Ursula Menon

Liebes Goethe-Institut Lyon,


Ursula Menon Ursula Menon | © Aldo Paredes, Goethe-Institut Lyon

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Liebes Goethe-Institut Lyon,

ich freue mich sehr, zu den Gratulanten gehören zu dürfen. Da ich dort Schweizerin unter den DaF-Lehrern bin, kommen meine herzlichen Glückwünsche natürlich auf Schwizerdütsch.

Wie viele von uns hat mich die Liebe von Basel über Bremen und Genf schließlich nach Lyon verschlagen. Und dafür meinen festen Posten in Genf aufzugeben, das ist erst schmerzhaft gewesen. Doch dann habe ich es nicht bereut.

Was für mich als ehemalige Gymnasiallehrerin am Anfang in meiner Goethezeit neu gewesen ist - das ist 1997 gewesen: Jetzt bin ich vor begeisterten, lernwilligen Schülern gestanden, pardon, eben nicht Schülern, sondern dankbaren, erwachsenen Kursteilnehmern. Die haben Aufgaben verlangt, Hausaufgaben, freiwillige, zusätzliche Schreibarbeiten abgegeben; die haben sich unaufgefordert am Unterricht beteiligt und mit Genuss und Fantasie Rollen- und Partnerspiele geführt. Genauso neu für mich ist der Brauch von dem mysteriösen, doch unumgänglichen urdeutschen sz [= ß] gewesen. Und das verwende ich jetzt zum großen Befremden von meinen Schweizer Freunden und Verwandten auch in meinen Briefe und Mails.

In meiner Schulzeit, da habe ich einiges über unsere 26 Schweizer Kantone und das föderalistische System von der Eidgenossenschaft kennengelernt. Und jetzt bin ich lange vor der großen Landkarte in den Klassenzimmern gestanden und habe versucht, mir Flüsse und Gebirgsketten, Landschaftsstriche, Städte und Bundesländer von Deutschland mit ihren Eigenheiten einzuprägen. Doch am meisten hab ich von den Kursteilnehmern selber gelernt: die haben gern von ihren Deutschlandreisen berichtet und selbsterlebte Anekdoten und Erfahrungen in den Unterricht eingebracht. Eine große Bereicherung also, wie vieles, was für mich mit dem Goethe-Institut Lyon zusammenhängt.

In bald 20 Jahren hier habe ich erleben können, wie das Institut immer freundlicher und dynamischer, die Bibliothek immer heller und gemütlicher geworden ist. Mit all seinen Angeboten an Ausstellungen, Debatten und Lesungen, an Filmen und Konzerten, ist das Institut für mich heute eine herrliche Kulturoase, in der trotz buchhalterischer Balance und digitaler Neuerungen das Menschliche noch immer im Zentrum steht.

Also, herzliche Gratulation zum 50. Jubiläum. Mach weiter so, liebes Goethe-Institut, auch in den nächsten 50 Jahren.


Ursula Menon