Anita Raja ist eine italienische Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin und zentrale Vermittlerin deutschsprachiger Literatur in Italien. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Übertragung bedeutender deutschsprachiger Autor*innen ins Italienische, insbesondere im Bereich der Moderne und der Nachkriegsliteratur. Darüber hinaus prägt sie seit Jahrzehnten den kulturellen Austausch zwischen Italien und dem deutschsprachigen Raum durch ihre Arbeit in Bibliotheken, als Verlagsscout und als publizistische Stimme. Geboren 1953 in Neapel studierte Raja Literaturwissenschaft in Rom. Ende der 1970er Jahre begann sie im Bibliothekswesen der Stadt Rom zu arbeiten und war parallel dazu als Übersetzerin aus dem Deutschen ins Italienische tätig. Sie etablierte zentrale Werke von Christa Wolf im italienischen Sprachraum und erschloss darüber hinaus Texte von Franz Kafka, Ingeborg Bachmann und Georg Büchner sowie weitere Stimmen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts, darunter auch weniger rezipierte Autor*innen der DDR. Ein bedeutender institutioneller Schritt war ihre Ernennung zur Gründungsdirektorin der Biblioteca Europea in Rom im Jahr 2005, die sie über zehn Jahre leitete und als Modellprojekt für eine neue Form europäisch ausgerichteter Kulturvermittlung etablierte. Für ihre Leistungen im Bereich der Übersetzung und des deutsch-italienischen Kulturaustauschs wurde sie 2008 mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzer*innen-Preis ausgezeichnet.
Begründung der Preisvergabe
Anita Raja zählt zu den bedeutendsten Übersetzer*innen aus dem Deutschen ins Italienische. Sie hat nicht nur Christa Wolf und zahlreiche weitere Autor*innen der DDR schon in den frühen 1980er Jahren für das italienische Publikum entdeckt und bekannt gemacht, sondern auch seit langem kanonisierte Werke von Georg Büchner, Franz Kafka und Ingeborg Bachmann mit großem Feinsinn ins Italienische übertragen. Dass ihr Kulturvermittlung ein Herzensanliegen ist, zeigt auch ihr jahrzehntelanges Engagement als Bibliothekarin. Sie hat sich stets dafür eingesetzt, Bibliotheken zu einem Ort der Klassen-, Alters- und Bildungsgrenzen überwindenden Begegnung zu machen. 2005 wurde sie zur Gründungsdirektorin der Biblioteca Europea in Rom ernannt, die sie zehn Jahre lang leitete. Auch als Verlagsscout und Publizistin hat sie sich auf herausragende Weise um den deutsch-italienischen Kulturaustausch verdient gemacht.