Bodenlos
Heike Weber

Mit roten Linien verwandelt Heike Weber den Boden der Cafeteria des Goethe-Instituts Prag in eine scheinbar bewegte Landschaft. Die 2012 entstandene Installation verändert unsere Wahrnehmung des Raumes: Aus einer einfachen Bodenfläche wird ein dynamisches Gefüge aus Linien, Wellen und immer neuen geometrischen Formen.

Heike Weber, Bodenlos. 2012, Pigmentmarker auf PU-Gußboden © Tomáš Souček

Über das Kunstwerk

Mit Bodenlos hat Heike Weber den Fußboden der Cafeteria des Goethe-Instituts Prag in eine begehbare Zeichnung verwandelt. Die Installation besteht ausschließlich aus roten Linien, die die Künstlerin direkt auf den weißen Polyurethanboden aufgetragen hat. Ausgehend von den Kanten des Raumes reagieren die konzentrischen Linien auf Ecken, Stützen und andere architektonische Elemente. Zur Mitte hin verdichten sie sich und bilden immer stärkere Wellen. Dort, wo die Linien aufeinandertreffen, entstehen geometrische Formen, die sich der vollständigen Kontrolle entziehen.

Die Zeichnung bleibt an die Bodenfläche gebunden und entwickelt dennoch eine starke räumliche Wirkung: Der Boden scheint sich zu heben, zu bewegen oder seine Tiefe zu verändern. Die Installation macht damit die Architektur selbst zum Teil des Kunstwerks. Zugleich entsteht ein lebendiges Wechselspiel mit den Menschen, die den Raum nutzen und durch ihre Bewegung zusätzliche Dynamik und Farbe in die Cafeteria bringen.

Für Bodenlos verwendete Weber Pigmentmarker und zeichnete die Linien direkt auf einen drei Millimeter starken, weißen Gussboden aus Polyurethan (PUR). Erstmals realisierte sie damit eine dauerhafte Bodenarbeit. Eine transparente PUR-Beschichtung und eine abschließende Versiegelung schützen die Zeichnung vor Abnutzung. Die verwendeten Materialien mussten besonders UV-beständig sein und sich zugleich schnell verarbeiten lassen.
 

Cafeteria des Goethe-Instituts mit der Installation "Bodenlos" von Heike Weber.

Cafeteria des Goethe-Instituts mit der Installation "Bodenlos" von Heike Weber. | © Pavlína Jáchimová / Goethe-Institut

Über die Künstlerin

Heike Weber, geboren 1962 in Siegen, lebt und arbeitet in Köln. Nach ihrem Studium des Grafik-Designs an der FH Aachen (1981–1986) entwickelte sie eine künstlerische Praxis, in der Zeichnung, Raum und Architektur eng miteinander verbunden sind. Ihre Arbeiten entstehen häufig direkt auf Böden, Wänden oder anderen architektonischen Flächen und verändern dadurch die Wahrnehmung bestehender Räume.

Ein zentrales Element ihrer Arbeit ist die Linie. Aus ihrer scheinbaren Einfachheit entwickelt Weber komplexe Strukturen, die Räume optisch verändern, Bewegung suggerieren und die Grenzen zwischen Zeichnung und Installation auflösen. Neben temporären Arbeiten für Museen und Ausstellungsräume realisiert sie zahlreiche dauerhafte Interventionen im öffentlichen und institutionellen Raum.

Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Museum Villa Zanders, im Kunstmuseum Bonn, im Wilhelm Lehmbruck Museum, in der Kunsthalle Wien und im Rheinischen Landesmuseum Bonn präsentiert. Internationale Arbeits- und Artist-in-Residence-Aufenthalte führten sie unter anderem nach Glasgow, Seoul, Marfa (Texas), Olevano Romano und London. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, darunter 2020 den Luise-Straus-Preis des LVR und 2021 den Kunstpreis cityARTist des Kultursekretariats NRW.

Ein wichtiger Teil ihres Schaffens ist die Kunst am Bau. In diesem Rahmen realisierte sie unter anderem Arbeiten für öffentliche Institutionen, Kliniken, Bürogebäude und Bildungseinrichtungen in Deutschland sowie in Taipeh und New York. Seit vielen Jahren arbeitet sie dabei auch mit dem Künstler Walter Eul zusammen.

Panoramablick auf die Cafeteria des Goethe-Instituts mit der Installation Bodenlos.

Panoramablick auf die Cafeteria des Goethe-Instituts mit der Installation Bodenlos. | © Tomas Gerber / Goethe-Institut

Zum Kontext

Die Arbeit entstand 2012 im Rahmen der Gruppenausstellung Drinnen und Draußen. Neben Heike Weber realisierten fünf weitere deutsche Künstlerinnen und Künstler – Michael Jäger, Antje Schiffers, Thomas Sprenger, Julia Schmidt und Sascha Weidner – Werke, die sich mit dem Gebäude des Goethe-Instituts und der Stadt Prag auseinandersetzten.

Von den im Rahmen der Ausstellung entstandenen Arbeiten ist Bodenlos die einzige, die dauerhaft im Goethe-Institut erhalten geblieben ist.

Kontakt & Informationen

Haben Sie Fragen zum Thema? Wenden Sie sich gerne an Klára Arpa aus der Programmabteilung des Goethe-Instituts: Klara.Arpa@goethe.de.