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100 Jahre Bauhaus
Ein Architekt, dessen Entwürfe nie verwirklicht wurden

Wenzel Hablik: Entwurf für einen Festsaal, 1924 (Ausschnitt)
Wenzel Hablik: Entwurf für einen Festsaal, 1924 (Ausschnitt) | Foto Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Der in Most (Brüx) geborene Wenzel Hablik realisierte nicht einen einzigen Bau, dennoch gilt er als bedeutendster Böhme, der an der Formung der legendären Architektur- und Designschule Bauhaus beteiligt war.
 

Von Martin Krsek

Die progressivsten Bauten in den grenznahen und deutschsprachigen Gegenden Böhmens planten Architekten aus dem Inland, deutsch- und tschechischsprachige. Die lokalen Gestalter waren bis auf wenige Ausnahmen konservativen Auffassungen verschrieben, den progressiven Höhepunkt stellte der Expressionismus dar. Richten wir den Blick auf einen von ihnen, der durchaus als Träger des Fortschritts in der Architektur gelten kann.

Eine kristallklare Utopie

Wenzel August Hablik (1881-1934) war ein visionärer Architekt, Maler, Grafiker und Designer. Auf seinem Reißbrett entstanden kristallene Burgen und Türme und gar fliegende Wohnmaschinen. Die fantastischen Entwürfe verbanden Utopie mit revolutionären Konstruktionsideen. Inspiriert waren sie von der Kristallstruktur; Kristalle begann Hablik unter Einfluss des expressionistischen Dichters und Philosophen Paul Scheerbart bereits während seines Studiums im Erzgebirge zu sammeln. Der Kristall wurde auch zum Leitmotiv der Berliner avantgardistischen Künstlergruppe „Die Gläserne Kette“, an der Hablik ab 1919 aktiv beteiligt war. Mit seinen fesselnden utopischen Entwürfen beeinflusste er weitere Angehörige der Gruppe, einschließlich der später weltbekannten Architekten Bruno Taut, Walter Gropius und Hans Scharoun. Walter Gropius schätze Habilk so sehr, dass er ihn 1919 zur „Ausstellung für unbekannte Architekten“ in Weimar, Berlin und Magdeburg einlud.

Ein unberechtigt vergessener „Eigenbrötler“

Ursprünglich jedoch war Wenzel Hablik Porzellanmaler in der Brüxer Keramikfabrik. In die Architektur schnupperte er erstmals als Zeichner eines Brüxer Architekturbüros hinein. Bereits als Student zeigte er ein unermessliches Talent und kam so dank eines dreijährigen Stipendiums von der Fachschule für keramische Industrie in Teplice (Teplitz-Schönau) an die Wiener Kunstgewerbeschule. Dort etablierte er sich als Möbeldesigner für die berühmte Wiener Werkstatt von Hugo Schmidt. Nach seiner Rückkehr nach Böhmen setzte er sein Studium an der Prager Akademie der Bildenden Künste fort, und zwar unter Leitung von Franz Thiel, einem Pädagogen, der eine ganze Reihe bedeutender Künstler der Böhmischen Avantgarde unterrichtet hatte. Im Jahre 1908 nahm er eine Einladung des Fabrikanten Richard Biel ins Itzehoe an – und blieb dort dauerhaft; bis heute hat er bspw. sein eigenes Museum.
 
Wegen seiner utopischen Kristallvisionen nahm ihn seine Umgebung als Eigenbrötler wahr, heute aber gilt Wenzel Hablik weltweit als einer der bedeutendsten bildenden Künstler aus Böhmen. In seiner Heimat ist er leider weitestgehend vergessen.
 
  • Wenzel Hablik und seine Frau Elisabeth. Um 1930. © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe
    Wenzel Hablik und seine Frau Elisabeth. Um 1930.
  • Wenzel Hablik: Architektonische Utopie. © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe
    Wenzel Hablik: Architektonische Utopie.
  • Wenzel Hablik: Kristalle im Meer, 1914, Nationalgalerie in Prag. © damian entwistle (CC BY-NC 2.0)
    Wenzel Hablik: Kristalle im Meer, 1914, Nationalgalerie in Prag.
  • Wenzel Hablik: Grosse bunte utopische Bauten Foto: Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe
    Wenzel Hablik: Grosse bunte utopische Bauten
  • Ein Bild von Wenzel Hablik. Foto: gemeinfrei
    Ein Bild von Wenzel Hablik.

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