Auslandserfahrungen Das MINT-Labor im Juli 2016 in Heidelberg

Wissenschaftler am Werk
© Panthermedia Uwe

Die Stipendiaten Matilde Tozzi und Francesco Frattini erzählen über ihren Aufenthalt in Deutschland.

Matilde Tozzi, 17 Jahre aus Turin: Ich bringe Ideen mit nach Hause, die ich vorher nicht hatte

Was hat dich dazu gebracht am MINT-Labor teilzunehmen?

Forscher im Labor © Panthermedia Darren Baker Hauptsächlich hat mich die Neugier getrieben: Ich wollte herausfinden, was mir ein Programm bieten kann, das ein internationales Umfeld, Wissenschaft und Fremdsprachen miteinander verbindet. Ich habe gehofft durch neue Erfahrungen meinen Blickwinkel auf die Welt und meine Kenntnisse zu erweitern, und ich würde sagen, dass dieses Projekt meine Erwartungen absolut erfüllt hat.

Sprache und Naturwissenschaft, eine ungewöhnliche Kombination. Wieso denkst du, dass beides wichtig ist?

Wissenschaft und Sprachen sind meine beiden großen Leidenschaften, weil beide es mir ermöglichen, eine bessere Kenntnis über die Welt und ihre Bewohner zu erhalten, obwohl sie in ihrer Art und Weise sehr verschieden sind. Die Sprache der Wissenschaft ist universell, da sie über Instrumente wie die Mathematik und die Logik verfügt, die für alle verständlich sind auch wenn es kulturelle und linguistische Unterschiede gibt. Die Kommunikation in einer bestimmten Sprache hingegen ist persönlicher, weil jede Sprache für sich kommuniziert und es unterschiedliche Ebenen gibt: einige Sachen kann man nicht übersetzen und sie machen eine Sprache speziell und anders zu anderen Sprachen.

Wieso genau die Deutsche Sprache? Was kann die Deutschland im Bereich der Naturwissenschaften bieten?

Deutschland ist eine derjenigen europäischen Nationen, die am meisten in wissenschaftliche Forschungen investiert und viele deutsche Unternehmen haben im technisch-wissenschaftlichen Bereich weltweite Bedeutung, sodass die deutsche Sprache einen großen Einfluss in diesem Sektor ausübt und mindestens genauso wichtig ist wie das Englische.

Was war für dich der beste Moment bei deinem Aufenthalt? Erzähle und zeige es uns mit einem Foto!

Einen allerschönsten Moment zu finden ist wirklich schwierig, es war eine Woche voller schöner Ereignisse. Dennoch würde ich sagen, dass es sehr lustig war, die kleinen LEGO- Roboter Mindstorms zu bauen und zu programmieren. Als es dem eigenen kleinen Roboter gelang, seine Aufgabe korrekt auszuführen, fühlte sich das ziemlich gut an!

Impressionen © Matilda Tozzi

Gemeinsam zwischen den Kulturen experimentieren. Wie war deine Erfahrung?

Die Möglichkeit zu erhalten, mich mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern auszutauschen, war meiner Meinung nach besonders lehrreich, weil ich mit Ansichten, die sich von meinen unterscheiden, in Kontakt gekommen bin, etwas mehr über die Kultur der anderen Menschen erfahren konnte und auch einige Ideen mit nach Hause bringe, die ich vorher nicht hatte.

Was nimmst du von deiner Reise mit nach Hause?

Es war eine faszinierende Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. Sie hat mir erlaubt neue Dinge der Wissenschaft zu entdecken, mein Deutsch zu verbessern, meine Horizonte zu erweitern und ich würde fast sagen, dass mich das alles zu einer besseren Person gemacht hat. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt, sowohl unter meinen Mitschülern, als auch unter den Mitgliedern der Einrichtung.

Francesco Frattini, 17 Jahre aus Brescia: Ein Erfahrungsschatz für meine Zukunft!

Was hat dich dazu gebracht am MINT-Labor teilzunehmen?

Die Idee an diesem Projekt teilzunehmen entstand, um ehrlich zu sein, eher spontan. Meine Deutschlehrerin, die von diesem Projekt wusste, machte mich darauf aufmerksam. Weil mir die Idee gefiel das Studium der Deutschen Sprache mit dem Studium der Naturwissenschaften zu verbinden, schrieb ich daraufhin ein Motivationsschreiben, das von allen Teilnehmern verlangt wird, auch wenn ich nicht glaubte wirklich ausgewählt zu werden. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ich unverhoffter Weise eine E-Mail  mit der Mitteilung bekam, dass ich genommen worden war! Ich konnte es kaum glauben, dass die Reise nach Deutschland wahr werden könnte.

Business training © Panthermedia Fabrice Michaudeau

Sprache und Naturwissenschaft, eine ungewöhnliche Kombination. Wieso denkst du, dass beides wichtig ist?

Seitdem ich klein war, habe ich immer gedacht, dass ich später Arzt werden möchte. Auch heute denke ich, dass es für mich die beste Entscheidung ist ein Studium im Bereich der Naturwissenschaften anzufangen. Die Naturwissenschaften sind meine Leidenschaften und es gibt nur wenige Situationen in denen ich auf Schwierigkeiten treffe.
Die Deutsche Sprache ist eher zufällig in mein Leben getreten: als der Zeitpunkt kam, indem ich mich für ein Gymnasium entscheiden musste, wählte ich eines mit naturwissenschaftlichem Zweig aus. Neben den Naturwissenschaften musste ich außerdem zwei Sprachen, d.h. Englisch und eine weitere lernen. Es gab die Möglichkeit zwischen Deutsch und Französisch zu wählen. Ein wenig aus Neugier und des Spaßes halber, habe ich mich also dazu entschlossen diese neue und mir unbekannte Sprache, Deutsch, zu entdecken. Genauso wie das Russische und Chinesische, hat das Deutsche keine lateinischen Wurzeln und hat mich deshalb schon immer fasziniert. Sofort habe ich eine große Leidenschaft für diese Sprache entwickelt, was mit Sicherheit auch an dem Enthusiasmus und Charisma meiner Lehrerin lag, der es bis heute sehr gut gelingt ihre Passion für die deutsche Sprache an ihre Schüler weitzugeben und uns zum Lernen motiviert. Ich habe sogar gelernt den Rhythmus der anfänglich sehr eigenwillig und hart klingenden Sprache wertzuschätzen.

Wieso genau die Deutsche Sprache? Was kann die Deutschland im Bereich der Naturwissenschaften bieten?

Allgemeinhin bekannt ist die Kenntnis von Fremdsprachen fundamental für die heutige Arbeitswelt und wird vor allem bei Reisen ins Ausland immer bedeutender. Für mich jedoch bedeutet das Beherrschen einer Fremdsprache nicht nur bessere Arbeitschancen, sondern auch die Möglichkeit mich mit einer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft auseinandersetzten zu können. Reisen war für mich von Kindheit an eine tolle Vorstellung, auch wenn ich bislang nicht häufig die Chance dazu hatte.
Das Studium einer Sprache, in diesem Fall natürlich der Deutschen, schafft die Möglichkeit sich persönlich und bildungstechnisch weiterzuentwickeln. Die Idee in einem anderen Land zu studieren und eventuell sogar zu leben hat mich immer fasziniert und mit Sicherheit Vorteile. Speziell  Deutschland bietet im Gegensatz zu Italien, in dem die Arbeitssituation momentan sehr schwierig ist,  eine sehr gute Arbeitsperspektive im Bereich der Naturwissenschaften.

Was war für dich der beste Moment bei deinem Aufenthalt? Erzähle und zeige es uns mit einem Foto!

Die beste Erfahrung für mich war die Besichtigung und das angeleitete Arbeiten im Experimentierzentrum Heilbronn. Dort haben wir den Ausbreitungsprozess einer Epidemie und anschließend die Vorgehensweisen zur Identifikation der infizierten Personen  analysiert. Danach haben wir in Gruppen versucht unterschiedliche Szenarien einer Epidemie nachzuspielen. Es hat wirklich Spaß gemacht und die Experimente sind ohne größere Hindernisse verlaufen. Ein weiterer sehr spezieller Moment war die Führung bei einem Vertragshändler und durch eine Audi-Fabrik (leider war es uns nicht möglich in den Räumlichkeiten des Firmensitzes Fotos zu machen). Allgemein haben mir aber alle Erlebnisse, wie z.B. auch die Besichtigung im Luft- und Raumfahrtzentrum und dem Flugsicherheitszentrum überraschenderweise sehr gut gefallen.

Gemeinsam zwischen den Kulturen experimentieren. Wie war deine Erfahrung?

Ohne Zweifel positiv. Es hat sehr viel Spaß gemacht auf Jugendliche in meinem Alter aus den unterschiedlichsten europäischen Ländern (Frankreich, Spanien, Portugal, Niederlande)zu treffen und herauszufinden, dass die Vorstellungen und Vorurteile, die man von den verschiedenen Ländern und Personen hat, frei erfunden sind. Der wichtigste Bestandteil des Projekts war die Zusammenarbeit: sich unterschiedlichen Problemen und Herausforderungen in kleinen Gruppen zu stellen und eine Abschlusspräsentation der Forschungsreise zu entwerfen, um diese an unsere Schulen mitzunehmen, verlangte ein starkes Teamwork zwischen allen Teilnehmern. Das Lustigste und Motivierendste an der gemeinsamen Arbeit war, dass wir uns alle auf Deutsch verständigen mussten.

Was nimmst du von deiner Reise mit nach Hause?

Einen Erfahrungsschatz für meine Zukunft. Dazu zählt nicht nur die Verbesserung meiner Sprachkenntnisse, welche sich vor allem im besseren Hörverstehen und größerem Sprachwortschatz zeigt, sondern auch neue Freundschaften, die ich innerhalb dieser kurzen Zeit von einer Woche Aufenthalt schließen konnte, sowie die Möglichkeit mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man noch nie zuvor im Leben gesehen hat, ohne Angst haben zu müssen, Fehler zu begehen. Außerdem fällt darunter die Chance zu helfen und der Mut nach Hilfe zu fragen, wenn man sie braucht (wobei es nie leicht ist, sich das einzugestehen) und vor allem, wie bei allen Abenteuern, die man weit weg von zu Hause erlebt, die Notwendigkeit bzw. die Kunst sich anzupassen, welche man Schritt für Schritt erlernt.