Ausstellung Intro to Sensitivity Training

Intro to Sensitivity Training © Short Notice Studio, Berlin

Mi, 18.05.2022 -
Fr, 17.06.2022

Goethe-Institut Bulgarien, Galerie

Eine Satellitenausstellung der 25. Gabrovo-Biennale

INTRO TO SENSITIVITY TRAINING
Satellitensusstellung
der 25. Gabrovo Biennale für Humor und Satire

Kurator: Olav Westphalen

Eröffnungsdatum: 18. Mai 2022, 18:30 Uhr
Standort: Goethe-Institut Bulgarien, Galerie



Diese Ausstellung ist ein Vorläufer von Intro to Sensitivity Training im Museum für Humor und Satire in Gabrovo, eine von drei Shows, die die 25. Biennale für Humor und Satire in Gabrovo ausmachen.

Die diesjährige Ausgabe der Gabrovo-Biennale steht unter dem Motto "Ökonomie der Mittel" und widmet sich Umwelt- und Wirtschaftsfragen wie den schwindenden natürlichen Ressourcen und dem rapide schrumpfenden Spielraum, in dem wir uns als Zivilisation befinden, die mit sozialen und ökologischen Umwälzungen konfrontiert ist. In diesem Zusammenhang konzentriert sich Intro to Sensitivity Training auf die zugrundeliegenden sozialen Einstellungen, die ebenso Teil des Problems sein können wie das, was wir verbrennen, was wir essen oder wen wir unsere Drecksarbeit machen lassen.

Alle Werke der Eröffnungsausstellung des Goethe-Instituts bedienen sich des Humors, repräsentieren aber ganz unterschiedliche künstlerische Ansätze, die von karikaturistisch und grotesk bis hin zu gefühlsbetont und psychologisch komplex reichen und damit einige der Themen und Modalitäten der größeren Biennale ankündigen. Wir hoffen, dass sie Ihnen Lust machen, weitere Werke diese Künstler*innen und ihrer Kolleg*innen in Gabrovo zu sehen.


Am Goethe-Institut zeigt Kasia Fudakowski Word Count, eine Serie kurzer Live-Action-Videos, die auf der Hypothese basiert, dass die menschliche Sprache in Zukunft rationiert wird, um Umweltkatastrophen zu vermeiden. Auf der Suche nach dem Komödiantischen spielt sie mit High-Concept-Comedy. Diese verlässt sich auf eine sorgfältig verfolgte, fehlerhafte Logik und spielt so verschiedene Szenarien von schrecklichen Zukünften durch. Auf der Biennale wird Fudakowski die neueste Episode von Word Count, eine Stop-Motion-Animation über Gabrovo, uraufführen. Darin stellt sie liebevoll einige der absoluten Favoriten der Stadt nach; die Skulptur von Racho, dem Schmied, das berühmte Haus des Humors sowie einige Katzen ohne Schwänze.

Camp Solong ist eine fortlaufende Zusammenarbeit zwischen Dafna Maimon und Ethan Hayes-Chute. Es handelt sich um Sommercamps, in denen die Teilnehmer*innen, geschützt nur durch minimalistische, provisorische Unterkünfte, in der Natur zusammenleben und Übungen und Erfahrungen machen, die ihnen helfen „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Die Installation hier, Camp Solong: Lost Weight (2021), präsentiert Relikte solcher Übungen, sowie ein Lehrvideo, in dem Maimon und Hayes-Chute in ihren Rollen als Fluffy und Baloo, die Lagerberater, demonstrieren, wie man ein Loch gräbt, das anders ist als jedes Loch, welches Sie zuvor gegraben haben. Das Graben eines Lochs wird zu einer Übung, um Gefühle, Konflikte und allerlei psychischen Ballast auszugraben.

Laura Pientka ist Bildhauerin und Keramikerin. In Gabrovo wird sie ein ausgedehntes Rohrsystem installieren, das wie undichte Abwasserrohre aussieht. Für das Intro wählte sie ein viel leichteres Werk. Ein einzelnes Wort, „Oops“, dessen Buchstaben aus Ton bestehen und glasiert sind, klebt an der Wand. Einer der Buchstaben ist offenbar zu Boden gerutscht und hat einen Fleck hinterlassen. Balancing Act (2020) ist kindischer Witz und typografischer Slapstick zugleich. So weit, so süß. Von einer düstereren Seite betrachtet steht es jedoch in Verbindung mit Kotabstrichen, einem relativ häufigen Phänomen in der frühkindlichen Psychologie, das oft mit Autismus oder elterlicher Vernachlässigung und bei Erwachsenen mit ernsthaften psychischen Problemen verbunden ist. Es erinnert sogar an die „schmutzigen Proteste“ der 1970er Jahre in Nordirland, bei denen gefangene IRA-Mitglieder ihre Zellen beschmierten, um gegen die Bedingungen ihrer Haft zu protestieren. (Eines der zufälligen Ergebnisse von Intro to Sensitivity Training  scheint zu sein, dass Comedy selten weit von Scheiße oder Tod oder beidem entfernt ist.)

Das Publikum in Sofia wird auch zum ersten Mal einige der Arbeiten von Olav Westphalen in Form von Cartoons kennenlernen. Dies geschah lange bevor er gebeten wurde, Kurator und Künstler der Biennale zu sein. Im Goethe-Institut stellt Westphalen diesen Cartoon (What our village needs now is a Biennial, 1999) zusammen mit vier anderen Cartoons aus, die er im Laufe der Jahre in verschiedenen Kunstzeitschriften veröffentlicht hat. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Vorstellung, dass die Kunstwelt ihre eigenen Seiten hat, auf denen sie ordentlich verspottet werden kann. Dies ist natürlich nicht der Fall. Normalerweise muss die Kunst eine Fassade der absoluten Ernsthaftigkeit aufrechterhalten, um ihre Existenz zu rechtfertigen.


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Olav Westphalen wurde 1963 in Hamburg geboren. Er studierte in seiner Heimatstadt und an der University of California, San Diego. Heute lebt er in Stockholm. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Whitney Museum in New York, im Institute of Contemporary Art in London, im Swedish Institute in New York, im Museum Moderna in Stockholm, im Kunstverein Brandenburg in Potsdam und im Museum Friederizianum in Kassel ausgestellt. Seine Arbeiten sind in Sammlungen wie dem Dallas Museum, dem Centre Pompidou, dem Museum of Modern Art und dem Museum of Modern Art in New York vertreten.

Westphalen ist "ein Künstler, der immer mit Humor arbeitet, aber selten beim Komischen stehen bleibt": Seine konzeptionellen Arbeiten haben oft die Form von Spiel, Spaß oder Cartoons und zielen darauf ab, die kulturellen blinden Flecken der heutigen Gesellschaft aufzudecken. Er spielt auf beiden Seiten des Spektrums und produziert Comedy und Cartoons für die Massenmedien. Neben seiner Arbeit als Künstler verfügt Westphalen auch über umfangreiche Erfahrungen als Kurator.

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