Zuschauer respektiert.
 

Елица Петкова Foto: © Daniel Seiffert Eliza Petkova schloss ihren Master in Philosophie und Japanologie an der Universität Düsseldorf ab. Darauf folgte ein Abschluss in Filmregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Sie hat zwei Spielfilme, zwei Dokumentarfilme und ein Dutzend Kurzfilme gedreht. Ihre Filme wurden auf zahlreichen renommierten internationalen Festivals präsentiert und ausgezeichnet, darunter auf den Festivals in Cannes und Berlin.

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