Talk/Workshop Reinventing the Art Lab (on the blockchain)

DAOWO © DAOWO

Do, 26.10.2017

Goethe-Institut London

50 Princes Gate
Exhibition Road
SW7 2PH London

Workshop
Braucht die Kunst eine eigene Blockchain? Können Blockchain-Technologien einen Beitrag dazu leisten, einen Wert für Künstler und Kunstinstitutionen zu schaffen und zu erhalten? Wenn Blockchain-Technologien alle anderen Industriezweige und Lieferketten revolutionieren, wie wird sich das auf die Künste auswirken? Ist die Technologie in ihrer Entwicklung so weit fortgeschritten, dass sie in Alltagsprozessen angewendet werden kann?

Dies sind nur einige Fragen, die wir uns und anderen im Laufe des letzten Jahres gestellt haben. Im Rahmen der Planung und Zusammenstellung dieser Workshopreihe laden wir zur Mitarbeit ein. Wir befassen uns eingehender mit der pragmatischen Anwendung dieser Fragen auf spezifische Szenarien.

Als temporäres Labor zur Schaffung eines lebendigen Versuchsraums geplant, wird der Auftakt-Workshop der Serie pragmatisch darauf ausgerichtet sein, die technischen und wirtschaftlichen Kapazitäten zur Anwendung von Blockchain-Technologien in der Kunst auszuloten.

Der Workshop wird mit einem Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Anwendung von Blockchains in der Kunst, einschließlich der wichtigsten Chancen und Herausforderungen, eingeleitet. Daran schließt sich eine Reihe kurzer Präsentationen von Experten aus der Praxis an, die in den letzten Jahren viel Zeit investiert haben, um die Komplexität und Fallstricke des Themas Blockchains nachzuvollziehen. Jeder der vorgestellten Themenbereiche wird anschließend in Arbeitsgruppen vertieft – mit dem erklärten Ziel, Initiativen zu befähigen, zur nächsten Phase der Entwicklung überzugehen.

Im Rahmen dieser Workshops wird sich jedes Labor mit einem bestimmten Spektrum von Themen und Fachgebieten beschäftigen, und zwar nicht isoliert, sondern bereichsübergreifend vernetzt und vorbehaltlos im Hinblick auf vermutete Folgen der Blockchain-Technologien. Am Ende soll ein ganzes Bündel experimenteller Initiativen stehen, die dazu beitragen, die Zukunft der Kunst, wie wir sie kennen, neu zu denken und zu erfinden.
 
Diskussion

“Die Nutzung der Blockchain-Technologie im Kunstbetrieb, in der Kunstkritik und Kunstdokumentation öffnet eine Büchse der Pandora im Hinblick auf die Quantifizierung künstlerischer Phänomene, die Manipulierung des Konsenses, die Unterwerfung unter die Tyrannei der Durchschnittlichkeit usw.” – Hito Steyerl

Im Anschluss an den Auftakt-Workshop der DAOWO-Serie wird der Debatte über die Chancen, die Gefahren und die Komplexität, die mit der Idee einer Anwendung von Blockchain-Technologien auf die Produktion und den Vertrieb von Kunst untrennbar verbunden sind, mit dieser Gesprächsrunde öffentlich Raum gegeben.

Es geht um ganz konkrete Anwendungsfälle und um die theoretischen langfristigen Folgen einer Technologie, die eine Vielzahl unerwarteter neuer Bedingungen herbeiführt, nach deren Maßgabe sich die Kunstwelt und der Kunstmarkt in ihrem Schaffen und Betrieb womöglich richten müssen. Von Teileigentum, streng ausgelegten Herkunftsmodellen, nicht nachvollziehbaren Finanztransaktionen, über autonome Kunstwerke bis hin zu neuen, vollautomatischen Organisationsformen: In dieser Runde wird es darum gehen, die Folgen der Blockchain-Technologien für die Kunstwelt – in ihrer alltäglichen Selbstverständlichkeit wie auch als Schreckgespenst – aufzuschlüsseln und zu beleuchten.
Die Moderation übernehmen Ruth Catlow und Ben Vickers. 
 
Diskussionsteilnehmer
Hito Steyerl
Die Filme, Installationen und Texte von Hito Steyerl entstehen aus dem systemischen Denk- und Arbeitsansatz der Künstlerin heraus, bei dem das künstlerische Werk und Schaffen und die theoretische Analyse globaler sozialer Fragen eng miteinander verknüpft sind. Steyerl beschäftigt sich mit der Interaktion und Synthese technologischer und künstlerischer Bildsprache, zum Beispiel auf Ebene der visuellen Massenkultur – und mit ihrer Funktion im alles überspannenden Rahmen aus Technokratie, Geldpolitik, Machtmissbrauch und Gewalt.
 
Helen Kaplinsky
Helen Kaplinsky ist Kuratorin und Schriftstellerin und arbeitet bei Res., einer kooperativ geführten Galerie, die zugleich Arbeitsräumlichkeiten bietet, in Deptford in Südost-London. Derzeit ist sie im Rahmen einer Partnerschaft mit der benachbarten University of Goldsmiths tätig. Sie ist auf Projekte im Bereich Sammlung und Archivierung spezialisiert und die strategische Ausrichtung ihrer Tätigkeit als Kuratorin orientiert sich thematisch an der Frage, was Eigentum im Zeitalter des digitalen Teilens bedeutet. Sie hat an Programmen in der Whitechapel Gallery, South London Gallery, beim Glasgow International Festival, im ICA (London) und in The Photographers Gallery (London) mitgewirkt und begleitet Projekte an der Tate und bei FACT (Liverpool).
 
Julian Oliver
Julian Oliver ist Critical Engineer und Künstler und lebt in Berlin. Julian Oliver hat bereits zahlreiche Workshops und Meisterklassen zu Themen wie Software-Kunst, Daten-Forensik, kreatives Hacking, Computer-Netzwerke, Überwachungsabwehr, objektorientiertes Programmieren für Künstler, erweiterte Realität, virtuelle Architektur, Videospiel-Entwicklung, Visualisierung von Informationen und UNIX/Linux in der ganzen Welt geleitet. Er ist ein Verfechter frei erhältlicher Open-Source-Software und unterstützt und begleitet durch aktive Mitarbeit Initiativen, die das Recht auf Privatsphäre und Anonymität in vernetzten und auf andere Weise technologisch durchdrungenen Bereichen stärken. Er ist Mitautor des Manifests „Critical Engineering“ und Mitbegründer der CryptoParty in Berlin. Im Studio Weise7, das er mitbenutzt, fanden die ersten drei CryptoParties weltweit statt. Er ist darüber hinaus Mitbegründer von BLACKLIST, einer Reihe von Filmvorführungen und Gesprächsrunden zum Thema der existenziellen Bedrohungen unserer Zeit.

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