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18:00 Uhr

Diskursiver Filmklub

Filmreihe |Gesellschaft, Identität und Widerstand

  • MaMa – Multimedia Institut, Zagreb

  • Preis kostenlos, mit Voranmeldung

Teaser-Bild © Grimm

Teaser-Bild © grimm

Der Diskursive Filmklub ist eine Reihe von Abendtreffen, die die Vorführung eines ausgewählten Films mit einem moderierten Gespräch mit dem Publikum verbinden. Film ist nicht nur Kunst, sondern auch ein Ausgangspunkt für Diskussionen über Gesellschaft, Identität, Aktivismus und generationelle Fragen. Das Publikum ist nicht passiv – alle Teilnehmenden haben die Möglichkeit, ihre Meinungen und Erfahrungen in einem sicheren und inklusiven Raum zu teilen.

Veranstalter: Goethe-Institut Kroatien, Fade In, Germanistik-Studierendenklub Grimm, Multimedijalni institut MaMa.

Thema des ersten Zykluses: Geschichte, Nostalgie und Wandel

Wir erforschen, wie historische Ereignisse Identität, familiäre Beziehungen und Gemeinschaft prägen.

Im Rahmen des Zyklus werden folgende Filme gezeigt:
  • Rote Sterne überm Feld (2025) – kollektives Gedächtnis, historische Einflüsse auf die lokale Gemeinschaft und Identität
  • Good Bye, Lenin! (2003) – DDR, Illusion vergangener Werte, Generationenkonflikte
  • Roter Himmel (2023) – Krisensituationen, Verlust und emotionale Verantwortung

Rote Sterne überm Feld – 05.03.2026

Das erste Treffen findet am 5. März 2026 um 18:00 Uhr mit der Vorführung des Films Rote Sterne überm Feld statt.

Regisseurin Laura Laabs untersucht in ihrem Debütfilm die Verbindung zwischen persönlicher und kollektiver Erinnerung anhand der Geschichte der jungen Aktivistin Tina, die sich nach einem politischen Vorfall in ihrem Heimatdorf versteckt. Der Film durchläuft verschiedene historische Schichten – Nationalsozialismus, DDR, die Zeit nach der Wiedervereinigung und die Gegenwart – und thematisiert Identität, Gerechtigkeit und Aktivismus.

Der Film wurde mit dem Max-Ophüls-Preis 2025 ausgezeichnet und bietet eine hervorragende Gelegenheit, über historische Traumata, Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortung zu sprechen.

Der Film wird mit kroatischen Untertiteln gezeigt.

Kommen Sie vorbei, sehen Sie zeitgenössisches deutsches Kino, das mit renommierten Preisen ausgezeichnet wurde, nehmen Sie an moderierten Gesprächen teil, entwickeln Sie kritisches Denken zu gesellschaftlichen Themen und lernen Sie andere junge Menschen kennen, die sich für Film und Aktivismus interessieren.

Andere Filme im Programm

Termine: Donnerstags, jeweils um 18:00 Uhr:
05.03. | 09.04. | 07.05. | 11.06. | 03.09. | 01.10. | 05.11. | 10.12.2026

 

Karla

Karla ist ein deutscher Spielfilm der Regisseurin Christine Tournatzés, der auf einer wahren Begebenheit basiert und sich mit dem Thema sexueller Gewalt gegen Kinder sowie institutionellem Schweigen im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzt. Die Handlung spielt im Jahr 1962 und folgt der zwölfjährigen Karla, die nach jahrelangem Missbrauch durch ihren eigenen Vater beschließt, das Schweigen zu brechen und die Tat bei der Polizei anzuzeigen.
Der Film begleitet ihre Begegnung mit dem Untersuchungsrichter Lamy, der versucht, ihr in einem System zu helfen, das nicht darauf vorbereitet ist, der Stimme eines Kindes Gehör zu schenken. Durch Karlas Entschlossenheit und ihren allmählichen Prozess der Selbstermächtigung eröffnet der Film Fragen nach Macht, Verantwortung und gesellschaftlicher Repression – ebenso wie nach der Möglichkeit von Veränderung, die mit einem individuellen Akt des Mutes beginnt.
Karla feierte seine Premiere 2025 beim Filmfest München in der Wettbewerbsschiene Neues Deutsches Kino und wurde dort für Beste Regie und Bestes Drehbuch ausgezeichnet. Die Jury hob insbesondere die außergewöhnliche Sensibilität und das zurückhaltende Erzählen hervor, mit dem der Film Trauma und Gewalt ohne Sensationalismus behandelt und Raum für Empathie, Reflexion und Diskussion lässt.

 

Tandem – In welcher Sprache träumst du? 

Tandem – In welcher Sprache träumst du? ist eine europäische Koproduktion (Frankreich, Deutschland, Belgien) der Regisseurin Claire Burger, die 2024 auf der Berlinale gezeigt wurde. Der 105-minütige Film vereint französische, deutsche und englische Dialoge und thematisiert die Erfahrungen junger Menschen im Spannungsfeld unterschiedlicher Kulturen und Identitäten.
Im Zentrum steht die 15-jährige Fanny aus Straßburg, die für einen Schüleraustausch nach Deutschland reist und dort die gleichaltrige Lena kennenlernt. Aus einer anfänglichen Freundschaft entwickelt sich eine romantische Annäherung, während Fanny – um Lena zu beeindrucken – beginnt, ihre eigene Lebensgeschichte zu überhöhen oder zu verändern. Der Film beleuchtet Fragen des Erwachsenwerdens, der Identitätsfindung und emotionalen Ausdrucksfähigkeit durch die Perspektive von Freundschaft, Verliebtheit und Selbstentdeckung.
Der Film bietet jungen Zuschauer*innen vielfältige Anknüpfungspunkte für Gespräche über Identität, kulturelle Vielfalt, erste Liebe und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen – und eignet sich daher besonders für moderierte Diskussionen im Rahmen des Filmklubs.

 

Rote Sterne überm Feld

Der Spielfilm Rote Sterne überm Feld von Laura Laabs ist ihr Regiedebüt und verbindet persönliche mit gesellschaftlicher Geschichte anhand der Erzählung eines kleinen Ortes – Bad Kleinen – und seiner Geheimnisse über einen Zeitraum von hundert Jahren. Die Handlung folgt der jungen Aktivistin Tine, die sich nach einem politischen Zwischenfall in Berlin bei ihrem Vater im Heimatdorf versteckt und dort gezwungen ist, sich mit der Familiengeschichte und dem kollektiven Gedächtnis der Gemeinschaft auseinanderzusetzen.
Der Film entfaltet sich auf mehreren Zeitebenen – von der NS-Diktatur über die DDR und die Zeit nach der Wiedervereinigung bis in die Gegenwart – und untersucht die Wechselwirkung zwischen individueller und kollektiver Erinnerung sowie die Auswirkungen historischer Ereignisse auf Identität und Gerechtigkeitsvorstellungen.
Durch den Wechsel zwischen schwarz-weißem 16-mm-Material und zeitgenössischen HD-Aufnahmen visualisiert Laabs Zeitfragmente und verweist auf Walter Benjamins Vorstellung der Geschichte als „Trümmerhaufen“. Der Film wurde 2025 mit dem Max-Ophüls-Preis für den besten Film ausgezeichnet und eröffnet einen wichtigen Diskussionsraum zu Erinnerung, Aktivismus und historischen Traumata.

 

Mit der Faust in die Welt schlagen 

Der Film von Constanze Klaue, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel, begleitet die Brüder Philipp und Tobias, die in einer perspektivarmen und sozial angespannten Provinz Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung aufwachsen. Die Familie zerbricht, der Alltag ist geprägt von Isolation, Perspektivlosigkeit und Ohnmachtsgefühlen.
Als in ihrem Ort eine Unterkunft für Geflüchtete eröffnet werden soll, sucht Tobias Halt in Gewalt und Radikalisierung, während Philipp versucht, einen Ausweg aus dem Chaos zu finden. Der Film beleuchtet jugendliche Entfremdung, soziale Ungleichheit, Radikalisierungsprozesse und individuelle Verantwortung in einem instabilen gesellschaftlichen Umfeld.
Der Film wurde 2025 auf der Berlinale in der Sektion Perspectives gezeigt und richtet sich bewusst auch an ein jüngeres Publikum (FSK 12), um Diskussionen über Extremismus, soziale Spannungen und Generationenkonflikte anzuregen.
 

Gotteskinder 

Gotteskinder ist ein deutscher Spielfilm der Regisseurin Frauke Lodders, der die Geschichte der Jugendlichen Hannah und Timotheus erzählt, die in einer streng religiösen, evangelikalen Familie aufwachsen. Hannah lebt konsequent nach den Glaubensregeln und hält an einem Keuschheitsgelübde fest, während ihr Bruder Timotheus versucht, seine Homosexualität zu unterdrücken, da er sie als Sünde gegen den Willen Gottes empfindet.
Als Timotheus gemeinsam mit seinem Freund Jonas an einem umstrittenen Seminar zur sogenannten „Heilung“ von Homosexualität teilnimmt, kommt es zu einer Tragödie: Timotheus nimmt sich das Leben. Der Film setzt sich eindringlich mit dem Konflikt zwischen Glauben, familiären Normen und persönlicher Identität auseinander und zeigt die tiefgreifenden traumatischen Folgen, die rigide Moralvorstellungen und gesellschaftlicher Druck auf junge Menschen haben können.
Hannah wird mit der Wahrheit über ihren Bruder, ihrem Glauben und ihren eigenen unterdrückten Wünschen konfrontiert und steht vor der Herausforderung, zwischen Tradition und individueller Selbstbestimmung ihren eigenen Weg zu finden.
Frauke Lodders zeichnet ein sensibles Porträt des Innenlebens einer evangelikalen Familie und der emotionalen Komplexität der Adoleszenz, wobei der Fokus auf der Stärkung junger Menschen durch kritisches Hinterfragen von Regeln und eigenen Gefühlen liegt.
Der Film wurde beim Max Ophüls Preis 2024 mit dem Publikumspreis der jungen Jury ausgezeichnet und erhielt mehrere nationale und internationale Ehrungen.
 

Good Bye, Lenin! 

Good Bye, Lenin! ist eine deutsche Tragikomödie von Wolfgang Becker, die familiäre und gesellschaftliche Geschichte miteinander verbindet und die Umbruchzeit des Zusammenbruchs der DDR aus einer privaten Perspektive erzählt. Im Mittelpunkt steht Christiane Kerner, die im Jahr 1989 nach einem Herzinfarkt ins Koma fällt und die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland „verschläft“.
Nach ihrem Erwachen versucht ihr Sohn Alex, sie vor emotionaler Überforderung zu schützen, indem er die Illusion der alten DDR aufrechterhält. Mit großem Einfallsreichtum rekonstruiert er eine vergangene Welt – von gefälschten Nachrichtensendungen bis hin zu improvisierten Produkten aus sozialistischen Zeiten.
Der Film thematisiert Wandel, Nostalgie, Identität und Generationenkonflikte, stellt aber auch die Frage, wie weit Menschen gehen, um ihre Angehörigen zu schützen oder ein Gefühl von Sicherheit zu bewahren. In seiner Mischung aus Humor und Melancholie eröffnet Good Bye, Lenin! einen Raum für Reflexion über das Verhältnis von persönlicher und politischer Wahrheit sowie über die Auswirkungen historischer Umbrüche auf das Privatleben.
Der Film eignet sich besonders für Gespräche über historische Erinnerung, moralische Dilemmata, Identität und gesellschaftliche Transformationen im Rahmen des Filmklubs.
 

Victoria

Victoria ist ein deutscher Spielfilm von Sebastian Schipper, der vollständig in einer einzigen, ununterbrochenen Einstellung von 140 Minuten gedreht wurde und damit die Grenze zwischen filmischer Zeit und der realen Dauer einer Nacht aufhebt. Der Film feierte seine Premiere im offiziellen Wettbewerb der 65. Berlinale, wo Kameramann Sturla Brandth Grøvlen mit dem Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet wurde. Bei den Deutschen Filmpreisen erhielt der Film mehrere Auszeichnungen, darunter für Bester Film und Beste Regie.
Die Handlung folgt Victoria, einer jungen Spanierin, die während einer Nacht in Berlin vier junge Männer kennenlernt und sich – getrieben von Neugier und dem Wunsch nach Nähe – auf ein spontanes Abenteuer einlässt. Was als unbeschwerter Ausflug beginnt, entwickelt sich schrittweise zu einer Kette riskanter Entscheidungen, die schließlich in einen kriminellen Akt, eine Flucht und eine Tragödie münden.
Der Film vermittelt eindrucksvoll Gefühle von urbaner Entfremdung, dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und emotionaler Verletzlichkeit und untersucht zugleich Fragen von Freiheit, Verantwortung und Zufälligkeit. Durch seine formale Konsequenz und die intensive schauspielerische Leistung zieht Victoria das Publikum in ein unmittelbares, spannungsgeladenes Erleben hinein und macht es nicht nur zu Beobachter*innen, sondern zu Mitbeteiligten des Geschehens.
 

Roter Himmel

Roter Himmel ist ein Spielfilm von Christian Petzold und bildet den zweiten Teil seiner geplanten Trilogie (nach Undine, 2020). Der Film begleitet vier junge Erwachsene – Leon, Felix, Nadja und Devid –, die einen heißen Sommermonat in einem Ferienhaus an der Ostsee verbringen. Ihre scheinbare Idylle wird zunehmend von unberechenbaren Waldbränden bedroht, die sich der Küste und dem Haus immer weiter nähern.
Leon steht als Schriftsteller unter starkem Erfolgsdruck, Felix bereitet sein Portfolio für eine Kunsthochschule vor, während sich zwischen Nadja und Devid eine spannungsvolle Liebesbeziehung entwickelt. Vor dem Hintergrund der drohenden Katastrophe verhandelt der Film Themen wie Liebe, Selbstzweifel, Kreativität und Verlust. Die Handlung kulminiert in der tödlichen Brandkatastrophe, bei der Felix und Devid ums Leben kommen und Leon sowie Nadja gezwungen sind, sich mit Trauer, Schuld und emotionaler Verantwortung auseinanderzusetzen.
Petzold schafft eine dichte, beinahe klaustrophobische Atmosphäre und reflektiert existenzielle Fragen von Nähe, künstlerischem Anspruch und menschlicher Verletzlichkeit in einer Welt unter permanenter Bedrohung. Roter Himmel wurde auf der Berlinale 2023 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet; die Kritik lobte insbesondere die Balance zwischen Symbolik und Realismus sowie die Verbindung von komischen und tragischen Momenten.
 

Die fetten Jahre sind vorbei 

Der deutsch-österreichische Spielfilm von Hans Weingartner setzt sich mit politischem Engagement, Moral, Freundschaft und Liebe auseinander. Erzählt wird die Geschichte der drei jungen Erwachsenen Jan, Peter und Jule, die aus Protest gegen soziale Ungerechtigkeit und exzessiven Reichtum ungewöhnliche Aktionen durchführen: Sie brechen in luxuriöse Villen wohlhabender Menschen ein, stehlen jedoch nichts, sondern verändern die Einrichtung und hinterlassen Botschaften wie „Die fetten Jahre sind vorbei“.
Die Situation eskaliert, als sie bei einem Einbruch versehentlich den Unternehmer Justus Hardenberg entführen. In einer abgelegenen Berghütte kommt es zu intensiven Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Hardenberg seine eigene idealistische Vergangenheit und den Wandel seiner Werte offenlegt. Parallel entwickelt sich eine romantische Spannung zwischen Jan und Jule.
Der Film verhandelt moralische Dilemmata und Fragen individueller Verantwortung und zeigt den Balanceakt zwischen politischem Aktivismus und persönlichem Leben. Das offene Ende – einschließlich symbolischer Szenen wie der geplanten Sabotage von Satellitenanlagen – unterstreicht die gesellschaftskritische Haltung des Films und reflektiert den Umgang von Medien und Gesellschaft mit Protestbewegungen.
 

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