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„Parasol“
Sommersehnsucht

Ayzit Bostans Installation „Parasol“ im Palais Galliera.
Ayzit Bostans Installation „Parasol“ im Palais Galliera. | Foto (Ausschnitt): © Fabian Frinzel

Die Künstlerin Ayzit Bostan stellte im Rahmen von „Munich Unique“ des Goethe-Instituts ihre Installation „Parasol“ in Paris vor. Zu den Gästen gehörten der Deutsche Botschafter Hans-Dieter Lucas und der Bürger­meister des XVI. Arrondissements Francis Szpiner.

Von Franz Paul Helms

Es ist ein regnerischer Tag im Juli in Paris. Die Gäste drängen sich unter das Vordach des Palais Galliera, um der Einweihung von Ayzit Bostans Installation „Parasol“ beizuwohnen. „Eine Ausstellung im Sommer wäre wohl besser gewesen“, scherzt der Bürgermeister des XVI. Arrondissements von Paris, Francis Szpiner, in seiner Eröffnungsrede.
 
Für ihre Installation ließ sich Bostan von verlassenen Strandschirmen am Ende einer Sommersaison inspirieren und holte diese kurzerhand vom Meer in den urbanen Raum. Eingelassen in einen Betonsockel sind die Schirme nun im Garten des imposanten Palais Galliera zu sehen. Wolkengleich spenden die vier ecrufarbenen Stoffschirme Schatten und schaffen einen Ruhepol inmitten des Pariser Großstadtgeschehens. „Für mich persönlich ist das eine Sommersehnsucht, die in den öffentlichen Raum transferiert ist“, sagt Bostan über ihr Werk.
 
Dass Bostans Kunstwerk nicht hinter Plexiglasscheiben oder dicken Museumswänden, sondern frei zugänglich als Installation im Garten des Palais Galliera steht, hat besonderen Symbolcharakter. Denn „Parasol“ schafft einen Übergang zwischen Geborgenheit und einer kürzlich wiedereroberten Öffentlichkeit. So wird das Werk zu einem Rückzugsort, der an die Unbeschwertheit warmer Sommertage erinnert und die Menschen dazu einlädt, sich niederzulassen und zu verweilen. „Bostans Werk schafft einen Austausch, der gerade in der Corona-Zeit so kostbar geworden ist“, so der Deutsche Botschafter Hans-Dieter Lucas.

Ayzit Bostans Installation „Parasol“ im Palais Galliera. Ayzit Bostans Installation „Parasol“ im Palais Galliera. | Foto (Ausschnitt): © Fabian Frinzel

An der Schnittstelle zwischen Design und Kunst

Eigentlich sollte die Installation schon vor zwei Jahren ihren Platz in Paris finden, doch durch die Pandemie musste die Eröffnung verschoben werden. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt endlich mit diesem großartigen Projekt starten konnten“, sagt Laura Sanchez Serrano vom Kulturreferat der Stadt München. „Das Projekt ‚Munich Unique‘ ermöglicht es, unsere Kulturszene einem internationalen Publikum zu präsentieren. Auf diese Weise können sich die Künstler*innen auch ein Netzwerk in Paris aufbauen.“ Dass so viele Besucher*innen dem Regen getrotzt haben, um der Eröffnung beizuwohnen, zeugt davon, dass dieser Versuch gelungen ist.
 
Dabei ist das Palais Galliera als Museum für Modegeschichte ein besonders passender Ort für Bostans Werk: „Wir haben uns natürlich besonders gefreut, die Arbeit einer Modedesignerin bei uns willkommen zu heißen“, bemerkt Miren Arzalluz, Leiterin des Palais Galliera. Denn als ausgebildete Damenschneiderin und Schnittdirectrice verorten sich Bostans Werke an der Schnittstelle zwischen Design und Kunst. Immer wieder intervenierte die Münchenerin auch im öffentlichen Raum: Zuletzt bespielte sie das Billboard des Kulturreferats am Lenbachplatz, 2012 präsentierte sie gemeinsam mit Gerhardt Kellermann die Installation „Replika“ im Hofgarten.
 
Auch wenn das Wetter heute noch nicht mitgespielt hat, „Parasol“ wird seinem Publikum noch einigen Schatten spenden können: Bis zum 29. August ist die Installation im Garten des Palais Galliera in Paris zu sehen. Danach kommt sie nach München.

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