Open Call: Akustische Topographien. Ein ökologisch-künstlerisches Labor
Als Akademgorodok in den späten 1950er Jahren entstand, wurde es nicht nur zu einem wissenschaftlichen Phänomen, sondern auch zu einem Wendepunkt im Leben des umliegenden Ökosystems. Der Bau des Nowosibirsker Stausees, die Entwicklung der Infrastruktur und Forschungsaktivitäten lösten eine Reihe von Veränderungen aus: von Hydrologie und Mikroklima bis hin zur Artenzusammensetzung von Flora und Fauna sowie der Klanglandschaft der Region.
Akademgorodok klingt heute anders als noch vor 60 Jahren. Die Stimmen einiger Vogelarten sind verschwunden, während neue aufgetaucht sind. Viviparus viviparus, eine nicht heimische Mollusk, hat sich im Obstausee angesiedelt. Technogene Rhythmen erinnern an die ständigen anthropogenen Eingriffe. Der berühmte „Ameisenwald“ hat es zunehmend schwer, sich von den Auswirkungen des Menschen zu regenerieren. Bäume nehmen Schwingungen in sich auf und bewahren die Erinnerung an Abholzungen und Aufforstung.
Diese Prozesse erforscht das ökologisch-künstlerische Labor mithilfe von Praktiken des aktiven Zuhörens, der Fixierung und der Interpretation. Dabei werden Vögel, Insekten, Boden, Pflanzen und Wasser zu einem kollektiven Ereignis und Teil der akustischen Partitur der Landschaft.
Wir werden lernen, auf das zu hören, was um uns herum geschieht – selbst dann, wenn auf den ersten Blick nichts zu geschehen scheint. Wir werden das Verschwinden hören, verschiedene Formen der Stille unterscheiden und subtile Veränderungen wahrnehmen lernen.