Das Goethe Nicht-Denkmal
Jiří David
Zum Kontext
Zwischen 1883 und 1946 befand sich im Zentrum von Karlsbad, direkt vor dem berühmten Hotel Pupp, ein Denkmal für J. W. Goethe des Stuttgarter Bildhauers Adolf von Donndorf. Nach dem Krieg wurde es geteilt: Goethes Büste gelangte ins Museum, der Sockel verschwand. Seine Fragmente wurden 2014 bei Erdarbeiten wiederentdeckt.
Das Goethe-Institut beschloss, diese Geschichte weiterzuerzählen: Anlässlich des 25. Jahrestags der Eröffnung des Instituts im Herbst 2015 wurde der Sockel nach Prag ausgeliehen, wo Jiří David ihn mit einer modernen Installation ergänzte – der sogenannte Nicht-Denkmal entstand. Es handelte sich um ein temporäres Kunstwerk, das erneut einer Teilung in zwei Teile unterlag: 2016 kehrte der historische Sockel nach Karlsbad zurück, wo er – unweit der ursprünglichen Goethe-Büste – am heutigen Goethe-Weg ausgestellt ist. Jiří Davids Installation blieb im Goethe-Institut und wurde zu einer dauerhaften Erinnerung an die Wandelbarkeit der Denkmalkultur in Tschechien und Mitteleuropa.
Mehr über die Geschichte und Transformation des Karlsbader Goethe-Denkmals zum Nicht-Denkmal können Sie hier lesen.
Über das Kunstwerk
Was sie hier sehen, ist nicht nur ein nutzloser, chaotischer Schutthaufen. Es stellt eine erstarrte, lavaähnliche Landschaft dar, bestehend aus den zermalmten Überresten unseres kulturellen Gedächtnisses; als energetisch unabhängige, virtuelle Lagerstätte vermischt mit Computerteilen, Zigaretten, Beton, Ziegeln, Metall, gekrümmten Blechteilen, Staub, verlorenen intimen Fotografien, geleerten Mohnköpfen, weggeworfenen Spritzen, Resten verbrannter Leinwände, Geldkarten, verwehten Kiefernadeln, trockenen Blättern, unlesbaren Zeitungen, Haaren und Flecken unbestimmter Herkunft. Das Denkmal verkörpert die nebulöse Gegenwart der Mikro-Apokalypse, das ängstliche Chaos in unseren Köpfen.
Den vollständigen kuratorischen Text von Jiří David können Sie hier lesen:
Über den Künstler
Jiří David gehört zu den bedeutenden Persönlichkeiten der tschechischen Gegenwartskunst. Er ist Maler, intermedialer Künstler, Pädagoge und Mitbegründer der Künstlergruppe Tvrdohlaví, die in den 1980er Jahren maßgeblich zur Herausbildung einer unabhängigen tschechischen Kunstszene beitrug. Sein Werk bewegt sich zwischen Malerei, Fotografie, Objektkunst, Installation und Kunst im öffentlichen Raum.
Charakteristisch sind seine thematische und formale Vielseitigkeit sowie die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Neoninstallation Záře auf dem Dach des Rudolfinums (2001) und das Herz auf der Prager Burg (2002), das mit der Persönlichkeit Václav Havels verbunden ist.
2015 vertrat David die Tschechische Republik auf der Biennale von Venedig. Er war zudem als Professor an der Akademie der Bildenden Künste (AVU) und an der Akademie für Kunst, Architektur und Design (UMPRUM) in Prag tätig. Seine Werke sind in zahlreichen bedeutenden tschechischen und internationalen Sammlungen vertreten.
Enthüllung des Nicht-Denkmals vor dem Goethe-Institut in Prag, 2015 | © Pavlína Jáchimová / Goethe-Institut
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