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19:00 Uhr

Reporter Slam

Reporter Slam|Berufsumsteiger - Leben nach dem Journalismus

  • MIXÁT DUMAKLUB, Budapest

Reporter Slam 2025 BP Ember Patrícia © Goethe-Institut Budapest

Es gibt nur wenige Journalist*innen in Ungarn, die nicht von der Schließung oder dem Verkauf der zahlreichen Medien betroffen waren. Oder die nicht mit der Begründung „Veränderung in den Lesegewohnheiten und Marktbedingungen“ entlassen wurden.

Einmal. Zweimal. Oder mehrmals.

Egal wie engagiert Journalist*innen sind, sie können auch die Nase voll haben und beschließen, sich etwas ganz anderem zuzuwenden. Sie können zum Beispiel die Tastatur und das Mikrofon durch eine Crimpzange oder eine Betonpumpe ersetzen. Oder sie können Kindergeschichten schreiben und Schwimmtrainer*innen werden. Oder Kinder heilen.

Und wenn das schon passierte, warum erzählen sie uns nicht, wie das Leben nach einem Berufswechsel aussieht?

Reporter Slam – Journalist*innen erzählen ihre besten Geschichten.

Ein gemeinsames Projekt von Dumaszínház und dem Goethe-Institut Budapest.

Moderation: Gergely Litkai

Gäste:

Roland Baksa ist der ehemalige Wirtschaftsjournalist des „alten“ Index, des „alten“ Origo, hvg.hu, Népszabadság und 24.hu, der 2017 den Gizella-Tarnói-Preis für seine investigative Arbeit zum ehemaligen Notenbankchef György Matolcsy erhielt, lebt heute in Österreich und arbeitet als Elektriker.

„Auf dem Höhepunkt meiner Karriere, nach 16 Jahren in dem Journalismus hinter mir, als ich jemand war, beschloss ich im Sommer 2020, eine Weile niemand zu sein. Ich konnte es nicht mehr ertragen, über den Verfall des Landes zu berichten, und ich hielt es auch für sinnlos, in einem Land weiterzukämpfen, wo sich alle mit allem resigniert abfinden. Heute bin ich Elektriker. Und ich lebe im Ausland. Ein Neuanfang als Mann im mittleren Alter. Das ist das größte Projekt: mit meinen beiden Kindern und meiner Frau einen Fuß in eine neue Umgebung zu setzen.“

Róbert Pálinkás-Szüts ist bildender Künstler, Journalist und Moderator von Klubrádió. In den vergangenen 30 Jahren hat er in vielen Redaktionen gearbeitet, von Magyar Narancs über EST FM und das „alte“ Origo bis zu 168 Óra. Er ist Ultramarathonläufer und arbeitet jetzt in der Baubranche, aber er hat immer noch eine Sendung auf Klubrádió am Freitagmorgen.

„Als der Eigentümer nach den Wahlen 2022 merkte, dass er keine liberale Wochenzeitung braucht, stellte er die gedruckte Version 168 Óra ein, wo ich Chefredakteur war. Ein Bekannter von mir besitzt die Baufirma Király Beton Kft. und wir setzten uns zusammen und vereinbarten, dass ich in seinem Unternehmen als Bauarbeiter arbeiten würde. Ich schaufelte, dichtete ab, trug Zement, und seit einiger Zeit gehe ich auf Baustellenbesichtigungen, verhandle mit Investoren, bereite Verträge und Angebote vor. In der Zwischenzeit schaufle ich gelegentlich Kies in die Betonpumpe. Wir sind ein ländliches Unternehmen, ich bin der älteste der vierzehn Mitarbeiter. Es war keine leichte Umstellung, aber ich denke, ich habe es geschafft.“


Szilvi Suri ist die ehemalige Reporterin für Klubrádió, MR-1 Kossuth Radio, das alte Origo, die mit dem Hégető Honorka-Preis ausgezeichnet wurde. Die ehemalige Leiterin des Roma-Pressezentrums, arbeitet heute als Pferdetherapeutin im Pferdetherapiezentrum der von ihr gegründeten Zabszalma-Stiftung.

„Ich war eine Journalistin, die zu einer urbanen Bäuerin wurde. Ich habe mit Erwachsenen gesprochen und ihnen Geschichten erzählt. Jetzt spreche ich mit Kindern und erzähle ihnen Geschichten. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass die Kinder offener sind und so macht das Erzählen viel mehr Sinn. Und meine Kollegen, die Pferde, begleiten mich auf dieser Reise.

Éva Vajda wurde in den späten 1990er Jahren als investigative Journalistin bekannt.
In der Zeitung Élet és Irodalom war sie gemensam mit Attila Ószabó die erste, die über die finanzielle Bereicherung der Familie Orbán schrieb. Sie war stellvertretende Chefredakteurin des Manager Magazins. Für ihre Artikelserie über die Telekom-Korruptionsfälle wurde sie mit dem Göbölyös „Soma“-Preis als die beste investigative Journalistin des Jahres ausgezeichnet. Sie hat auch Lehrbücher, Reportagen und Kinderbücher geschrieben. Derzeit lebt sie in London, wo sie an Medienentwicklungsprojekten für die britische Thomson Foundation arbeitet und als Hobby Schwimmunterricht gibt.

„Ich verließ den Beruf 2009, nach fast zwei Jahrzehnten. Nach der Geburt meines Sohnes im Jahr 2010 kehre ich nicht zu dem Journalismus zurück, sondern fing ich bei einem Unternehmen an, obwohl ich im Kern auch bei meinem ursprünglichen Beruf blieb, da ich immer noch Korruptionsfälle untersuchte, nur in einem Unternehmensumfeld. Hier bin ich wieder bei Arbeitsplätzen gelandet, die die Welt verändern wollen: Zunächst arbeitete ich für das internationale Büro von Amnesty International (wo ich investigative Berichte schrieb), und seit zwei Jahren bin ich für die britische Thomson Foundation tätig und leite medienbezogene Projekte. Obwohl ich nicht für eine Zeitung schreibe, bin ich (fast) wieder da, wo ich nach einem großen Rundgang aufgehört habe.“

Die Veranstaltung findet im Rahmen der EU-Projekts PERSPECTIVES statt.
Weitere Informationen über das Projekt:
https://www.goethe.de/prj/per/en/index.html
Kofinanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch die der Autor(en) und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können zur Verantwortung gezogen werden.