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Bildungstrends 2020
Trends im DaF-Unterricht: Quo vadis?

Anita Gröger
Foto: © privat

Welche Herausforderungen bringt die Corona-Krise für den Deutsch-Unterricht in Italien mit sich und wie sieht Bildung für die Zukunft aus? Mit Anita Gröger haben wir über ihre Studie „Bildungstrend 2020“ gesprochen. Sie ist promovierte Germanistin und Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Valle d’Aosta. Mit Fremdsprachen-didaktik befassen sich auch ihre regelmäßig erscheinenden Beiträge in der Zeitschrift Scuola e Didattica. 2019 führte sie im Auftrag des Goethe-Instituts Mailand eine wissenschaftliche Studie zu aktuellen Bildungstrends in Italien und Deutschland durch.

7 Fragen an ...

Anita Gröger
 
  1. Womit haben Sie sich in der Studie „Bildungstrends 2020“, die Sie letztes Jahr im Auftrag des Goethe-Instituts Mailand durchgeführt haben, genau beschäftigt?

    In der Studie befasse ich mich mit Bildungstrends in Italien und Deutschland in den kommenden Jahren und damit welche Herausforderungen dadurch für die Institution Schule und die Lehrenden entstehen. Die global-gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit stellen uns kontinuierlich vor neue Herausforderungen und machen es notwendig, dass wir auf lange Sicht angelegte Lösungsstrategien finden.
     
  2. Für wie wichtig halten Sie das Thema Digitalisierung und welchen Einfluss hat dieser gesellschaftliche Trend auf den Unterricht einer Fremdsprache?

    Die aktuelle Krisensituation führt uns die Wichtigkeit des ortsunabhängigen, mobilen Lernens deutlich vor Augen. Die ‚digitale Bildungsrevolution‘ hat in diesen Wochen eine ganz konkrete Bedeutung erhalten. Digitale Ressourcen bereichern auch den Fremdsprachenunterricht insbesondere dort, wo das blended learning, mit interaktiven, teamorientierten Lernformaten kombiniert wird. Allerdings gibt es auch Risiken. Es ist wichtig, die Lernenden vor der Gefahr der ‚digitalen Demenz‘ zu schützen und ihre kritische Medienkompetenz zu stärken.
     
  3. Wie verändern sich Lehr- und Lernkonzepte momentan, gibt es Trends?

    Führende Bildungsforscher fordern schon seit vielen Jahren eine Trendwende hin zu ressourcenorientierten, inklusiven Lehr- und Lernkonzepten. Die Schwerpunkte des Konzepts liegen zum einen auf der individuellen Förderung der Lernenden, zum anderen auf der Stärkung der Teamkultur. Neben dem bereits genannten blended learning, wächst die Bedeutung des ‚personalisierten Lernens‘. Dabei steht der individuelle Lernprozess im Mittelpunkt.
     
  4. Können Fortbildungsmaßnahmen wie z.B. „Deutsch Lehren Lernen“ hier zukunftsweisend sein?

    Die aktuelle Ausnahmesituation macht es notwendig, dass Lehrkräfte flächendeckend in kürzester Zeit zum digitalen Fernunterricht wechseln. Angesichts dieser Lage sollten Lehrkräfte rasch die Möglichkeit haben, sich über Webinare mit sinnvollen Konzepten der Online-Didaktik vertraut zu machen: So lässt sich vermeiden, dass sich digitales Lehren im Frontalunterricht erschöpft. Hier sind Fortbildungsformate wie Deutsch Lehren Lernen (DLL) empfehlenswert.
     
  5. Wie viele Schüler*innen lernen eigentlich an staatlichen Schulen Deutsch?

    An italienischen Schulen wird Deutsch im Regelfall ab der Sekundarstufe I als mögliche L3 angeboten. Laut offizieller Zahlen des italienischen Bildungsministeriums (MIUR), besuchten im Schuljahr 2017/’18 148.722 Schüler*innen an insgesamt 1.102 Schulen der Sekundarstufe I den Deutschunterricht. Statistiken zur Sekundarstufe II zeigen, dass im Schuljahr 2017/’18 italienweit 235.024 Schüler*innen an insgesamt 1.489 Schulen Deutsch lernten. Norditalien bleibt im regionalen Vergleich insgesamt vorn: Spitzenreiter sind die Lombardei und Veneto, Sardinien platziert sich als dritte Region. Auf der Ebene der Provinzen bildet Mailand mit 96 Schulen die Spitze, mit einigem Abstand folgen Trento, Neapel, Rom und Bari.
     
  6. Während Ihrer Studie haben Sie sich ja viele Schulprojekte in Deutschland und Italien genauer angeschaut. Welches hat Sie besonders beeindruckt?

    Besonders beeindruckt haben mich das 2017 ausgezeichnete Erasmus+-Projekt EUvelopement – modern media crossing borders (Johann-Jakob-Widmann-Schule Heilbronn / Scuola Regina Mundi in Milano), dessen internationale Schülerteams u.a. digitale Geräte und Apps sowie neue didaktische Methoden getestet haben und in diesem Zusammenhang auch ein Flüchtlingslager in Griechenland besuchten.
     
  7. Welche Empfehlungen würden Sie für den DaF-Unterricht von morgen geben?

    Jede Lehrkraft hat natürlich andere Herausforderung zu meistern, je nachdem ob sie in der Primar- oder Sekundarstufe, an der Universität oder in der Fort-und Weiterbildung tätig ist. Generell halte ich jedoch drei Aspekte für zukunftsweisend: das blended learning, die Orientierung an Schlüsselkompetenzen und eine motivationsorientierte Didaktik. Die aktuelle Krise wird in der Didaktik deutliche Spuren hinterlassen. Man sollte die Chance nutzen, den Unterricht weiterhin durch online-Ressourcen zu bereichern.

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