Aktuelle Musik aus Deutschland
Popcast

Shed © Birgit Kaulfuss

Rock, Pop, Hip-Hop, Electro: jeder Monat beginnt mit einem Schlaglicht auf die Studios und Clubs zwischen Kiel und Weilheim. Gemeinsam mit Zündfunk, dem Szenemagazin des Bayerischen Rund­funks, präsentieren wir Neues abseits der Charts. Qualitäts-Pop made in Germany, auch im Abo zum Herunter­laden.

Aktuelle Ausgabe

Diesen Monat mit Musik von: 

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen | Tapete Records 
Ezé Wendtoin | Trikont
Frau Kraushaar | Staatsakt
Ralph Heidel | Kryptox
Shed | Edition Dur
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

Die Liga der Gewöhnlichen Gentlemen
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen | © DLDGG
Hamburg ist die Musikhaupstadt Deutschlands. Das hören Musiker*innen aus Berlin natürlich nicht so gern, aber es gibt einige Belege dafür, die sich einfach nicht verleugnen lassen. Einer davon war zweifellos die Band Superpunk. Ihr pointierter, Northern Soul beeinflusster Garagenpunk mit lustigen sozialistischen Texten war eine Offenbarung. Nach der Auflösung der Band entschlossen sich zwei der Bandmitglieder, mit gleichem Konzept und ähnlicher musikalischer Ausrichtung weiterzumachen: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, bei der praktischerweise der Chef der Plattenfirma Gitarre spielt, führt die Superpunk-Tradition ohne Fehl und Tadel weiter. Großes Glück!
 

Ezé Wendtoin
Ezé Wendtoin | © Warc-en-ciel
Eine recht kuriose Mischung aus deutschsprachigem Partylied und afrikanischer Tradition liefert Ezé Wendtoin aus Burkina Faso für den Popcast des Monats August ab. Aber der sonnig-launige Partysound trügt, den Ezé pendelt nicht nur musikalisch zwischen seinen Welten, sondern auch im Rahmen gleich mehrerer von ihm initiierter Hilfsprojekte, deren Ziel die Verbesserung der Schulbildung in seiner afrikanischen Heimat ist.

Alles ist voll Scheiße
Die Welt ist so gemein
Ich finde alles zum kotzen
Und leg mich ins Selbstmitleid rein

Frau Kraushaar „Lamentierendes Schwein“ (Bella Utopia, 2022)

Frau Kraushaar
Frau Kraushaar | © Vera Tammen/Staatsakt
Eine weitere Klassikerin aus der Hamburger Szene ist die schon seit langem tätige Musikerin und Künstlerin Frau Kraushaar. Mit Bella Utopia hat sie ein ausgezeichnetes elektronisches Folk Album, gespickt mit dadaistischen Texten abgeliefert, in dem es mal um die ganze kleinen Dinge des Lebens (ein Fundstück auf dem Flohmarkt beispielsweise), manchmal aber auch um grundlegende Lebenshaltungen (wie hier oben in Lamentierendes Schwein) geht.
 

Ralph Heidel
Ralph Heidel | © Michael Ullrich
Modern Life
, das neue Album des Saxophonisten und Produzenten Ralph Heidel entstand in Zusammenarbeit mit dem derzeit vielleicht bekanntesten deutschen Produzenten Max Rieger. Die Arbeit zeichnet sich durch große Experimentierfreude aus, aber ihre Wurzeln liegen im Jazz und der Kammermusik. Auffallend ist neben einigen Mini-Perkussionsinstrumenten die Verwendung eines sehr alten Wandklavieres, und natürlich immer wieder das Altsaxophon des Künstlers selber.
 


Shed
Shed | © Birgit Kaulfuss
Rene Pawlowitz aka Shed reflektiert in seinem introspektiven neuen Album Odenbruch Themen seiner alten Heimat im Osten Deutschlands. Es geht um diese kleinen Orte, lokale Tankstelle, der Blick aufs Wasser, Musik, die aus Autos dringt die in Richtung Berlin fahren, ländliche Alleen, Trauerweiden und verlassene Fabriken, wo einst die Industrie florierte. Eine Landschaft zum Verlassen und Zurückkehren, ein pastorales Werk voller Ernsthaftigkeit, das im Katalog von Ostgut Ton, der dem legendären Berghain angeschlossenen Plattenfirma, erschienen ist.
 

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Weitere Ausgaben

Popcast Juli 2022

mit Musik von: 

Brezel Göring | Stereo Total Records / Flirt 99
Finna | Audiolith
Magnetic Ghost Orchestra | Fun in the Church
Perel | Kompakt
Raison | Buback
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann
Brezel Göring
Brezel Göring | © Tina Linster
Seit den Neunzigerjahren haben Brezel Göring und Françoise Cactus mit ihrer Berliner Band Stereo Total deutsch-französische Freundschaft in verrückte Sounds verpackt. Anfang 2021 ist Françoise Cactus verstorben, deren gewollt überzogener französischer Akzent Markenzeichen der Band war. Ein gutes Jahr später veröffentlicht Brezel Göring mit Psychoanalyse (Volume 2) jetzt sein erstes Soloalbum seit dem Ende von Stereo Total. Das Album zeigt Brezel Göring von seiner verletzlichen Seite und ist vom Verlust seiner Bandpartnerin und Lebensgefährtin geprägt.

Mache den Rap wieder soft und zart
Fühl mal Gefühle und komm drauf klar
Mach nicht auf Boss und fühl dich hart
Denn jede Emotion macht uns stark

Finna „Zartcore“

Finna
Finna | © Katja Ruge
HipHop ist nur was für harte Jungs? Überhaupt nicht, findet die Hamburger Rapperin Finna. Zu ihrem Auftritt gehören nicht nur schwere Beats und klare Statements, sondern genauso pinke Outfits und eine Prise Glitzer. Ihrem aktuellen Debütalbum hat Finna den Namen Zartcore gegeben. Unter diesem Motto möchte sie das Sanfte und Zarte in die direkte, oft aggressive Welt des HipHop tragen und mehr Vielfalt in dem Genre möglich machen.
 

Magnetic Ghost Orchestra
Magnetic Ghost Orchestra | © Benjakon
Verglichen mit den vielen Solokünstlerinnen und -künstlern im Popcast des Monats Juli scheint Magnetic Ghost Orchestra genau den umgekehrten Weg zu gehen. Die Jazz-Gruppe um den Komponisten und Gitarristen Moritz Sembritzki besteht aus 17 Mitgliedern, die an dieser Bandgröße besonders den bombastischen Sound schätzen. Den präsentiert die Band gerade auf ihrem ersten Album Sand.

Perel
Perel | © Helen Perez
Für den namensgebenden Track ihres zweiten Albums hat die Electro-Musikerin Perel sich Verstärkung aus Montreal geholt. In Jesus Was an Alien ist nämlich die Gesangsstimme von Montreals Marie Davidson zu hören. Passend zum Titel fließen in Perels Mischung aus Minimal, House und Achtziger-New Wave immer wieder Synthesizer-Sounds ein, die direkt aus dem Ufo eines Scifi-Films stammen könnten.
 

Raison
Raison | © Stephanie von Beauvais
Die Frage, wer alles das Debütalbum von Raison hören sollte, lässt sich mit den Worten ihres Albums ganz einfach beantworten: So viele Leute wie möglich. Raison ist das Projekt der drei Musiker Schorsch Kamerun, PC Nackt und Mense Reents, die in Berlin und Hamburg wohnen. Ähnlich wie Brezel Göring sind die drei keine Newcomer. Schorsch Kamerun und Mense Reents waren seit den Achtzigern schon mit der Hamburger Band Die Goldenen Zitronen aktiv. Als Raison arbeiten sie vor allem mit einer minimalen Instrumentierung von Tasteninstrumenten, wenig Schlagzeug und nachdenklichem Gesang.

Text: Sonka Hinders

Popcast Juni 2022

mit Musik von: 

The Kings of Dubrock | Staatsakt
The Plastik Beatniks  | Alien Transistor
Kat Frankie | Grönland Records
Erdmöbel | Jippie! Industrie
Roman Flügel | Sister Midnight
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann
Die Hamburger Musikszene nimmt in der deutschen Musiklandschaft einen besonderen Platz ein; sie
The Kings of Dubrock
The Kings of Dubrock | © Dorle Bahlburg
zeichnet sich gegenüber anderen Städten insbesondere durch große Eigenständigkeit, Humor und Vielfalt aus. Die Kooperation des Produzenten Victor Marek (Knarf Rellöm), der auch in London ansässigen Choreografin Rica Blunck und dem Humoristen Jacques Palminger (Fraktus) ist eine dieser vom Wahnsinn gesegneten Erscheinungen. Ihr Projekt The Kings of Dubrock pflegt eine eigenwillige Mischung aus Wilder Westen, Dub Reggae und sommerlichem Pop. Jacques Palminger spricht, Rica Blunck singt, es reimt sich mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit Werkzeugkiste mit Landepiste, darauf muss man erst einmal kommen. In den Winter passt diese verrückte, fantastische Platte, Dubbies on Top, allerdings vermutlich nicht so gut.
 
 

Let the voices of dead poets
Ring louder in your ears
Than the screechings mouthed
In mildewed editorials.
Listen to the music of centuries,
Rising above the mushroom time.

Bob Kaufman Believe, believe

Bob Kaufman
Bob Kaufman | © Mark Green
Eine weitere Kooperation kommt aus dem Stall der Notwist-Brüder Markus und Micha Acher, die gemeinsam mit dem Hörspielautoren Andy Ammer eine Hommage an den Beatpoeten Bob Kaufmann produziert haben. Der bereits im Jahre 1996 verstorbene Dichter hinterlässt ein beachtliches Werk, dass bisher nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit bekommen hat. Dies möchten die Plastik Beatniks und ihr Label Alien Transistor jetzt ändern. Auf dem Album All Those Streets I Must Find Cities For rezitieren unter anderem illustre Gäste wie Patti Smith oder Moor Mother Gedichte des „Black American Rimbaud“, wie Kaufmann auch genannt wird.

Kat Frankie
Kat Frankie | © Elina Kechicheva
Einen geraderen Weg geht die schon seit langem in Berlin ansässige Australierin Kat Frankie. Ihr Album bietet perfekt produzierten, opulenten Kammerpop, der mal von vergänglichen Konsumgütern, mal von unsterblicher Hoffnung handelt – Shiny Things ist der treffende Name ihrer Arbeit, die es ansonsten schwer haben wird, sich gegen internationale Konkurrenz wie etwa Florence K zu behaupten.

Roman Flügel
Roman Flügel | © Nadine Fraczkowski
Roman Flügel gehört zu den respektiertesten deutschen Technoproduzenten, ist aber international eher als DJ bekannt. Nur mit Alter Ego, seinem gemeinsamen Projekt mit Jörg Elling Wuttke, konnte er im Jahre 2004 mit Rocker einen veritablen Clubhit landen. Sein erstes Soloalbum Ro70 aus dem Jahre 1995 hingegen ist den meisten Fans nicht bekannt, da es damals nur in einer recht geringen Auflage erschienen ist. So kam es zu der Entscheidung, das im besten Sinne wohnzimmertaugliche Album jetzt auf dem eigenen Label erneut zu veröffentlichen.
 
 

Das Universum ist meine
Große Liebe
Und die Physik
Verehre ich wie
Meine Mutter

Erdmöbel Das Vakuum

Erdmöbel
Erdmöbel | © Matthias Sandmann
Zum Abschluss des diesmonatigen Popcasts gibt es einmal mehr eine für Menschen außerhalb Deutschlands lang verborgene, großartige Entdeckung zu machen. Die Kölner Band Erdmöbel ist seit mehreren Jahrzehnten ein Garant für lyrischen Pop voller schlauer Einflüsse von klassischem Gitarrenpop bis Bossa Nova. Sie sind halt irgendwie zu gut für diese Welt, daher werden sie unser gemeinsames Geheimnis bleiben, und auch das fühlt sich richtig an. Guten Morgen, Ragazzi heißt das neue Album voller rätselhafter Kleinode, unter denen sich auch das hier vorgestellte Bernoulli Effekt findet.

Popcast Mai 2022

mit Musik von: 

Chilly Gonzales & Plastikman | Turbo Recordings
Ferge x Fisherman | Ferge x Fisherman Records
Freundliche Kreisel | Stroom Records
JakoJako | Bigamo Musik
Toechter | Edition Dur
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer
Plastikman x Chilly Gonzales
Plastikman x Chilly Gonzales | © Camille Blake
Der Popcast des schönen Monats Mai zeigt eine ruhige und entspannte Facette der deutschen Musiklandschaft. Allen voran eine Veröffentlichung, die man eher in Kanada verorten würde. Der seit Jahren in Berlin wohnhafte Richie Hawtin und der zwischen den beiden Ländern pendelnde Chilly Gonzales, verkanntes Genie an den Tasten, haben sich an eine Neuinterpretation des Plastikman (aka Richie Hawtin) Albums Consumed von 1998 gesetzt. Das bis heute als Wegbereiter des Minimal Techno gefeierte Meisterwerk hat auch in Consumend in Key, dieser vom Klavier begleiteten Remix-Version nicht an Kraft verloren. Produziert von keinem geringeren als Montreals Tiga.
Ferge x Fisherman
Ferge x Fisherman | © Gregor Seifert

An die frühen 90er Jahre erinnert der Sound des Projekts Ferge x Fisherman, und zwar an die damals bahnbrechende und erstaunlich stimmige Mischung von Jazz und Hiphop. Gespickt mit internationalen Gästen wie Detroits Black Milk, der enorm talentierten Münchnerin Victoryaz oder dem südafrikanischen Sänger Hunter Rose liefert das Nürnberger Duo den perfekten Sound für warme Sommernächte.
 

Schläfst du denn schon?

Freundliche Kreisel


Freundliche Kreisel
Freundliche Kreisel | © Claire Dorweiler
Sympathisch versponnen, humorvoll, experimentell aber auch auf eine Art kompromisslos folgen Freundliche Kreisel auf ihrem Debutalbum ihren Ideen. Ein Haufen elektronischer und akustischer Instrumente begleitet die träumerischen, oft nur gesprochenen Texte. Wer mehr davon hören will, der suche nach Baldruin und Brannten Schnüre, den anderen Projekten der Bandmitglieder, die ebenfalls sehr hörenswert sind und Aufschluss geben über die Vielfalt der Einflüsse dieser unvergleichlichen Band.
JakoJako
JakoJako | © Katja Ruge

Einen anderen, geraderen Weg geht JakoJako. Die Berghain DJ Residentin verwendet überwiegend modulare Systeme in ihren minimalen Tracks, deren sanfte, gerade Sequenzerschleifen sie mit enorm viel Hall veredelt. Das Album Metamorphose entwickelt seine faszinierende Kraft durch eine greifbare Ruhe. Hier wurde mit Geduld produziert. Arbeiten tut Sibel Koçer, wie JakoJako bürgerlich heißt, passenderweise in einem Geschäft für modulare Synthese.
 

toechter
toechter | © Sophie Krische
toechter
ist ein Spielplatz, ein offenes Labor für neue Sounds und Experimente, so die Gruppe im Interview. Das Trio, bestehend aus Katrine Grarup Elbo, Marie-Claire Schlameus und Lisa Marie Vogel verwendet auf ihrem Album Zephyr ausschließlich Streichinstrumente (Violine, Viola, Cello) mit wenigen kurzen Vokalpassagen, die sie mit einem beachtlichen Arsenal von Effektpedalen bearbeiten, verzerren und loopen. Heraus kommt ein wunderschönes aber seltsam entrücktes Album zwischen Kammermusik und filmischer Dramatik.
 

Popcast April 2022

mit Musik von: 

Chris Imler | Fun in the Church
Future Kult | Action Wolf Records
Get Well Soon | Virgin Music
Mittekill | Weltgast
Painting | World and Sound/Anytime
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann 



Get Well Soon
Get Well Soon | © Clemens Fantur
Get Well Soon
, das Projekt von Konstantin Gropper aus dem winzigen Biberach in Süddeutschland, klingt mit seinen opulenten Arrangements voller Streicher und Bläser nach großem Pop, gemacht für ein internationales Publikum. Schon sein Debutalbum aus dem Jahre 2008 wurde international von dem britischen Label Nude veröffentlicht (in Deutschland auf City Slang, wo sonst), und seitdem hat er nicht nachgelassen. Der Absolvent der Popakademie Mannheim, eine Art Kaderschmiede für den deutschen Pop-Nachwuchs, stellt im Popcast des April sein neues Album vor und muss sich auch diesmal nicht vor der Konkurrenz verstecken. Brilliantes Songwriting und die wunderbar ausgefeilte Produktion haben das Zeug zum Klassiker.

I’ve been to Hidalgo
Where the corn grows
And the wind blows
I get around

Future Kult „Hildalgo“


Future Kult
Future Kult | © Future Kult
Future Kult
, bestehend aus den Musikern Sion Trefor und Benjamin Zombori aus Cardiff und Berlin, haben sich letztes Jahr für 3 Monate auf eine selbst organisierte Residenz in die mexikanische Provinz begeben. Die Welt erschien ihnen tragisch, widersprüchlich, grausam und verzweifelt, und das sollte in einem musikalischen Projekt verarbeitet werden. Benjamin kannte sich schon gut in Mexiko aus, und so fiel die Wahl auf den abgelegenen Ort Hidalgo. In der Abgeschiedenheit entstand ein düsteres Werk von dystopischer Anmutung. Ein einzigartiges Projekt.

Chris Imler, Straßendandy, dubioser Zauberkünstler und Prophet mit
Chris Imler
Chris Imler | © Chris Galya Feiermann
einem Hintergrund als Schlagzeuger (The Golden Showers, Oum Shatt, Die Türen) gilt schon seit Jahrzehnten als Grandseigneur des Berliner Undergrounds. Nun hat er mit Operation Schönheit ein neues, ahem, schönes Album aufgenommen. Mit Scheppern, Klimpern und Sägezahnsynthies bleibt er aber in der Tradition der elektronischen Post-Punk-Flanke verortet, in der Imler und seine Grooves stehen.


 

Vor einiger Zeit wurde im Popcast das Projekt Hotel Kali vorgestellt, eine vom Goethe-Institut geförderte Residenz der Berliner Musikerin Theresa Stroetges und einigen lokalen Musiker*innen in Indien. Im Popcast dieses Monats stellt die auch als Golden Diskó Ship bekannte Multiinstrumentalistin gemeinsam mit Christian Hohenbild und Sophia Trollmann ein neues Projekt vor, die Band Painting und das Album Painting is Dead, Teil eines interdisziplinären Kunstprojektes, das sie Painting in 3D genannt haben. Hier vorgestellt das kanonische Symmetrical Patterns.
 

Ich steh´ an der Fleischtheke - man behandelt mich nicht nett.
Die Lüge schreit: ‚Ich bin die Wahrheit‘ - doch es ist Tourette.
Das sind die Leute aus dem Internet.

Mittekill „Die Leute aus dem Internet“


Mittekill
Mittekill | © Martin Gottschalk
Friedrich Greiling und Jan Hohmann sind seit 2007 Mittekill und haben die neue deutsche Welle in das Zeitalter des Techno transportiert. Ihr neues Album Phantom Club ihr neuester Output, ist eine recht dunkle, zurückgenommene Geschichte, die ihnen äußerst gut zu Gesicht steht. Die Single Die Leute aus dem Internet, eine funkelnde Midtempo Nummer, thematisiert das Verhältnis Realität und Internet, was für kaum jemanden positive Assoziationen weckt, aber mit dem für die Band typischen Humor und einiger Schlauheit umgesetzt wurde.
 

Popcast März 2022

mit Musik von: 

Amewu | Ameguwa/Krasser Stoff
Ebow | Alvozay
Jesper Munk | Billbrook Records
Knarf Rellöm Arkestra | Hanseplatte/Misitunes
Maya Shenfeld  | Thrill Jockey
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer
 
Jesper Munk
Jesper Munk | © Dhanesh Jayaselan

Eine Umarmung nennt Jesper Munk sein neues, viertes Album Taped Heart Sounds. Es enthält Coverversionen von Songs seiner musikalischen Heldinnen und Helden–darunter Etta James, Tom Waits und Jacques Brel. Entspannt, immer im mittleren Tempobereich und munter aus Folk, Blues, Soul und allem dazwischen schöpfend macht sich Jesper Munk die Lieder ganz zu eigen, wie auch das hier vorgestellte Liebeslied Baby, ursprünglich von Donnie & Joe Emerson, unter Beweis stellt. Die ungewöhnliche Aufnahmetechnik mit Mehrspurkasetten, erklärt Jesper Munk im Interview unseres März Popcasts.

Knarf Rellöm
Knarf Rellöm | © Stefan Malzkorn

Das  Knarf Rellöm Arkestra ist eines der vielen Projekte von, nunja Knarf Rellöm, einem außerhalb des deutschsprachigen Raumes kaum bekannten Veteranen der deutschen Musikszene. Seine immer schlauen und verschmitzten Songs haben wenig Mainstream-Appeal, allerdings gelingt ihm auf dem neuen Album Kritik der Leistungsgesellschaft (ein typischer Rellöm Titel) in Zusammenarbeit mit seinen Mitstreier*innen DJ Pattex und Tillamandaso mancher flotte Bouncer, wie beispielsweise das hier vorgestellte Say It Loud, du hast Scheiß gebaut.

Maya Shenfeld
Maya Shenfeld | © Tobias Tzielony

Ein umwerfendes Debutalbum ist Maya Shenfeld gelungen. Die aus Israel stammende Berlinerin experimentiert auf In Free Fall mit minimalistischen Synthesizer Linien und Arpeggios, die durch ihre repetitive Einfachheit einen meditativen, verwunschenen Zauber entwickeln. Die klassisch ausgebildete Gitarristin lässt ihr Hauptinstrument auf dem Album fast gänzlich beiseite liegen, schöpft in den Kompositionen aber aus ihrer Erfahrung. Das vorgestellte Stück Body, Electric ist eine klassisch anmutende Meditation mit einer geisterhaften Intensität.

Denn ich definiere mich darüber wer ich bin
Nicht was ich habe, haben werde oder hatte
Und es bleibt die ewige Frage: Haben oder Sein?

Amewu, „Haben oder Sein“

Amewu
Amewu | © Janick Zebrowski

Amewu, Deutsch-Ghanaer aus Berlin, ist schon einige Zeit in der HipHop-Szene unterwegs. Sein neues Album Haben oder Sein ist ein zurückgenommenes, ausgereiftes Rapalbum, das nicht nur textlich, sondern auch musikalisch ein Erlebnis ist. Im hier vorgestellten Opener Amewuga, in dem es um Amewus Leben als Außenseiter zwischen den Kulturen geht, entdeckt man gar ein Sample der frühen Depeche Mode

Ebow
Ebow | © Marko Mestrovic

Den Abschluss des März Popcasts macht eine der Gaddafi Gals, Ebru Düzgün aka Ebow, mit ihrem zwischen Deutsch-Trap und souligen R&B angesiedelten Album Canê, das nahtlos an den Vorgänger K4L anknüpft. Sie erzählt im Interview vom Album, der Zeit der Pandemie und auch von ihrem neuen Label Alvozay (türkisch für „Freundinnen“), das sich auf die Förderung von BPOC-Künster*innen spezialisiert, die auch auf dem deutschen Musikmarkt immer noch stark unterrepräsentiert sind. Als Abschluss zu hören: Ihre neue Ballade Trouble.
 

Popcast Februar 2022

mit Musik von: 

Anne  | Grzegorzki Records
AYKU  | Trikont
Kreidler  | Bureau B
Master Of All Four Elements | Master Of All Four Elements
Tocotronic  | Vertigo/Universal

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann
 

Entschuldigung, du weißt, ich muss jetzt gehen
Ich kann nur eine Viertelstunde
im Schlund überstehen

Tocotronic „Ich tauche auf“

Tocotronic
Tocotronic | © Goria Endres de Oliveira
Für viele deutsche Musikfans ist die Band Tocotronic ein Sinnbild für die zweite Renaissance alternativer deutschsprachiger Musik nach der Neuen Deutschen Welle. Zeitgleich mit dem amerikanischen Lo-Fi von Bands wie Pavement und Sebadoh trat Mitte der 90er Jahre die sogenannte Hamburger Schule auf den Plan, und Tocotronic waren mit parolenhaften Songtiteln wie Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein eine ihrer wichtigsten Vertreter. Viele Jahre später erscheint Nie Wieder Krieg, ihr 14. Studioalbum, ein musikalisch wie auch sonst gereiftes Werk abgeklärter Schönheit. Der hier vorgestellte Song Ich tauche auf ist ein Duett mit der fantastischen Österreicher Sängerin Soap&Skin. Im Interview kommen Arne Zank und Jan Müller, Schlagzeuger und Bassist der Band, zu Wort.
Songs Of Gastarbeiter 2
Songs Of Gastarbeiter 2 | © Trikont


Eine typisch deutsche Angelegenheit ist die Kompilation Songs of Gastarbeiter Vol. 2. Ab Mitte der 50er Jahre litt die deutsche Wirtschaft unter Arbeitskräftemangel, viele ausländische Arbeitskräfte kamen durch ein entsprechendes Programm der deutschen Regierung ins Land, die sogenannten „Gastarbeiter“. Es entstand eine musikalische Subkultur, die der deutschen Öffentlichkeit weitgehen unbekannt war, bis sie vor acht Jahren in der ersten Folge der hier vorgestellten Kompilation porträtiert wurde.  Diesmal aber geht es um die zweite Generation der Gastarbeiter. Vorgestellt werden Los Binkis mit Ayer tuve un sueno. Ein wichtiges Zeitdokument, das sich aus einem riesigen Spektrum an Einflüssen und Stilen speist.

Ich fliege über die Felder
Ohne Namen, ohne Geld

Anne „Die Felder“

Anne
Anne | © Wilfried Petzi
Anne
, ein Quartett aus München, machen versponnenen Pop zwischen Kunst und Liedermacher. Mit dabei die Schlagzeugerin von Candelilla, die aufmerksamen Popcast-Hörer*innen bekannt sein dürften. Über die widrigen Umstände ihres Beitrags und den Zusammenhang von Musik und Malerei erfahrt ihr mehr im Interview.

Alte Helden, Teil 2: Instrumental, atmosphärisch, unruhig und manchmal bedrohlich, so klingen sind seit vielen Jahren Kreidler. Auch auf ihrem neuen Album Spells and daubs sind die Kompositionen minimal und repetitiv, versetzt mit Field recordings und schwer auszumachenden Samples. Hochinteressant die Wahl des Produzenten Peter Walsh (Scott Walker, Heaven 17), unter dessen Leitung ein
Kreidler
Kreidler | © Heinz Emigholz
weiteres dubbiges Meisterwerk der Düsseldorfer entstanden ist. Auch sie sprechen im Interview über den Zusammenhang ihrere Musik mit den schönen Künsten.

Das Augsburger Duo Master of all Four Elements stellt mit ihrem angenehmen Retro-Popsound einen würdigen Abschluss des Popcasts des Februar dar. Sie freuen sich im Interview über die Vorteile der Pandemie und ihre neue gemeinsame Wohnung. Wir freuen uns mit ihnen und dem schwer gelungenen Rat Love vom neuen Album Flesh
Master Of All Elements
Master Of All Elements | © Master Of All Elements
Faker
.
 

Popcast Januar 2022

mit Musik von: 

Fazer | City Slang
JASSS | Ostgut Ton
Laura Lee & The Jettes | Duchess Box Records
Nalan | Mansions & Millions
Sissi Rada | Kryptox

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer
 

Hope will fly
And they take off
to the past and present skies

Laura Lee & The Jettes „Caterpillar“


Laura Lee & The Jettes
Laura Lee & The Jettes | © Suzanne Caroline de Carrasco
Zum 15. Mal bereits begrüßt der Popcast des Goethe-Instituts ein neues Jahr und wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern ein frohes und auch musikalisch ausgezeichnetes Neues Jahr. Los geht es diesmal mit der großartigen Laura Gertken alias Laura Lee & The Jettes, die Ende des letzten Jahres noch schnell ein kleines Pop-Meisterwerk hingelegt hat. Wasteland, das Album der einen Hälfte des jetzt aufgelösten Duos GURR, enthält 11 kurze schmissige Shoegaze-Pop Hymnen, von denen wir hier als Opener den Song Caterpillar vorstellen. Im Interview erzählt Laura von ihrem Werdegang. Den amerikanischen Kontinent wird sie auch dieses Jahr besuchen – der Slot beim SXSW ist bereits gebucht!
 
 

Sissi Rada ist Harfinistin mit griechischen Wurzeln. Auf ihrem Album Nano Diamond geht sie nach eigener Aussage auf die Suche nach primitiven Sounds alter Instrumente, die mit minimaler Elektronik zu einem wunderschönen Klangteppich webt. Dabei wird sie unter anderem unterstützt von Brian Eno und Andi Toma von Mouse on Mars.
 
 

I’m in my favorite place on earth
Me, my blanket and my favorite scores
I wrote my own episode
I’m good 4 sure

Nalan „I’m Good“

Nalan
Nalan | © Nusa Hernavs

Nalan Karacgil, vormals Teil der Gaddafi Gals und einigen auch als Slimgirl Fat bekannt, hat im ersten Lockdown ein Album produziert, das verschiedenste Einflüsse der letzten zwei Jahrzehnte verwendet und mit Songwriting auf internationalem Niveau glänzt. Auf I’m Good. The Crying Tape reflektiert sie über ihre Jugend und die wechselhaften Stimmungen in der Isolation, wie sie im Interview näher erklärt.




 
 

Fazer
Fazer | © Michael Wong

Fazer aus München möchten auch auf ihrem dritten Album Plex nicht als Jazzband gelten; zu vielfältig sind die Einflüsse, die sie nennen. Postrock, Afrobeat, experimenteller Pop, Dub Techno sind für das Quintett ebenso wichtige Bestandteile ihrer Musik. Über ihre neue Verbindung zum renommierten Berliner Label City Slang erzählen sie uns im Interview.


 


Auch die aus Spanien stammende und in Berlin ansässige JASSS
JASSS
JASSS | © Matt Lambert
wandelt zwischen den Welten, allerdings in elektronischen Gefilden. Übermutige Synth-Stabs finden sich auf A World Of Service ebenso wie düstere Dub Experimente und Ausflüge in Trip Hop, wie in dem hier vorgestellten Titeltrack.
 

Pleasure
is nowhere to be found
Inside this world of service

JASSS „A World of Service“

Popcast Dezember 2021

mit Musik von: 

Abu Ama | Accidental Meetings
Die Cigaretten | Audiolith
KARL HECTOR presents JOHNNY | Now- Again
ROBERT GÖRL & DAF | Grönland
Vaovao | Staatsakt

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

  Der Münchner Gitarrist und Produzent Jan Weissenfeldt gehört zu den spannendsten Persönlichkeiten der
Karl Hector presents JOHNNY!
Karl Hector presents JOHNNY! | © Now Again
deutschen Musikszene. Seit vielen Jahren schafft er rauhen, ungeschliffenen Funk, zum Beispiel mit seinem Project Poets of Rhythm oder den Whitefield Brothers. Und jetzt präsentiert er unter dem neuen Pseudonym Karl Hector sein neues, international besetztes Afro-Rock Projekt Johnny, dessen Basis Rock aus Sambia ist. Im Interview erklärt er, wie Rock und Afro-Beat zu diesem großartigen Genre verschmelzen konnten.
Vaovao
Vaovao | © Anna Jaissle

Auch irgendwie verschmolzen, und auch mit irgendwie afrikanischen Wurzeln das Projekt Vaovao der Kölner Musikerin Hanitra Wagner und ihrem Mitstreiter Oliver Bersing. Hanitra Wagner ist ein Teil von Die Heiterkeit, wodurch sie sicherlich vielen bereits ein Begriff ist. Bei Vaovao kommen vielfältige Einflüsse zur Geltung, es herrschen elektronische Instrumente aller Art und insgesamt bleibt die Stimmung ruhig und kontrolliert.

Das kann man auch von dem mysteriösen
Abu Ama
Abu Ama | © Abu Ama
Bielefelder Abu Ama behaupten, dessen analoger Dubsound eine derart intensive Ruhe ausstrahlt, dass man beim Hören buchstäblich die Rauchschwaden durch das Wohnzimmer ziehen sieht. Er erklärt sich im Interview wie seine Produktionen mit Teppichen zu vergleichen sind. Wenn sie überhaupt existieren – denn wenn, wie immer wieder behauptet wird, die Stadt Bielefeld tatsächlich eine Täuschung ist, wäre vielleicht auch Abu Ama eine Illusion. Auch das würde gut zu seinem Sound passen.
Die Cigaretten
Die Cigaretten | © Katja Ruge

Da ist es gut, dass uns eine Band mit dem sehr konkreten Namen Die Cigaretten wieder sicher in die Wirklichkeit holt. Ihr neues Album Emotional Eater reflektiert laut ihrer eigenen Aussage wie eine gute Therapie die kollektiven Gefühle der Band, die sich, so die Band, auf magische Weise in Kompositionen verwandeln. Veröffentlicht wird es auf dem genialen Hamburger Label Audiolith, das regelmäßigen Hörer*innen des Popcasts sicherlich ein Begriff sein wird. In diesem Zusammenhang möchten wir euch das Bandporträt Wildes Herz empfehlen, in dem es um die Band Feine Sahne Fischfilet geht, die ebenfalls auf Audiolith veröffentlicht. Ihr könnt es euch derzeit noch kostenlos in unserer Filmreihe Im Zeichen des Widerstands auf Goethe on Demand ansehen.
Robert Görl
Robert Görl | © Rick Burger

Mittlerweile wird es schon zur Tradition als letzten Popcast-Beitrag einen wiederbelebten Klassiker zu präsentieren, aber dieses Mal geht es vielmehr um neue Musik eines klassischen Acts. Robert Görl, Gründungsmitglied von DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) meldet sich zurück, mit einem vermutlich letzten Werk unter diesem Namen nach dem Ableben seines Bandkollegen Gaby Delgado-Lopez. Das Werk besteht in weiten Teilen aus bereits vor Jahren produzierten Spuren, aus denen Görl jetzt mit Nur Noch Einer den Abgesang auf ein wichtiges Kapitel deutscher Musikgeschichte gemacht hat.
 

Popcast November 2021

mit Musik von: 

Gewalt | Clouds Hill
Isolation Berlin | Staatsakt
Maria Portugal | Fun in the Church
Niklas Wandt | Bureau B
Sam Shackleton | Woe To The Septic Heart

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann
Der Popcast im November hält einmal mehr Neues aus der deutschen Musikszene bereit, mit viel Musik und Interviews, in denen die Musikschaffenden ausführlich zu Wort kommen. Eine der interessantesten
Isolation Berlin
Isolation Berlin | © Noel Richter
Neuerscheinungen des Monats ist das dritte, Geheimnis betitelte Album von Isolation Berlin. Sänger Tobias Bamborschke geht auf eine Reise ins Innere, das Album behandelt persönliche Krisen und psychische Probleme. Was das Album, und auch den hier vorgestellten Titel gleichen Namens von der Konkurrenz abhebt, sind die schlauen Texte, in denen imaginäre Figuren einzelne Aspekte einer Person repräsentieren. Hierzu mehr im Interview.

Ich werd' mich ändern, werd' mich ändern, irgendwann

Tobias Bamborschke, Isolation Berlin


Eine Welt für sich ist auch der Schlagzeuger, Perkussionist, Produzent, Radiojournalist und DJ Niklas Wandt, den
Niklas Wandt
Niklas Wandt | © Harriet Meyer
man auch von seiner Band Stabil Elite kennt. Sein neues Album Solar Müsli ist eine spannende, teils herausfordernde Mischung aus Synthesizern, akustischen Instrumenten und diversen Samples. Die Basis ist aber immer der Rhythmus, das ist Niklas Wandts sicherer Ort. Wie sein elektronisches Projekt und die Jazzszene zusammenpassen, das erklärt er im Interview.
 

Ein Klang, ein Bett und eine Armee

Patrick Wagner, Gewalt


Sam Shackleton
Sam Shackleton | © Sam Shackleton

Introspektiv, meditativ und vielschichtig – diese Attribute passen auch zu Sam Shackeltons psychoaktiven Klangcollagen (ritueller Trance steht auf seiner Seite, und das ist sehr treffend). Angenehme Erinnerungen an den düsteren Dub der 90er Jahre werden wach. Definitiv Musik für die After Hour.

Nicht zum Chillen taugt hingegen der polternde Sound von Gewalt (nicht zu verwechseln mit All Diese Gewalt). Zentrale Figur des Projektes ist der Berliner Szeneveteran, Sänger und Gitarrist Patrick Wagner, von dessen
Gewalt
Gewalt | © Magnus Winter
Selbstbewusstsein man sich im Interview überzeugen kann. Musikalisch sind Gewalt recht brutal, aber stets diszipliniert. Kein Ton ist zuviel, alles wirkt durchdacht und abgeklärt.Seit einigen Jahren haben Gewalt jetzt schon auf unzähligen Shows eine eingeschworene Fangemeinde aufgebaut, so dass man bei dem jetzt erscheinenden Debutalbum Paradies ohne Übertreibung von einer lang erwarteten Veröffentlichung sprechen kann.

Abschließend stellen wir die brasilianische Experimentalmusikerin Mariá
María Portugal
María Portugal | © Kristina Zalesskaya
Portugal
vor, die mittlerweile in Deutschland lebt. Letztes Jahr war sie auf das tolle Moers Festivals eingeladen, das einigen sicherlich aus unserem Dossier zu Musikfestivals in Deutschland bekannt ist. In Moers ist auch ihr neues Album Erosão entstanden, ein spannendes, einfallsreiches und herausforderndes Werk, das man am besten unter Jazz einordnen kann, wobei es noch sehr viel mehr zu entdecken gibt.


 

Popcast Oktober 2021

Mit Musik von: 

Glasgow Coma Scale | Tonzonen Records
Gudrun Gut und Mabe Fratti | Umor Rex Records
Keshavara | Papercup Records
Faust | Bureau B
Thala | Duchess Box

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann
Das bisher nur Insidern bekannte Kölner Duo Keshavara lassen es ruhig angehen. Ihr Manjula Mantra, das wir
Keshavara
Keshavara | © Niclas Weber
in unserem Oktober-Popcast vorgestellt haben, mäandert gekonnt zwischen Kulturen, Epochen und Stilen. Doch das Beste an der gewagten, aber stimmigen Mischung ist eine gewisse allgegenwärtige Funkyness. Die sparsamen Texte, vor allem wenn sie auf Deutsch vorgetragen werden, sind aufgrund ihrer dadaistischen (oder weisen?) Qualitäten ein weiterer Faktor, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein wirklich faszinierendes Stück Musik, das die beiden Musiker im Interview näher erläutern. Das aktuelle Album Kabinett der Phantasie ist gerade erschienen, falls Sie mehr hören möchten.

Unter den Palmen liegt ein Geheimnis

Keshavara

Musik aus Deutschland zeichnete sich noch nie in erster Linie durch Entspanntheit aus. Umso erstaunlicher ist
Thala
Thala | © Celestecall
es, dass wir in diesem Monat noch in ein verträumtes Stück Musik in der Auswahl haben. Thala, deren Konzeptalbum Adolescence vom Prozess des Erwachsenwerdens handelt, erinnert in ihren besten Momenten an Angel Olsen. Ein gewichtsloses Werk mit einigem Tiefgang. Im Interview erzählt sie die leicht hippieske Geschichte ihres künstlerischen Werdegangs.
 
Das Frankfurter Trio Glasgow Coma Scale will auf den ersten Blick nicht
Glasgow Coma Scale
Glasgow Coma Scale | © GCS
so recht in die deutsche Musiklandschaft passen. Zumindest ist es das erste Mal, dass instrumentaler Stoner Rock im Popcast zu hören ist. Aber ihre unbändige Energie und der technische Perfektionismus, den sie in ihrem Stück Magik an den Tag legen, überzeugt auch Skeptiker.

I contemplate my life into pieces every day

Thala

Gudrun Gut & Mabe Fratti
Gudrun Gut & Mabe Fratti | © Daniel Castrejón
Zurück in vertrauterem Terrain treffen wir wieder auf das Genie von Gudrun Gut, Mitbegründerin von Malaria!, Mania D und Monika Enterprises, die sich mit einer spannenden Kollaboration mit der gualtematekischen Experimentalmusikerin Mabe Fratti zurück meldet. Gemeinsam haben sie Let's Talk About the Weather aufgenommen, ein vielschichtiges und grüblerisches Album über das Klima. Mabe Frattis Cello trifft auf Schnipsel von (ihren?) Gesprächen, Feldaufnahmen und elektronische Manipulationen. Eine impressionistische Klangcollage, die in eine verstörenden Dystopie führt. Nicht ohne Stolz weisen wir darauf hin, dass sich die beiden bei einem Projekt des Goethe-Instituts kennengelernt haben. Mehr dazu im Interview.

Und schließlich noch eine Premiere im aktuellen Popcast: die Vorstellung einer Wiederveröffentlichung. Faust, die legendäre Krautrock-Band, die in ihrer Heimat nie zu Ruhm gelangte, veröffentlicht ihre ersten vier Alben aus den frühen 1970er Jahren in einer luxuriösen 8-CD- (bzw. 7-Vinyl-) Box mit einem nie veröffentlichten Album und unzähligen unveröffentlichten Studiotracks.
 

Popcast September 2021

Mit Musik von: 

Breezy | Breezy
Henning Hans | Stargazerrecords
Die Radierer | Blitzkrieg Pop Records
Moritz von Oswald Trio | Modern Recordings
Nene H | Incienso

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer
Moritz von Oswald Trio
Moritz von Oswald Trio | © Charlotte Duale
Das Moritz von Oswald Trio meldet sich im Popcast des Monats September zurück – mit dem meditativen Stück Chapter Four aus dem Album Dissent, das diesmal eher Einflüsse von Jazz und Dub aufweist. Unterstützt wird Morith von Oswald von der amerikanischen Experimentalmusikerin Laurel Halo und dem Jazzschlagzeuger Heinrich Köbberling, dessen unermüdliche Arbeit dem Album seine Richtung gibt.
 

Ich will jede Menge Spass
Ich will ins Gute Laune Land

Die Radierer

Mit viel Soul, aber auch Blues geht die Wahlberlinerin Breezy den HipHop an. Seit 2019 lebt sie in der
Breezy
Breezy | © Rhys Anderson
deutschen Hauptstadt, mit der sie, wie sie im Interview erläutert, eine Hassliebe verbindet. Ihr Talent zur Verbindung von Stilen afroamerikanischer Stile hat ihre Musik geprägt, aber auch in Kollaborationen ist sie geübt. Im Jahr 2020 veröffentlichte sie gemeinsam mit Haszcara, Alice Dee, Cupid und anderen den mehrsprachigen Savage Rap und stellt hier im Popcast nun ihr Album Schwarzfahren vor, auf dem ebenfalls einige spannende Gäste mitarbeiten, unter anderem die australische Slam-Poetin Arielle Cottingham, deren Gedicht The Berlin Poem sie vertont hat und hier vorstellt.
 
Aber der Popcast zieht noch weitere geographische Kreise: auch Europa,
Henning Hans
Henning Hans | © Henning Hans
sowohl der Kontinent als auch die Idee werden im Popcast verhandelt. Der bislang unbekannte Musiker Henning Hans hat im Alleingang sein Album Ich hatte mein Handy hätte man mich gebraucht aufgenommen, auf dem sich auch das im Popcast vorgestellte Europalied Ode an die Freude befindet, so benannt in ironischer Anlehnung an Friedrich Schillers Gedicht. Eine sehr interessante Entdeckung.
 
Knochentrockener Bass, hysterischer Gesang und gute Laune kommen von Deutschlands ältester Post Punk Band Die Radierer. Die
Die Radierer
Die Radierer | © Die Radierer
Zeitgenossen von so illustren Kollegen wie Fehlfarben oder Palais Schaumburg treiben sich mittlerweile seit über 40 Jahren in der Musikszene herum, und stellen hier ein Lied vor, dass seit 40 Jahren unvollendet war. Manchmal dauert es halt etwas länger, aber das Warten hat sich gelohnt. An Energie haben sie zumindest nicht verloren.

Kann ich bitte endlich gehen

Nene H

Nene H
Nene H | © Paul Krause
Eine der weltweit aufregendsten neuen Acts in der elektronischen Musik ist die in Deutschland vor allem durch ihre bahnbrechenden Auftritte beim CTM Festival und Berlin Atonal bekannt gewordene und in Berlin und Kopenhagen ansässige türkischstämmige Nene H. Die in klassischer Musik ausgebildete Künstlerin nutzt ihre vielfältigen Talente und multikulturellen Erfahrungen für ihre düsteren und genreübergreifenden Tracks voller Atmosphäre und emotionaler Dichte. Das deutsche Feuilleton überschlägt sich seitdem vor Lob. Hier stellen wir ihren introspektiven Track Reue von dem soeben erschienenen Debutalbum Ali, benannt nach ihrem verstorbenen Vater.

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