Heilpflanzen im Todesstreifen
Ausstellung|Sven Johne
-
Goethe-Institut Bulgarien, Sofia
Das Goethe-Institut Bulgarien präsentiert die Ausstellung „Heilpflanzen in der Todeszone“ von Sven Johne. Der deutsche Künstler ist zum ersten Mal in Bulgarien zu Gast, um zwei seiner Serien, sowie eine kleinere Arbeit vorzustellen, in denen er sein Interesse für Erinnerung und die Problematisierung von Geschichte vertieft.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen dokumentarischen und konzeptuellen Ansatz aus. Sven Johne verflicht historische Recherche und fiktionale Erzählungen und beschäftigt sich mit postsozialistischen Biografien. Er untersucht Aspekte der Gegenwart und Vergangenheit Ostdeutschlands, das Gefühl politischer Ohnmacht und die allgemeine Sehnsucht nach Veränderung. Sein Interesse gilt den „Fußnoten der Weltgeschichte“.
„Heilpflanzen im Todestreifen“ (2022):
Sven Johne wurde in einer Familie geboren, in der es mehrere Generationen von Soldaten gab: „Unter dem Kaiser, unter Hitler, in der DDR. Meine Urgroßväter und ihre Väter. Meine Großväter, alle Onkel, mein Vater.“ Der Stiefvater des Künstlers war keine Ausnahme – er war Berufssoldat, Kompaniechef und Freiwilliger an der deutsch-deutschen Grenze. Eine Tatsache, die ihre Beziehung lange Zeit von Vorwürfen und Rechtfertigungen geprägt hat.
Um diesen Faden seiner eigenen Geschichte zu erforschen, begibt sich der Künstler im Sommer 2021 auf eine Wanderung entlang der 1400 Kilometer langen ehemaligen innerdeutschen Grenze – von Bayern bis Mecklenburg, wo sein Stiefvater stationiert war. Er nimmt seine Kinder und deren Freunde mit. „Für meine Kinder war es 2021 schwer vorstellbar, dass das Land einst geteilt war, dass hier Mauern, Zäune, Wachtürme, Suchscheinwerfer, Selbstschussanlagen, Hundezwinger und Minenfelder existierten. Dass hier 601 Unglückliche starben. Es war für sie schwer vorstellbar, dass hier Soldaten mit Schießbefehl patrouillierten. Und dass einer von denen ihr Großvater war, weil: Opa ist doch so lieb.“
Die ehemalige Grenze zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO, zwischen dem Ostblock und dem Westen, ist heute Teil des Europäischen Grünen Bandes und viele Kilometer davon sind Naturschutzgebiet. Der ehemalige Todesstreifen ist eine verheilte (und vernarbte) Wunde.
„Während wir hier also wandern, dachte ich, erlebt die Welt eine Renaissance der Grenze – sie ist eine paradoxe Begleiterscheinung der „entgrenzten“ Globalisierung. Ich dachte: Diese Wanderung bleibt eine Utopie.“
„White Storm (Grandpa tells a story)“ (2021):
Im Winter 1978/79 wurden der Norden und Osten der DDR von einer schweren Schneekatastrophe heimgesucht. Wochenlang waren ländlichen Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten, darunter auch Johnes Heimatort, die Ostseeinsel Rügen. Die Versorgung erfolgte per Luftbrücke. Heute geht man davon aus, dass mehrere hundert Menschen ums Leben kamen. „Der Winter 1978/79 und der Kampf gegen Kälte und Schneemassen – vor allem geführt vom Militär – hat sich tief in das kollektive Gedächtnis Ostdeutschlands eingebrannt, auch in unser familiäres Gedächtnis.“
Der Künstler verwendet Fotos größtenteils aus öffentlichen und privaten Archiven sowie aus dem persönlichen Familienalbum, um sein Werk zu schaffen. Gleichzeitig erzählt er eine Geschichte von Heldentum, Ausdauer und Männlichkeit. Ähnliche Konzepte und Narrative, die bis vor kurzem noch als überholt galten, kehren heute mit voller Kraft in den allgemeinen Sprachgebrauch zurück. „Diese Arbeit schaut also nur scheinbar zurück in das Jahr 1978. Vielmehr ist sie ein Blick in eine ganz nahe Zukunft.“
„Regenbogen“ (2025):
Erstmals zu sehen ist die kleine Foto-Text-Arbeit „Regenbogen“ (2025). Sie zeigt in sieben Detailaufnahmen die Tür eines Berliner Luftschutzkellers. Überlieferungen zufolge trugen hier zwei Frau jede Bombennacht und jeden Luftalarm zwischen 1941 und 1945 ein. Johne kommentiert in einem kleinen Text dieses Artefakt und setzt es in Beziehung zu heutigen Bedrohungs-szenarien.
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SVEN JOHNE, geboren 1976 in Bergen auf Rügen, DDR, ist ein Künstler, der mit Fotografie, Film und Text arbeitet. Zwischen 1996-1998 studierte er Germanistik, Journalistik und Namensforschung an der Universität Leipzig, dann begann er sein Studium im Bereich Medienkunst und Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Seit 2004 arbeitet er mit Foto-Text-Arbeiten, Kurzfilmen, Videoinstallationen, Künstlerbüchern und Artistic Research. 2006 wurde er zum Meisterschüler ernannt.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen dokumentarischen und konzeptuellen Ansatz aus. Sven Johne verschränkt historische Recherche und fiktionale Erzählungen und beschäftigt sich mit postsozialistischen Biografien. Er untersucht Aspekte der Gegenwart und Vergangenheit Ostdeutschlands, das Gefühl politischer Ohnmacht und die allgemeine Sehnsucht nach Veränderung; sein Interesse gilt den „Fußnoten der Weltgeschichte“ (Johne). Seine Arbeiten sind in nationalen und internationalen Sammlungen vertreten und wurden weltweit ausgestellt. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Die Ausstellung im Goethe-Institut Bulgarien präsentiert zwei seiner neueren Serien, die seine grundlegenden Interessen für das Gedächtnis und die Problematisierung der Geschichte vertiefen: „White Storm (Grandpa tells a story)“ und „Heilpflanzen im Todestreifen“.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen dokumentarischen und konzeptuellen Ansatz aus. Sven Johne verflicht historische Recherche und fiktionale Erzählungen und beschäftigt sich mit postsozialistischen Biografien. Er untersucht Aspekte der Gegenwart und Vergangenheit Ostdeutschlands, das Gefühl politischer Ohnmacht und die allgemeine Sehnsucht nach Veränderung. Sein Interesse gilt den „Fußnoten der Weltgeschichte“.
„Heilpflanzen im Todestreifen“ (2022):
Sven Johne wurde in einer Familie geboren, in der es mehrere Generationen von Soldaten gab: „Unter dem Kaiser, unter Hitler, in der DDR. Meine Urgroßväter und ihre Väter. Meine Großväter, alle Onkel, mein Vater.“ Der Stiefvater des Künstlers war keine Ausnahme – er war Berufssoldat, Kompaniechef und Freiwilliger an der deutsch-deutschen Grenze. Eine Tatsache, die ihre Beziehung lange Zeit von Vorwürfen und Rechtfertigungen geprägt hat.
Um diesen Faden seiner eigenen Geschichte zu erforschen, begibt sich der Künstler im Sommer 2021 auf eine Wanderung entlang der 1400 Kilometer langen ehemaligen innerdeutschen Grenze – von Bayern bis Mecklenburg, wo sein Stiefvater stationiert war. Er nimmt seine Kinder und deren Freunde mit. „Für meine Kinder war es 2021 schwer vorstellbar, dass das Land einst geteilt war, dass hier Mauern, Zäune, Wachtürme, Suchscheinwerfer, Selbstschussanlagen, Hundezwinger und Minenfelder existierten. Dass hier 601 Unglückliche starben. Es war für sie schwer vorstellbar, dass hier Soldaten mit Schießbefehl patrouillierten. Und dass einer von denen ihr Großvater war, weil: Opa ist doch so lieb.“
Die ehemalige Grenze zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO, zwischen dem Ostblock und dem Westen, ist heute Teil des Europäischen Grünen Bandes und viele Kilometer davon sind Naturschutzgebiet. Der ehemalige Todesstreifen ist eine verheilte (und vernarbte) Wunde.
„Während wir hier also wandern, dachte ich, erlebt die Welt eine Renaissance der Grenze – sie ist eine paradoxe Begleiterscheinung der „entgrenzten“ Globalisierung. Ich dachte: Diese Wanderung bleibt eine Utopie.“
„White Storm (Grandpa tells a story)“ (2021):
Im Winter 1978/79 wurden der Norden und Osten der DDR von einer schweren Schneekatastrophe heimgesucht. Wochenlang waren ländlichen Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten, darunter auch Johnes Heimatort, die Ostseeinsel Rügen. Die Versorgung erfolgte per Luftbrücke. Heute geht man davon aus, dass mehrere hundert Menschen ums Leben kamen. „Der Winter 1978/79 und der Kampf gegen Kälte und Schneemassen – vor allem geführt vom Militär – hat sich tief in das kollektive Gedächtnis Ostdeutschlands eingebrannt, auch in unser familiäres Gedächtnis.“
Der Künstler verwendet Fotos größtenteils aus öffentlichen und privaten Archiven sowie aus dem persönlichen Familienalbum, um sein Werk zu schaffen. Gleichzeitig erzählt er eine Geschichte von Heldentum, Ausdauer und Männlichkeit. Ähnliche Konzepte und Narrative, die bis vor kurzem noch als überholt galten, kehren heute mit voller Kraft in den allgemeinen Sprachgebrauch zurück. „Diese Arbeit schaut also nur scheinbar zurück in das Jahr 1978. Vielmehr ist sie ein Blick in eine ganz nahe Zukunft.“
„Regenbogen“ (2025):
Erstmals zu sehen ist die kleine Foto-Text-Arbeit „Regenbogen“ (2025). Sie zeigt in sieben Detailaufnahmen die Tür eines Berliner Luftschutzkellers. Überlieferungen zufolge trugen hier zwei Frau jede Bombennacht und jeden Luftalarm zwischen 1941 und 1945 ein. Johne kommentiert in einem kleinen Text dieses Artefakt und setzt es in Beziehung zu heutigen Bedrohungs-szenarien.
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SVEN JOHNE, geboren 1976 in Bergen auf Rügen, DDR, ist ein Künstler, der mit Fotografie, Film und Text arbeitet. Zwischen 1996-1998 studierte er Germanistik, Journalistik und Namensforschung an der Universität Leipzig, dann begann er sein Studium im Bereich Medienkunst und Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Seit 2004 arbeitet er mit Foto-Text-Arbeiten, Kurzfilmen, Videoinstallationen, Künstlerbüchern und Artistic Research. 2006 wurde er zum Meisterschüler ernannt.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen dokumentarischen und konzeptuellen Ansatz aus. Sven Johne verschränkt historische Recherche und fiktionale Erzählungen und beschäftigt sich mit postsozialistischen Biografien. Er untersucht Aspekte der Gegenwart und Vergangenheit Ostdeutschlands, das Gefühl politischer Ohnmacht und die allgemeine Sehnsucht nach Veränderung; sein Interesse gilt den „Fußnoten der Weltgeschichte“ (Johne). Seine Arbeiten sind in nationalen und internationalen Sammlungen vertreten und wurden weltweit ausgestellt. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Die Ausstellung im Goethe-Institut Bulgarien präsentiert zwei seiner neueren Serien, die seine grundlegenden Interessen für das Gedächtnis und die Problematisierung der Geschichte vertiefen: „White Storm (Grandpa tells a story)“ und „Heilpflanzen im Todestreifen“.
Ort
Goethe-Institut Bulgarien
Budapesta Str. 1
1000 Sofia
Bulgarien
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