rück:blick 2014 mit Helmut Böttiger und Lutz Seiler

Helmut Böttiger und Lutz Seiler
Helmut Böttiger und Lutz Seiler | Foto: © Goethe-Institut/Martin Mařák

Der renommierte deutsche Literaturkritiker Helmut Böttiger blickt auf das Literaturjahr 2014 zurück und empfiehlt herausragende Romane. Mit Lutz Seiler, dem Autor, der aus seiner Sicht das wichtigste Buch des Jahres geschrieben hat, war er kürzlich im Goethe-Institut in Prag. 

Helmut Böttiger (geb. 1956) war als Literaturredakteur unter anderem bei der Frankfurter Rundschau tätig. Er lebt als freier Autor und Kritiker in Berlin. 2012 erhielt er den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, 2013 den Preis der Leipziger Buchmesse für sein Buch „Die Gruppe 47. Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb“. Weitere Veröffentlichungen: „Nach den Utopien: Eine Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ (2004) und „Wie man Gedichte und Landschaften liest: Celan am Meer“ (2006). 

Kruso, der erste, lang erwartete Roman von Lutz Seiler, schlägt einen Bogen vom Sommer 89 bis in die Gegenwart. Edgar Bendler muss sein bisheriges Leben verlassen und wird Abwäscher auf Hiddensee, jener legendenumwogten Insel, die, wie es heißt, schon außerhalb der Zeit und „jenseits der Nachrichten“ liegt. Ed lernt Alexander Krusowitsch kennen – Kruso. Eine schwierige, zärtliche Freundschaft beginnt. Von Kruso, dem Meister und Inselpaten, wird Ed eingeweiht in die Rituale der Saisonarbeiter auf Hiddensee und die Gesetze ihrer Nächte, in denen Ed seine sexuelle Initiation erlebt. Geheimer Motor dieser Gemeinschaft ist Krusos Utopie, die verspricht, jeden Schiffbrüchigen des Landes (und des Lebens) in drei Nächten zu den Wurzeln der Freiheit zu führen. Doch der Herbst 1989 erschüttert die Insel Hiddensee. Am Ende steht ein Kampf auf Leben und Tod – und ein Versprechen.

Helmut Böttiger über den Roman Kruso: „Seiler fragt in seinem Roman nach den Möglichkeiten, individuelle Freiheit unter gesellschaftlichen Zwängen zu erproben. Aber er ist vor allem auch ein literarisches Wagnis, das die politisch-realistischen in unerhörter Weise mit surrealen und grotesken Welten verbindet und dies zu einer ganz eigenen ästhetischen Einheit führt.“

Lutz Seiler, (geb. 1963) lebt in Wilhelmshorst und Stockholm. Seit 1997 leitet er das Literaturprogramm im Peter-Huchel-Haus. Lutz Seiler zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. Für sein Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, dem Bremer Literaturpreis, dem Fontane-Preis und dem Uwe-Johnson-Preis. Für Kruso (Suhrkamp 2014) erhielt er den Deutschen Buchpreis 2014. Weitere Veröffentlichungen: im felderlatein. Gedichte (2010), Die Zeitwaage. Erzählungen (2009). Turksib. Zwei Erzählungen (2008), vierzig kilometer nacht. Gedichte (2003).