Existenzgründung

Experteninterview mit Alexander Vatovac, Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München.


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Wer sich in Deutschland selbstständig machen möchte, ob als Handwerker, Rechtsanwalt oder Hundesitter, kann sich am Anfang leicht etwas verloren fühlen. Vor allem, wenn er aus dem Ausland kommt.

Alexander Vatovac: Man weiß nicht, wo muss ich hin, wo muss ich was anmelden, wer ist zuständig, welche Vorschriften existieren überhaupt.

Alexander Vatovac berät Existenzgründer. Er arbeitet für das Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München. Dieses hat einen „Leitfaden zur Existenzgründung“ herausgegeben, eine Broschüre, die sich speziell an ausländische Existenzgründer richtet.

Alexander Vatovac: Es ist einfach ein Sammelsurium von verschiedenen Themen im Bezug auf die Selbstständigkeit und man findet eben alle Ansprechpartner geordnet zu den einzelnen Themen.

In diesem Leitfaden findet man vor allem Ansprechpartner in München. Bundesweite Informationen können sich Existenzgründer zum Beispiel über das Internet holen.

Alexander Vatovac: Es gibt zum Beispiel eine sehr gute Internetwebsite: www.existenzgründer.de vom Bundeswirtschaftsministerium, die insgesamt auf fünf Sprachen Informationen über die Selbstständigkeit bereitstellt.
Ist auf jeden Fall eine gute Seite, um sich mal einen Überblick zu verschaffen.

Wenn dann jemand genau wissen will, wie er zum Beispiel in Deutschland ein türkisches Restaurant eröffnen kann, ist die erste Anlaufstelle der so genannte „Einheitliche Ansprechpartner“, abgekürzt EAP. EAPs gibt es in den Industrie-und Handelskammern, in den Handwerkskammern und auch in manchen Stadtverwaltungen.

Alexander Vatovac: Und die kommunizieren einem notwendige Schritte, notwendige Formalitäten, die erledigt werden müssen, helfen einem bei der Umsetzung usw. Die EAPs sind sehr international, also decken mehrere Sprachen ab.

Der EAP kann einem auch bei der Frage weiterhelfen, ob es sich bei der angestrebten Geschäftsidee um eine gewerbliche Selbstständigkeit oder eine freiberufliche Selbstständigkeit handelt. Diese Unterscheidung ist typisch deutsch und oft nicht so leicht zu verstehen.

Alexander Vatovac: Es gibt gewerbliche Selbstständigkeit, darunter fallen alle Dienstleistungen, Handel aber auch der handwerkliche Bereich, es gibt aber auch freiberufliche Selbstständigkeit. Da gibt es viele Grenzfälle. Da würde ich mir auf jeden Fall Beratung einholen. 

Wichtig ist auch zu wissen, dass Existenzgründer, die nicht aus den EU-Staaten kommen, also die so genannten Drittstaatenangehörigen, eine Erlaubnis brauchen, um sich in Deutschland selbstständig machen zu dürfen. Hierfür braucht es als erstes einen Businessplan.

Alexander Vatovac: Die Gründerin, der Gründer muss einen Businessplan erstellen, muss Kontakt aufnehmen zur Ausländerbehörde. Der Businessplan wandert dann zum Beispiel zur Industrie- und Handelskammer. Die schauen, ist das Vorhaben nachhaltig, kann eine Vollexistenz erreicht werden und so weiter. Wenn es positiv ist, geht das zurück an die Ausländerbehörde und in dem Fall würde dann die Gründungsperson eben den Aufenthaltstitel „selbstständige Erwerbstätigkeit“ gestattet bekommen. Natürlich kann es auch abgelehnt werden.

Egal ob EU-Bürger oder Drittstaatenangehöriger, der Businessplan ist enorm wichtig. Um dabei nichts falsch zu machen, sollte man sich auch Beratung einholen. Zum Beispiel in einem Existenzgründerbüro. In so einem arbeitet auch Alexander Vatovac.

Alexander Vatovac: Wir stellen so allgemeine Fragen: Was ist eigentlich der Nutzen, den Sie Ihrem Kunden anbieten? Was ist der Mehrwert? Haben Sie ein Alleinstellungsmerkmal in Ihrer Geschäftsidee? Haben Sie sich überlegt, wie Sie an Kunden kommen? Kennen Sie sich zum Beispiel mit der sozialen Absicherung aus, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung?

Generell kann Alexander Vatovac Existenzgründern nur empfehlen, sich so viel wie möglich zu informieren.

Generell schauen Sie auch immer, wo gibt es denn Netzwerke, sei’s Branchennetzwerke , sei’s irgendwelche Verbände in den Branchen. Schauen Sie, dass Sie dort Kontakte finden, zu Veranstaltungen gehen und sprechen Sie mit Leuten, die sich in einem ähnlichen Bereich selbstständig gemacht haben, dort bekommt man immer wertvolle Tipps.