Film Jürgen Böttcher Kurzfilme - Programm 1: Teil 1

Jürgen Böttcher: Wäscherinnen Jürgen Böttcher: Wäscherinnen © DEFA-Stiftung, Werner Kohlert

So, 27.10.2019

Close-Up Film Centre

97 Sclater Street
E1 6HR London

Eine Auswahl von Jürgen Böttchers frühen Kurzfilmen, von seinem persönlichen Portrait dreier Dresdener Künstlerfreunde, Drei von vielen (1961), bis zu Wäscherinnen (1972) seinem zweiten Film über berufstätige Frauen in der DDR.  

Mit einer Einführung von Diana Mavroleon.


Drei von vielen
 
Böttchers erster Film im DEFA Studio für Wochenschauen und Dokumentarfilme ist ein Schlüsselfilm, ein sehr persönliches Werk, in dem er drei seiner Dresdner Künstlerfreunde portraitiert. Obwohl er hier Arbeiter zeigt, die sich künstlerisch betätigen und damit dem 1959 stattlich befürworteten „Bitterfelder Weg“ entsprach, wurde der Film sofort nach seiner Fertigstellung verboten und erst 1988 zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Böttchers Darstellung des kreativen Arbeiters war dann doch zu informell und individualistisch. Drei von vielen verbindet drei wesentliche Elemente in Böttchers Biografie: seine Beziehung zu Dresden und seinen Erfahrungen im Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit, seine parallele Karriere als Maler und seine Liebe zum Jazz.
 
DDR 1961, s/w, DCP (35mm), 33 Min. Mit englischen Untertiteln.
 

Ofenbauer
 
In diesem ersten Film Böttchers über Menschen bei der Arbeit dokumentiert der Regisseur, wie im Eisenhüttenkombinat Ost an der Oder ein neuer über 65 Meter hoher und fast 2000 Tonnen schwerer Hochofen um 18 Meter auf den Platz des Vorgängerofens verschoben wird. Anstatt in den üblichen 80 Tagen soll die Aufgabe in der Hälfte der Zeit vollbracht werden. Damit illustriert der Film implizit ein wichtiges propagandistisches Thema in der DDR - Arbeiter, die durch Kameradschaft, Anstrengung und sorgfältige Planung ein geplantes Ziel überschreiten. Der Film wurde dementsprechend von offiziellen Stellen gelobt und bei der wichtigen Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche mit der Silbernen Taube ausgezeichnet. Böttcher vermeidet jedoch jedes Drama. Es liegt keine stimmungsbildende Musik über den Titeln, der Kommentar ist eher faktisch, den Soundtrack bilden die originalen Geräusche von der Baustelle, die Arbeiter handeln eigenständig. Die Betonung liegt ganz auf der Beobachtung (hier zeigt sich Böttchers Nähe zum Cinema Verité) und deren choreografischen Dynamisierung im Schnitt.
 
DDR 1962, s/w, DCP (35mm), 15 Min. Mit englischen Untertiteln.

 
 
Der Sekretär
 
Böttcher verstand diesen Film über einen engagierten Parteisekretär als Buße für seinen verbotenen Films Drei von vielen. Grimmer ist Sekretär im sächsischen Chemiekombinat Buna, wo er geduldig und mit Verständnis, die hauptsächlich weibliche Belegschaft durch Dialog und Interesse sowie durch die Ermutigung zu Weiterbildung unterstützt. Grimmer scheint mit seinem authentischen Idealismus fehl am Platz zu sein, erscheint als fast romanhafter Charakter, der in der industriellen Realität der DDR kaum existierte.

DDR 1967, s/w, DCP (35mm), 29 Min. Mit englischen Untertiteln.
 
 
Wäscherinnen
 
Wieder greift Böttcher das Thema kollektiv zusammen arbeitende Menschen auf. Hier sind es Auszubildende in der staatlichen Großwäscherei VEB Revatex in Berlin, die Böttcher durch mit Dampf gefüllte Hallen beobachtet. Die vor Ort gefundenen Geräusche werden übereinander gelagert und zur Rhythmisierung der Bilder verwendet. Die Frauen wirken gelöst und reagieren entspannt auf Böttchers Fragen. Sie sprechen ihre eigene Sprache und nutzen den Raum, den der Film ihnen bietet, um über ihre kleinen und großen Sorgen zu sprechen, auch Kritik an ihrem Arbeitsplatz zum Ausdruck zu bringen.

DDR 1972, s/w, DCP (35mm), 23 mins. Mit englischen Untertiteln.

Dauer: 100 Minuten

Diana Mavroleon arbeitet mit Experimental- und Dokumentarfilm. Sie macht Programme für Resonance Radio, ist Gründungsmitglied des European Media Arts Network und ist Korrespondentin für S.E. Asia. Zurzeit recherchiert sie für einen Dokumentarfilm über ‘den Einfluss der Globalisierung auf die traditionellen Musiker in der Thar Wüste im Western Rajasthan’. Daneben ist sie auch als qualifizierte biodynamische Gärtnerin und Landschafts-/Gartendesignerin tätig.  


 
 

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