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„Alles vergeht, außer der Vergangenheit“
Debattenfestival zum Postkolonialismus

Dekolonialer Stadtrundgang mit Kalvin Soiresse Njall vom Kollektiv „Mémoire coloniale et Lutte contre les Discriminations“.
Dekolonialer Stadtrundgang mit Kalvin Soiresse Njall vom Kollektiv „Mémoire coloniale et Lutte contre les Discriminations“. | Foto (Ausschnitt): © Goethe-Institut, Caroline Lessire

Im Rahmen des internationalen Postkolonialismus-Projekts „Alles vergeht, außer der Vergangenheit“ des Goethe-Instituts findet am 17. Oktober ein virtuelles Debattenfestival statt. Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy eröffnet es mit dem Vortrag „Amnesie. 40 Jahre Debatte über das afrikanische Kulturerbe in europäischen Museen“. 

Von Benjamin Panten und Tanya Wittal-Düerkop

Das öffentliche Bewusstsein für rassistische Gewalt und historische Ungerechtigkeit wächst. Kolonialdenkmäler, ethnografische Sammlungen und Filmarchive werden nicht nur entmythisiert und entglorifiziert, sondern in den Mittelpunkt politischer und sozialer Debatten gerückt. Das Debattenfestival „Alles vergeht, außer der Vergangenheit“ greift solche aktuellen Diskurse auf.

Machtstrukturen reflektieren …

Bénédicte Savoy wird in ihrem Vortrag von historischem und aktuellem „Vergessen“ sprechen. Wie ihre jüngste Forschung darlegt, wurde bereits vor über 40 Jahren über die Restitution kolonialer Sammlungsbestände nach Afrika diskutiert. Doch die damaligen Gespräche verliefen im Sande. Sie wurden vergessen oder erfolgreich vergessen gemacht, was Savoy als die wichtigste Lektion aus der europäischen Restitutions-Debatte der letzten drei Jahre betrachtet. Neben Paris und Berlin liegen auch in Lagos, Dakar oder Nairobi ganze Aktenkonvolute in Verwaltungs- und Pressearchiven sowie Nachlässen, aus denen hervorgeht, dass die Debatte um kolonialzeitliche Sammlungen in europäischen Museen schon einmal ausführlich stattgefunden hat. Sie erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1978 und 1982.

… Zukunftsaussichten entwerfen

Nach dem Eröffnungsvortrag von Bénédicte Savoy werden Aktivist*innen, Künstler*innen, Expert*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen aus Afrika, Lateinamerika und Europa das sensible Feld (neo-)kolonialer Verstrickungen diskutieren. Die Beiträge beleuchten die Herausforderung, ethnologische Museumssammlungen, den öffentlichen Raum und Filmarchive zu dekolonisieren, und bringen Positionen aus dem globalen Norden und dem globalen Süden in einen intensiven Dialog.
Performance “Healing the Museum” mit Grace Ndiritu im Afrika Museum Tervuren. Performance “Healing the Museum” mit Grace Ndiritu im Afrika Museum Tervuren. | Foto (Ausschnitt): © Goethe-Institut, Caroline Lessire

Live-Stream der Debatten

Das Festival ist Teil des zweijährigen internationalen Projekts „Alles vergeht, außer der Vergangenheit“ des Goethe-Instituts Brüssel, das 2019 verschiedene Workshops und Veranstaltungen in Belgien, Frankreich, Portugal und Spanien organisiert hatte. Viele der teilnehmenden Künstler*innen und Expert*innen präsentieren während des Festivals Werke und Statements, die während dieser Forschungsperiode entwickelt wurden. Eine Ausstellung zum Projekt eröffnete Mitte September in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo in Turin und eine Veröffentlichung der Ergebnisse in Buchform ist für Oktober 2020 in Planung.
 
Die virtuellen Debatten von „Alles vergeht, außer der Vergangenheit“ werden am 17. Oktober von 11:00 bis 18:30 Uhr (MEZ) auf der Projektwebsite des Goethe-Instituts Belgien live gestreamt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Eine Simultanübersetzung in Englisch und Italienisch wird angeboten.

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