Retrospektive
Kino und Punk: Dialoge der Dissidenz
Im Rahmen des 25. Deutschen Filmfestivals präsentieren wir Kino und Punk: Dialoge der Abtrünnigkeit, eine Retrospektive, die den Punk als kulturelle, politische und ästhetische Bewegung anhand des deutschen und mexikanischen Kinos beleuchtet.
50 Jahre nach jener rebellischen Geste, welche die Selbstständigkeit, die Provokation und die Ablehnung in Ausdrucksformen umwandelte, lädt diese Retroperspektive dazu ein, den Punk nicht nur als Musikgenre zu betrachten, sondern als eine Einstellung gegenüber der Welt: Eine Art und Weise, um Normen zu hinterfragen, Räume zu besetzen und denjenigen eine Stimme zu geben, die am Rand der Gesellschaft stehen.
Die Auswahl vereint Spiel-und Dokumentarfilme aus Deutschland und Mexiko, welche sich mit verschiedenen Generationen und Punkszenen beschäftigen. Von der lebendigen Atmosphäre in Ost- und Westdeutschland bis hin zu den Straßen von Mexikio-Stadt zeigen die Filme, wie der Punk im Kino ein Mittel fand, um die Zeit anzuhalten, sie sich vorzustellen und sie zu zu konfrontieren.
Die deutsche Auswahl greift Werke von zentraler Bedeutung zu den Anfängen der Punk-Szene, deren Beziehung zu Musik und Gegenkultur, der Jugend in Ostdeutschland, dem Berlin der 80-ziger Jahre und Stimmen von Frauen, welche die Szene über Jahrzehnte umgestaltet haben, auf.
Von mexikanischer Seite wurde die Retrospektive von der Filmoteca de la UNAM kuratiert und vereint Filme, die sich mit Marginalisierung, Gewalt, Freundschaft, Identität und der Suche nach einem eigenen Platz auseinandersetzen. Dabei sind Werke von Sarah Minter ein wichtiger Anhaltspunkt, um sich den Erfahrungen der jungen Leute und Communities innerhalb der Punk-Szene in Mexiko-Stadt, anzunähern. Dabei steht sie in dieser Auswahl im Dialog mit zeitgenössischen Sichtweisen, welche die Diskussion auf neue Formen der Abtrünnigkeit, identität und Zugehörigkeit, ausweiten.
Zwischen Dokumentarfilmen, fiktionalen Filmen, Archivaufnahmen und Zeugenberichten, schaffen die Filme dieser Retroperspektive einen Dialog zwischen zwei Szenen, zwei historischen Kontexten und verschiedenen Generationen. Was sie verbindet, ist nicht unbedingt ein bestimmter Sound oder eine gemeinsame Ästhetik, sondern eine Frage, die nach wie vor aktuell ist: Was bedeutet es heuzutage, ungehorsam zu sein?
Kino und Punk: Dialoge der Abtrünnigkeit ist Teil von Alle gegen Alles. Punk@50, einer Initiative des Goethe-Instituts, die das 50-jährige Jubiläum des Punks mit einem internationalen Programm feiert, welches sich mit seinem Erbe und seiner Aktualität auseinandersetzt.
Denn Punk gehört nicht nur der Vergangenheit an. Er verändert seine Gestalt, findet neue Ausdrucksformen und wird wieder auftauchen, dort wo sich jemand dazu entschließt, sich mit etwas nicht zufriedenzugeben.
ALLE FILME DER PUNK-FILMREIHE SIND KOSTENLOS ZUGÄNGLICH