Rückblick
Das Jahr 2023 bei Goethe
Am Ende des Jahres 2023 blicken wir auf die wichtigsten Veranstaltungen und Projekte zurück, die wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern verwirklichen konnten. Erinnern Sie sich mit uns an die Schwerpunkte, durch die wir die Kultur und die deutsche Sprache erlebt haben.
Von Goethe-Institut Bulgarien
KULTURPROGRAMM
“Present Past” ist der Titel eines Projektes, mit dem sich die Goethe-Institute in Südosteuropa 2023 und 2024 beschäftigen. Die Suche nach einer Nationalidentität ist oft verbunden mit Brüchen. Die Hörbarmachung der Brüche, die die Geschichte der Länder Südosteuropas auszeichnet, ist eine künstlerisch-experimentelle Auseinandersetzung mit der kulturellen Identität des Balkans. Sie ist eine Form von Erinnerungsarbeit, ohne die es keine Zukunft gibt. Im Auftrag des Goethe-Instituts Bulgarien haben zwei Komponisten, Peter Kerkelov und Chico Mello – einer, der im Osten und einer, der im Westen sozialisiert wurde – jeweils ein Stück komponiert, das sich mit der angeblich unverfälschten traditionellen Musik Bulgariens und den ererbten multikulturellen Einflüssen auseinandersetzt. Die Uraufführung fand im Dezember in der Nationalen Musikakademie Sofia statt. Teil des Projektes waren Vorträge und Masterclasses der Komponisten und der ukrainischen Solosängerin Victoriia Vitrenko.
Das Regionalprojekt New Stages Southeast hat im dritten Jahr erstmals in Kooperation mit dem Nationaltheater in Sofia zeitgenössische Theatertexte aus Südosteuropa auf der großen Bühne präsentiert und ein Forum geboten, um über aktuelle Themen wie Politik und Theater zu diskutieren. New Stages Southeast hat eine regelrechte Kettenreaktion ausgelöst. Das Projekt wurde in Oberhausen, in Berlin auf dem Theatertreffen und auf Theaterfestivals in Sibiu, Rumänien und in Kutná Hora bei Prag vorgestellt. Im nächsten Jahr wird es in Sofia mit einer deutsch-bulgarischen Koproduktion zwischen dem Nationaltheater Sofia und dem Theater Oberhausen fortgesetzt.
Festivalkooperationen
Mitdem Gastspiel “Extinction Room (Hopeless)” von Sergiu Matis, das im Rahmen der 16. Ausgabe des Festivals Antistatic präsentiert wurde, ist das Artensterben emotional erfahrbar gemacht worden. ACT Festival für freies Theater fand 2023 zum 13. Mal statt und ist ebenfalls ein langjähriger Partner des Goethe-Instituts. Neben Gastauftritten freier Gruppen aus Berlin stand auch dieses Jahr wieder ein Treffen des Netzwerks Bridging the Scenes im Goethe-Institut auf dem Programm, bei dem sich die freien Szenen aus Sofia, Berlin, Prag und Kopenhagen/Arhus über Produktionsbedingungen austauschten.
Die dritte Ausgabe des vom Goethe-Institut mitgegründeten Filmfestivals „Rhodope International Documentary Filmfest“ (RIFE) in den Rhodopen für Dokumentarfilme aus Bulgarien, Griechenland und der Türkei hat sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Dokumentarfilmfestivals in Bulgarien gemausert. In diesem Jahr standen Filme zu ökologischen Themen im Fokus. Zum Sofia International Film Fest kam Volker Schlöndorff mit seinem neuen Film „Der Waldmacher“. Und zu dem auf Dokumentarfilme über Kunst spezialisierten Festival „Master of Art“ haben wir die Künstlerin Nathalie David mit einer Auswahl ihrer Filme und als Jurymitglied eingeladen.
Die Expertise, die das Goethe-Institut Bulgarien durch das zweijährige Regionalprojekt „Media Incubator“ bei der Bewusstmachung antiziganistischer Diskriminierung gewonnen hat, sind in die Produktion einer internationalen Filmreihe mit neuen Spiel- und Dokumentarfilmen zum Thema eingeflossen. Die Filmreihe wurde im Auftrag der Zentren für kulturellen Bildung in Deutschland und in Kooperation mit der Forschungsstelle für Antiziganismus an der Universität Heidelberg konzipiert. Sie wird in 5 Städten in Deutschland und in Bulgarien gezeigt und von einem Bildungsprogramm begleitet.
Die Galerie des Goethe-Instituts Bulgarien ist einer der etablierten und anerkannten Orte für zeitgenössische Kunst in Sofia. Auch 2023 war wieder ein vielseitiges Ausstellungsprogramm geboten, das jungen noch nicht etablierten bulgarischen Künstler*innen die Chance bot, sich mit einer Ausstellung zu präsentieren. Die letzte Ausstellung im Jahr war Joachim Schmid gewidmet, einem deutschen Künstler, der mit seinem Konzept der sogenannten Lumpenfotografie bekannt geworden ist. Er stellte erstmals in Bulgarien aus und leitete einen Workshop. Die Auseinandersetzung mit Reportage-Fotografie haben wir mit der ifa-Ausstellung „Barbara Klemm. Helldunkel. Fotografien aus Deutschland“ in der Städtischen Galerie fortgesetzt.
BIBLIOTHEK
Die Bibliothek des Goethe-Instituts war auch im vergangenen Jahr wieder ein Ort der Debatten über philosophische Themen. Die “Philosophischen Abende”, die das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Verlag “Kritik und Humanismus” veranstaltet, haben sich mit dem Werk von Michel Foucault, Franz Kafka, Thomas Bernhard und Georges Perec beschäftigt.Literatur und Leseförderung ist ein weiteres Arbeitsfeld. Die Bibliothek unterstützt kleine und unabhängige Verlage, indem sie Workshops zu Themen wie digitales Marketing anbietet. Mit dem Leseclub “Junge Bookaholics” will die Bibliothek Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren zum Lesen animieren und in Kooperation mit der Germanistikfakultät der Universität Sofia veranstaltet sie den Lesekreis „Literaturwelten“, in dem Bücher in Deutsch gelesen und besprochen werden.
Die Bibliothek ist ein inklusiver Ort. Sie ist eine der wenigen Bibliotheken in Bulgarien, die mit Lesegeräten für Sehbehinderte ausgestattet ist. In Zusammenarbeit mit der Stiftung „Sinergia“ organisiert sie die Veranstaltungsreihe „Unsichtbare Poesie“, Architektur-Workshops und taktile Spaziergänge speziell für sehbehinderte Menschen.
DEUTSCHKURSE
Das Jahr 2023 ermöglichte der Sprachabteilung des Goethe-Instituts erstmals seit vier Jahren die Durchführung eines vielseitigen Programms für alle seine Zielgruppen im analogen Format.Im Februar/März konnte die zentrale Ausstellung „Universum Mensch Intelligenz“, die in Zusammenarbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft konzipiert wurde, in den Räumlichkeiten des Goethe-Instituts innerhalb von zwei Wochen ca. 1.000 Deutsch lernenden Schüler*innen in handlungsorientierter Didaktisierung präsentiert werden. Die Auftaktveranstaltung mit der Keynote von Professor Sami Solanki, Direktor der Abteilung für Sonnen- und Heliosphärenforschung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen, zog neben Schülern und Lehrern zahlreiche Studierende und Dozenten naturwissenschaftlicher Fachrichtungen an.
Im April folgte der jährliche „Deutschlehrertag“ des bulgarischen Verbandes der Deutschlehrenden. Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der deutschen Botschaft und wurde daher in besonderem Maße auch vom Goethe-Institut Bulgarien inhaltlich mit der Einladung der Referentin Barbara Bresslau aus Prag zum Thema des Prüfens und Evaluierens im Unterricht Deutsch als Fremdsprache unterstützt.
Darüber hinaus wurde während des ersten Halbjahres der landesweite Theaterwettbewerb für Deutschlernende reaktiviert. Das Finale konnte Anfang Mai in Zusammenarbeit mit der Schulbehörde, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und der Deutschen Botschaft in Kardzhali ausgetragen werden. Hierzu wurden zehn Schulen, die jeweils ca. 20-minütige Interpretationen zum Thema Künstliche Intelligenz im Unterricht aufführten, ausgewählt.
Im Oktober machte die Musikgruppe ok.danke.tschüss im Rahmen der von Goethe-Institut und Deutscher Welle organisierten Südosteuropa-Tournee Station in Sofia und Russe, wo sich die beiden bulgarischen PASCH-Schulen befinden. Den zwei Konzerten, die von jeweils 250-300 Schülern und Schülerinnen besucht wurden, gingen Workshops der Band mit Deutschlernenden an den beiden Standorten voraus. Das Projekt der Band mit Liedtexten auf den Niveaustufen A2/B1 ermöglichte den Lernenden auf vergnügliche Weise einen immersiven Einstieg in ausgewählte syntaktische Strukturen und Wortfelder der deutschen Sprache außerhalb ihres Unterrichtsalltags.
In Ergänzung zu den oben genannten Veranstaltungen für externe Partner des Goethe-Instituts wurde auch internen Kursteilnehmern, vor allem jungen Lernenden, ein extracurriculares Angebot unterbreitet: So fanden am 01. Juni zahlreiche Aktivitäten für Kinder auf dem Hof und in der Bibliothek des Goethe-Instituts in Sofia statt. Der Laternenumzug mit ca. 30 bis 40 Kindern am 10. November mit vorbereitenden Bastelworkshops gehört mittlerweile zum festen Bestandteil der Veranstaltungen der Sprachabteilung ebenso wie diverse landeskundliche Workshops in der Vorweihnachtszeit.