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Fachkräftequalifizierung in Schwäbisch Hall
Vormittags in der Kita, nachmittags im Sprachkurs – ein Erfolgsrezept

María Prieto García arbeitet im Schwäbisch Haller Kinderhaus Badtorweg.
María Prieto García arbeitet im Schwäbisch Haller Kinderhaus Badtorweg. | Foto (Ausschnitt): © Tanja Kurz

Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage in Spanien zog es 13 pädagogische Fachkräfte aus Spanien nach Schwäbisch Hall. Hier arbeiten sie in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen und lernen parallel am Goethe-Institut Deutsch.

Von Tanja Kurz

Laura Jimenéz Segura (22) und Maria Prieto García (25) kommen aus Spanien. Die Grundschullehrerinnen finden trotz ihrer Qualifikation aufgrund der wirt­schaftlichen Lage in der Heimat keine Anstellung. Daher haben sich die Frauen bei der Stadt Schwäbisch Hall beworben, die mit der Anwerbung in Spanien dem Fachkräftemangel in den städtischen Kindertageseinrichtungen entgegenwirken will. Im Oktober 2020 sind 13 pä­da­go­gische Fachkräfte – zwei Männer und elf Frauen – in Schwäbisch Hall an­ge­kommen, zwei sogar mit ihren Familien.
 
Vormittags Praktikum in der Kita, nachmittags Sprachkurs im Goethe-Institut: So sieht der Arbeitsalltag der Spanier*innen jetzt aus. Denn das Beherrschen der deutschen Sprache ist die wichtigste Voraussetzung für die Eingliederung der spanischen Fachkräfte in den zwölf Kindertageseinrichtungen – und das drängendste Problem. Einen ersten Sprachkurs haben sie zuvor in Spanien absolviert, Corona-bedingt hauptsächlich zu Hause vor dem Computer. „Eine Sprache auf diese Weise zu lernen ist schwer“, sagt Segura. García nickt zustimmend und ergänzt: „Die Konzentration lässt am Computer schnell nach.“
 
Laura Jimenéz Segura ist in der Kita im Schwäbisch Haller Teilort Gailenkirchen eingesetzt. Laura Jimenéz Segura ist in der Kita im Schwäbisch Haller Teilort Gailenkirchen eingesetzt. | Foto (Ausschnitt): © Tanja Kurz Das ist im Kurs mit Carmen Förtsch, Sprachlehrerin am Haller Goethe-Institut, zum Glück anders. Die Klasse ist in einem großen Nebengebäude des Instituts mit eigenem Eingang untergebracht, so können Lehrerin und Schüler*innen die nötige Distanz wahren. An diesem Tag ist Mediennutzung früher und heute das Thema. Carmen Förtsch ermuntert, fragt nach, schreibt Vokabeln auf das Whiteboard. „Wir lernen nach Themeneinheiten“, erklärt die Sprachlehrerin, „die Vokabeln sind eingebettet in den Kontext.“ Anfangs reagieren ihre Schüler*innen zurückhaltend, doch nach und nach kommt das Gespräch in Fluss. Förtsch hat Verständnis: „Sie sind manchmal frustriert, weil sie nicht so viel verstehen oder sich nicht wie gewünscht ausdrücken können.“

Die deutsche Sprache lernen und vermitteln

Nicht alle hätten bereits das B1-Niveau erreicht, bedauert die Sprachlehrerin. B1 befähigt beispielsweise dazu, Hauptinformationen zu verstehen sowie sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen zu äußern. Ziel des Sprachkurses am Goethe-Institut ist jedoch das Sprachniveau B2. Wer diese Prüfung bestanden hat, kann komplexe Texte verstehen sowie sich spontan und fließend verständigen. „Erst wenn die pädagogischen Fachkräfte dieses Niveau erreicht haben, werden sie auf den Betreuungsschlüssel in der Kindertageseinrichtung angerechnet“, versichert Christoph Klenk, zuständiger Leiter des Fachbereichs Frühkindliche Bildung, Schulen und Sport. Sprachvermittlung ist schließlich eine zentrale Aufgabe in den Kitas.
 
Parallel durchlaufen die 13 Spanier*innen ein Anerkennungsverfahren durch das Regierungspräsidium Stuttgart, in dem ihr pädagogisches Fachwissen und die Arbeitserfahrung bewertet werden. „Verschiedene zusätzliche Qualifikationen müssen einige noch erbringen“, erklärt Monika Pietsch. Den Einstieg in das Projekt bewertet die städtische Ausbildungsleiterin dennoch positiv: „Bundesweit fehlen 250 000 bis 300 000 Fachkräfte im Bereich der Kitas, daher investiert die Stadt gerne und massiv in Sprachkurse.“
 
Laura Jimenéz Segura und Maria Prieto García, die wie die meisten Kolleg*innen im Goethe-Gästehaus leben, haben sich in Schwäbisch Hall kennengelernt und sind Freundinnen geworden. Begleitet werden sie beim Start in die neue Stadt übrigens von Tandempartner*innen, die das Goethe-Institut vermittelt hat. „Wir gehen gemeinsam spazieren und reden miteinander“, erzählt Maria. „Ich wurde sogar schon zum Essen eingeladen“, berichtet Segura. „Freundschaft ist wichtig“, sind sich die beiden einig: „Alleine wäre es sehr, sehr schwer.“
 

Autorin

Tanja Kurz ist freie Journalistin und arbeitete zuvor als Redakteurin bei den Stuttgarter Nachrichten und als Chefredakteurin des Haller Tagblatts.

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