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Oma Trude
Wiederentdeckung einer Nutzpflanze

Oma Trude
Illustration © Celine Buldun

Oma Trude liebt nichts mehr als den Besuch ihrer Familie an Weihnachten. Ihr Haus war voll mit Kindern und Enkelkindern. Es gab reichlich Geschenke von Socken bis Kosmetik – und ganz häufig war eine der ältesten und nachhaltigsten Nutzpflanzen der Welt im Spiel.

Ihr Lieben,

Weihnachten war wieder wunderbar – wir konnten die Pandemie fast vergessen und mit einem Teil meiner großen Familie glückliche Stunden verbringen. Meine Zwillinge Jörg und Frank waren mit ihren Familien an Heiligabend da, dazu gehören ja auch meine Enkel Michi, Laura und Janina. Die Hamburger sind nicht angereist, aber die habe ich ja vor kurzem erst in ihrer Stadt besucht. Und mein Sohn Dirk kam mit seiner Familie am ersten Weihnachtsfeiertag aus München.

Wir mussten sehr lachen, als wir rund um den Christbaum feststellten, dass in diesem Jahr Hanf gleich in mehreren unserer Geschenke vorkam! Da zeigt es sich, dass wir als Familie ähnlich denken und sehr gut wissen, womit wir unseren Lieben eine Freude bereiten können. Und Ihr sollt nun auch daran teilhaben – ich berichte Euch heute über Hanf, eine der ältesten und vielfältigsten Nutzpflanzen der Erde, die seit 1996/1997 in Deutschland wieder legal angebaut werden darf. Allerdings ist das nur ein sogenannter Industrie- oder Nutzhanf, mit einem sehr geringen Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), dem Wirkstoff, der für den Rausch verantwortlich ist, wenn man Cannabis konsumiert.

Blick zurück

Aber uns geht es ja nicht um den Rausch, sondern um den großen Nutzen und die herausragenden Eigenschaften von Hanf. Diese wurde schon weit vor unserer Zeit erkannt, so haben beispielsweise die Chinesen angeblich 2.800 v. Chr. die ersten Seile der Welt aus Hanffasern und vermutlich auch gleich die ersten Kleidungsstücke aus Hanffasern hergestellt. Oder sie haben etwa 100 v. Chr. Papier aus Hanffasern geschöpft. Hanf ist absolut faszinierend! Im 17. Jahrhundert, als die Segelschifffahrt noch stark verbreitet war, hatte auch der Hanf in Europa seine Hochphase. Fast alle Segel, Seile, Flaggen, Kleidungsstücke an Bord waren aus der Naturfaser hergestellt. Sie nahmen viel weniger Wasser auf als Baumwolle!

Die beiden US-amerikanischen Präsidenten George Washington und Thomas Jefferson waren übrigens auch Hanfanbauer, hat mein Enkel Michi herausgefunden. Und der Erfinder des modernen Buchdrucks, Johannes Gutenberg, druckte im Jahr 1455 eine Bibel auf Hanfpapier, nachdem fünf Jahre zuvor die Hanfpapiertechnik Europa erreicht hatte. Hanf war nahezu überall zu finden, weil er so vielseitig ist.

Antibakterielles Sockenwunder

Mich hat Hanf ganz schnell überzeugt – und Ihr werdet lachen, wenn ich Euch sage warum: Spätestens seit mein Enkel Michi von seiner Freundin Helene zu Weihnachten Socken aus 99 Prozent Hanffasern aus Niederösterreich bekommen hat und seine Füße nur noch Wohlgeruch verbreiten, seitdem bin ich ein großer Hanf-Fan. Hanf ist antibakteriell! Das wusste ich allerdings schon, seit ich mir im Sommer ein T-Shirt mit hohem Hanfanteil gekauft hatte. Es ist temperaturausgleichend, antistatisch, feuchtigkeitsregulierend und sehr angenehm zu tragen.

Nicht falsch gewickelt

Ein weiteres Hanf-Geschenk an Heiligabend war auf den ersten Blick gar nicht als solches zu erkennen. Von Ava, meiner Ur-Enkelin aus Hamburg habe ich aber noch erläutert bekommen, was sie mir gebastelt hat: zwei unterschiedlich große Dosen für meine Stifte, umwickelt mit Hanf-Seil. Ich könne auch ein Glas hineinstellen und hätte schöne Vasen, meinte sie. Miri, ihre Mutter hat ihr mit der Heißklebepistole geholfen. Diese Hanf-Dosen sehen richtig toll aus!

Öko im Anbau

Hanf ist im Anbau viel ökologischer als Baumwolle, da die Pflanze ein Tiefwurzler ist und äußerst wenig Wasser benötigt. Sie fängt erst so richtig nach oben an zu wachsen, wenn ihre Wurzeln tief im Boden auf Wasser stoßen. Erinnert Ihr euch an den ökologischen Wasserfußabdruck und die Jeans, die 11.000 Liter Wasser „verbraucht“, bis sie produziert ist? Das ist mit einer Hanf-Jeans ganz anders. Die Pflanzen wachsen außerdem sehr viel schneller und benötigen keine Pestizide. Mein Nachbar Georg hat mir erzählt, dass befreundete Landwirte auch die bodenverbessernden Eigenschaften von Hanf sehr schätzen würden.

Gut zur Haut

Für meinen kleinen Exkurs in die Kosmetik hat mir Michi geholfen, er kann immer alles so gut erklären: Aus der Cannabispflanze wird erstens das Cannabisöl mit 50 bis 80 Prozent THC gewonnen (aus den Blättern und Blüten). Zweitens das Cannabidiol-Öl (CBD-Öl), das dem THC entgegen wirkt und die Wirkung abschwächt. Es wird vor allem für kosmetische Produkte verwendet. Und drittens wird das Hanföl oder Hanfsamenöl gewonnen, allerdings aus den Samen! Es enthält kein berauschendes THC und wird beispielsweise als Speiseöl verwendet.

Man findet das CBD-Öl in vielen kosmetischen Produkten, weil es entzündungshemmend bei Akne und Rosacea oder insgesamt abschwellend wirken soll. Ich habe auch schon von Freunden mit Neurodermitis erzählt bekommen, dass Cannabis-Kosmetik ihnen sehr geholfen hätte. Produkte mit CBD sollen jedenfalls die Haut gut gegen Umwelteinflüsse schützen und wegen des sehr hohen Anteils an ungesättigter Fettsäuren die Feuchtigkeit gut speichern können. Kleopatra, Herrscherin im alten Ägypten, hat sich auch schon damit gepflegt – vermutlich nachdem sie ihrem Eselsmilchbad entstiegen war …

Viele Nährstoffe

Michi und Helene kaufen ja viel im Bioladen ein, und dort hat mein sportelnder Enkel sein Hanfkern-Proteinpulver entdeckt. Er schwört drauf, weil es so gut verträglich sei. Im ersten Schritt presst man Hanfsamen aus, um Hanföl als Speiseöl (nicht zum Braten!) zu gewinnen. Übrig bleibt eine Art Trester, den man dann zu einem sehr proteinhaltigen Pulver mahlt. Michi meint jedenfalls, Hanf sei sein neues Superfood –ungewöhnlich hohe Nährstoffdichte, reich an Antioxidantien, Vitaminen und so weiter – was will er mehr?

Getränk mit Wirkung

Und das dritte Hanf-Weihnachtsgeschenk war auch wieder für mich, diesmal von Michi. Wo hat er das nur wieder aufgetan? Ich jedenfalls hatte noch nie davon gehört: Es ist ein Hanf-Elixir aus Hanfblüten, Hanfsamen und Hanfblättern, verfeinert mit Brennnessel (die habe ich Euch auch schon einmal vorgestellt), Hopfen, Lavendel und so manch anderer feinen Zutat, die den „Naturbooster“ wirklich boostern lässt. Wieder ist Österreich das Herkunftsland. Das Konzentrat soll viele Polyphenole enthalten, also besonders effektive Antioxidantien, und soll freie Radikale besonders gut bekämpfen. Wenn ich jetzt sage, dass es interessant schmeckt, meine ich das nicht negativ! Was für ein schöner Zufall, dass mir auch noch andere besonders effektive Polyphenole gut schmecken – und man soll die ja mischen. Ich liebe Granatapfel und Ingwer! Und Kurkuma kommt bei mir schon gewohnheitsmäßig fast überall dazu. Ich fühle mich also gewappnet für den Winter, mein Immunsystem ist gestärkt.

Zum Glück gibt’s immer noch so viel Neues zu entdecken! In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Rutsch ins Jahr 2022 – vermutlich wird es uns wieder allerhand Überraschungen bieten. Und ich wünsche uns, dass es uns als Erstes mit dem Ende der Corona-Pandemie überrascht. Nach dem Motto: Träume und Gedanken kennen keine Schranken.

Alles Liebe und kommt gesund ins neue Jahr!
Eure Trude

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