Von der Universität ins Klassenzimmer

Empfehlungen zur Deutschlehrerausbildung in Bulgarien Foto: © Bernhard Ludewig

Empfehlungen zur Deutschlehrerausbildung in Bulgarien im Rahmen der Bildungskonferenz des Goethe-Instituts (05./06.12.2018)

Am 05.-06.12.2018 fand auf Einladung des Goethe-Instituts Bulgarien in Sofia die Konferenz „Neue Perspektiven der universitären Deutschlehrerausbildung in Bulgarien“ statt. Schwerpunkte der Plenarreferate waren u.a.:

  • Kompetenzen von Lehrkräften und Begleitlehrkräften im schulischen Fremdsprachenunterricht
  • praxisorientierte innovative Modelle für die Deutschlehrerausbildung am Beispiel des Programms „Deutsch lehren lernen“ (DLL) des Goethe-Instituts sowie „Dhoch3“ des DAAD
  • Modelle zur Integration von praxisorientierten Phasen in die Deutschlehrerausbildung (Hospitationsprogramm, Referendariat)
  • das Europäische Profilraster für Sprachlehrende (EPG)
Als Ergebnis der Fachdiskussionen der Konferenz möchten das Goethe-Institut und seine Partner folgende Empfehlungen an bildungspolitische Entscheidungsträger in Bulgarien richten:

 

Die Deutschlehrerausbildung an bulgarischen Universitäten sollte bereits in einem frühen Stadium des Studiums auf die didaktischen und pädagogischen Herausforderungen an den Schulen im Primar- und Sekundarbereich vorbereiten. Durch die Verzahnung von praxisorientierten Modulen des Programms „Deutsch lehren lernen“ mit einem ins Studium integrierten innovativen Hospitationsprogramm (Praxissemester) an Ausbildungsschulen sollten die Studierenden einen Einblick ins schulische Klassenzimmer erhalten und theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen verbinden. Die Reflexion der Erfahrungen im Praxissemester steht in direkter Verbindung zur Weiterentwicklung der Lehre an der Universität.

Die Universitäten sollten ein Akkreditierungsverfahren entwickeln, das das angebotene Hospitationsprogramm als curricularen Bestandteil des Bachelor-Studiums Germanistik anerkennt.

Die Professionalität von Lehrenden bildet sich nicht über die Ansammlung von Wissen heraus, entscheidend ist die Entwicklung einer Lehrerpersönlichkeit, die mit ihren Fähigkeiten den Unterrichtsalltag erfolgreich bewältigen kann. Institutionen, die mit der Ausbildung von Fremdsprachenlehrern beauftragt sind, sollten also versuchen, auf den verschiedenen Tätigkeitsfeldern des Fremdsprachenunterrichts umfassende Kompetenzen auszubilden.

Die zentralen Kompetenzen von Sprachlehrenden sind im Europäischen Profilraster (EPR) dargestellt, dieses innovative Instrument sollte die Grundlage zur Festlegung von kompetenz- und berufsorientierten Ausbildungszielen bilden und die professionelle Weiterentwicklung von Lehrkräften begleiten. Berücksichtigt werden sollten auch Selbstkompetenzen und Beziehungskompetenzen der Lehrkräfte.

Als wichtiges Bildungsziel für die nächsten Jahre gilt, den Lehrberuf zu einer attraktiven Karriereoption zu machen. Ein qualitativ hochwertiger Fremdsprachenunterricht basiert wesentlich auf gut aus- und fortgebildeten Lehrkräften. Daher sollte die Ausbildung von Lehrkräften für den Fremdsprachenunterricht den Prinzipien Kompetenzorientierung und Berufsorientierung folgen. Die Erlangung der Kompetenzen wie im EPR dargestellt, sollte die Grundlage für die Lehrplanentwicklung in der Lehrerausbildung darstellen.

Möglichst von Anfang an sind fachwissenschaftliche Inhalte mit Fachdidaktik und Unterrichtspraxis zu verbinden, die Förderung der Reflexionsfähigkeit und der Selbstkompetenz sind als zentrale Bestandteile des Ausbildungskonzepts anzusehen. Damit Unterrichten im Spannungsfeld von fachdidaktischer Theorie, Erfahrungswissen, begleitetem Unterrichten und Reflexion von Unterricht erlernt wird, ist es erforderlich, bereits auf curricularer Ebene das Zusammenspiel und die Arbeitsbereiche der beteiligten Akteure abzustecken (Universitäten, Bildungsministerium, Schulbehörde, Ausbildungsschulen).

Ein modernes Curriculum für die Deutschlehrerausbildung sollte es ermöglichen, dass die Praxisorientierung möglichst früh einsetzt.

Um einen lern-, handlungs-, kompetenz- und kommunikationsorientierten Fremdsprachenunterricht an bulgarischen Schulen zu fördern, sollte das innovative und praxisorientierte Programm „Deutsch lehren lernen“ im Lehrplan im Bereich Methodik des Fremdsprachenunterrichts integriert werden.
 
Es bedarf einer Schnittstelle zwischen Universität und Schule, die Mentoringprogramme entwickelt und betreut und die die Berufsanfänger mindestens ein Jahr lang unterstützt und begleitet. Das Goethe-Institut bringt sich dabei als Experte und Berater beim Aufbau eines Qualifizierungsprogramms für Mentoren und Ausbilder ein.

Wir würden uns freuen, wenn Sie als Deutschlehrkraft an Ihrer Schule diese Praxisorientierung junger Studierender unterstützen und als Mentor/in und Ausbildungslehrer/in für angehende Deutschlehrer zur Verfügung stehen. Bei Interesse an einer Fortbildung zum/zur Ausbildungslehrer/in sowie weiteren Anregungen und Ideen wenden Sie sich gerne an das Goethe-Institut: bildung-sofia@goethe.de
 

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