relocate false noindex false

Ausstellung Maria Thrän: ON(e) Distance

Maria Thrän: ON(e) Distance © Maria Thrän: ON(e) Distance

Mo, 14.12.2020 -
Mo, 28.12.2020

18:00 Uhr

Jedna Dva Tři gallery

Mehrkanal sound/video Installation

Die Idee des „Individuums“ ist eine ausgesprochen moderne Beschäftigung - ein Singular, das sich durch seine sogenannte Individualität auszeichnet und sich angeblich von der Gemeinschaft unterscheidet, in der es lebt. Auf dem Kunstmarkt wie in anderen Kapitalströmen wird das „Individuum“ oft als außergewöhnliches Thema angesehen, als „Influencer“, der in der Lage ist, sich zu kleiden und Wert- und Machtflüsse zu lenken.

Das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft ist ständig in Bewegung. Doch wie konstelliert sich die Beziehung zwischen dem Gesellschaftlichen und dem Individuellen? Wir leben in einem System, das zunehmen auf Eigennutz ausgelegt ist. Solidarität und kollektives Denken sind für viele befremdlich. Seit März 2020 ist Solidarität gefordert, der nicht jeder nachkommen möchte. Eine kollektive Erziehung zum solidarischen Denken braucht Zeit, unser demokratisches System wird innerhalb dieses Prozesses herausgefordert. Viele Bereiche unserer Gesellschaft liegen still, Kunst und Kultur finden keinen öffentlichen Raum zum räsonieren, die eigentliche Grundlage. Es ist schmaler Grad zum Verlust der Freiheit auf Selbstbestimmung. So scheint es, als befinden wir uns im Kampf, ein Tauziehen, um die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands. Doch entfremden wir uns auf diesem Wege von uns selbst? Ist dieser Moment der Distanzierung eine Distanzierung zu sich selbst und dem bisher Gelebten?

ON(e) Distanz ist die Erforschung und Beobachtung dessen, vom Begriff Distanz für eine momentanen Auswirkung auf mich hat. Eine Skizze, wie ich und Menschen in meiner Umgebung sich während der Lockdown(s) fühlen.(Lebensweltliche Erfahrung) Es ist eine Observierung, eine starke Vergrößerung meiner Selbst, meine Perspektive des Moments durch fragmentarische Videos und Interviews in verschiedenen Städten. Es ist dabei aber weder eine analytische, historische oder politische Rekonstruktion der letzten 8 Monate.

Es entstanden für mich Fragen: Wie kann man neue Strategien, trotz solidarischer Distanzierung für KünstlerInnen etablieren, ohne Gefahr zu laufen einen Verlust des Individuellen zu erleiden? Wie kann ich mich selber in einem solidarischen System konstellieren ohne mich selbst zu entfremden?

Vielleicht ist es eine Skizze, um meine persönliche Tragödie der Figur des „Individuums“ sichtbar zu machen. Eine Distanzierung von mir selbst, durch Gespräche mit Menschen aus meinen Umfeld. Ein Prozess einer Reflexion, um eine mögliche Utopie einer gemeinsamen kollektiven Gedanken neu zu zeichnen.

Installationskünstlerin Maria Thrän (*1984 Eisenach) lebt und arbeitet in Berlin Sie arbeitet als freischaffende Künstlerin mit analogem, installativen Licht und Sound. Ihre künstlerischen Schwerpunkte sind im Grenzbereich zwischen Bildender Kunst, Musik und experimenteller Forschung anzusiedeln. Räume stehen im Fokus ihrer Arbeit, diese begreift sie als prozesshafte Konstruktionen, die eine Auseinandersetzung mit Materialität und Systemen erfordern. Das beinhaltet die Reflexion ökologischer und gesellschaftlicher Dimensionen und der Beziehungen zwischen Räumen und Körpern. Die kritische Auseinandersetzung mit relevanten Technologien und Theorien sind basies ihrer Forschung. Licht und Klang werden zur raumfüllenden Skulptur, die beim Rezipienten verschiedene Wahrnehmungsschichten ansprechen, und den Raum für individuelle Imaginationen öffnen.

Diese Ausstellung wurde im rahmen des Artist in Residence Programms der Künstlerinitiative Petrohradská kolektiv erstellt.

Zurück