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Interaktive Ausstellung
„Universum. Mensch. Intelligenz.“

Interaktive Ausstellung „Universum. Mensch. Intelligenz.“
© Goethe-Institut

Den großen Rätseln der Menschheit spürt unsere neue MINT-Ausstellung nach. Vom September bis Dezember 2021 wird die Ausstellung ihre Prämiere im Ausland – im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland 2020/2021 – in Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk erleben. Danach tritt sie ihre Reise um die Welt an. Wie die Ausstellung entstanden ist und was die Ziele dabei sind, erklären Dr. Steffi Retzlaff von der Zentrale des Goethe-Instituts in München und Dr. Andrea Wegener von der Max-Planck-Gesellschaft in München.

Von Wilhelm Siemers

Die Wanderausstellung des Goethe-Instituts „Universum. Mensch. Intelligenz“ (UMI) wird im Herbst 2021 in Russland in Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk gezeigt. Welches Ziel hat diese Ausstellung zur Naturwissenschaft?

Für Forschung und für Deutschland als Forschungsland begeistern. Mit Forschungsprojekten, die international vernetzt und interdisziplinär sind, vermitteln wir mit der Ausstellung UMI, dass Wissenschaft und Forschung ein bedeutender Teil nicht nur der deutschen, sondern auch einer internationalen Kultur sind. An den vielen verschiedenen Instituten der Max-Planck-Gesellschaft forschen Menschen aus über hundert Ländern und Nationen – die MPG arbeitet weltweit mit den „besten Köpfe“, auf allen Ebenen und in allen wissenschaftlichen Disziplinen. UMI ist bereits die zweite Ausstellungskooperation zu MINT-Themen, die das Goethe-Institut und die Max-Planck-Gesellschaft auf den Weg bringen.

Die Ausstellung, die in der Zusammenarbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft entstand, möchte jugendliche Deutschlerner ansprechen und für Naturwissenschaften begeistern. Mit welcher Ausstellungspädagogik wird das geschehen? Können Sie ein Beispiel nennen?

Bereits der erste Blick auf jedes der fünf Themengebiete soll Neugierde wecken, sich mit einem Thema intensiver beschäftigen zu wollen. Die Ausstellung hat drei klar definierte Vermittlungsebenen für jedes Modul: Großformatige Bilder und Inszenierungen machen neugierig auf das Thema und geben Orientierung. Die zweite Ebene vermittelt Grundwissen, z.B. über unser Sonnensystem und die Galaxie, in der wir leben. Die Vermittlung profitiert hier von der schönen und lebendigen Grafik unserer Ausstellungsagentur Kocmoc, die für jeden Ausstellungsbereich eine eigene Bildsprache gefunden hat. Die dritte Ebene ist die der Forschungsprojekte: Hier werden konkrete, aktuelle Forschungsprojekte aus deutschen Forschungsinstituten und Universitäten vorgestellt.

In jedem Ausstellungbereich erleichtert eine große Inszenierung den Einstieg ins Thema: das sich „ausbreitende Universum“, die Face-Morph-Videoinstallation „Ich bin Du“, das interaktive Anthropozän-Regal, das viel über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt erzählt, sowie eine Interaktion mit einem KI-Roboter und eine Soundinstallation beim Thema Gehirn.

Die einzelnen Module werden ergänzt durch eine extra für die Ausstellung programmierte PWA (Progressive Web App) – die Besucher*innen nutzen das eigene Smartphone, um über QR-Codes auf zusätzliche Inhalte (Filme, Animationen, Podcasts, Bildergalerien oder Interviews) zuzugreifen.

Die Ausstellung ist in fünf Themenbereiche gegliedert: das Universum, Menschheitsgeschichte, das Gehirn, Menschengemachte Welt sowie Künstliche Intelligenz. Wie kam diese Auswahl zustande und warum können diese Themen für junge Deutschlerner interessant sein?

Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Diese Fragen beschäftigen jeden Menschen. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sowohl Astronomie als auch Anthropologie weltweit eine sehr große „Fangemeinde“ im Bereich der populären Wissenschaftsvermittlung haben. Gleichzeitig sind beide Forschungsbereiche hochaktuell und haben in den letzten Jahren bedeutende Entdeckungen gemacht. Drei der Physiknobelpreise der letzten vier Jahre wurden an Astronom*innen vergeben, die an Themen forschen, die wir in der Ausstellung vorstellen: Messung von Gravitationswellen, Exoplaneten und die Erforschung des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße. Die Entwicklung einer neuen Forschungsmethode – der Paläogenetik – hat unseren Blick auf die Menschheitsgeschichte grundlegend verändert. Mit den neuen Methoden konnten vor noch gar nicht langer Zeit eine bis dahin völlig unbekannte Menschenform entdeckt und die verwandtschaftlichen Beziehung zwischen dem „modernen Menschen“ und dem Neandertaler neu definiert werden. Auch das sind äußerst interessante Themen für Jugendliche. Künstliche Intelligenz und Hirnforschung sind in vieler Hinsicht miteinander verbunden. Die neuronalen Netzwerke im menschlichen Gehirn sind das Vorbild für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig profitiert die Hirnforschung enorm von den neuen technischen Möglichkeiten der KI. Und die „menschengemachte Welt“? Nun, von der Art und Weise, wie der Mensch mit seiner Umwelt interagiert, wird wohl letztendlich sein Überleben abhängen. Gerade junge Menschen fragen weltweit nach unserer Verantwortung für den Planeten Erde und sehen hier die entscheidenden Weichenstellungen für ihre Zukunft.

In Russland gehen zumeist Deutschlehrerinnen mit ihren Schülern in solche Ausstellungen. Gibt es zur Ausstellung auch Didaktisierungen für Lehrerinnen und Lehrer?

Es gibt Didaktisierungen und Lehrhandreichungen für die Niveaus A1 bis B2/C1. Obgleich die Ausstellung eher für höhere Niveaustufen konzipiert ist, kann man auch auf A1/A2 mit ihr arbeiten. Die Webseite zu UMI wird es auf Russisch und Deutsch geben. Beim Vorgängerprojekt „Erfinderland“ haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Was würden Sie einem jungen Deutschlerner empfehlen, wenn er in Deutschland studieren und forschen möchte?

Zunächst einmal: Am Anfang steht immer die Begeisterung für die Forschung. Forschen ist Neugier. Nur wer sich diese Neugier ein Forscherleben lang erhält, kann in der Wissenschaft erfolgreich sein. Diese Begeisterung für Forschung zu wecken und vielleicht ein Studium in Deutschland in Erwägung zu ziehen – dazu möchten wir mit der Ausstellung „Universum. Mensch. Intelligenz.“ beitragen.

Die wichtigste Voraussetzung für ein Studium an einer deutschen Hochschule ist eine gültige Hochschulzugangsberechtigung. Die Zugangsvoraussetzungen an deutschen Hochschulen sind je nach Herkunft und Ausbildung der Studieninteressierten unterschiedlich geregelt. Informationen hierzu bietet der Deutsche Akademische Austauschdienst (www.daad.de). Mit dem Bildungsprogramm „Studienbrücke“ bietet das Goethe-Institut russischen Schülerinnen und Schülern die Vorbereitung auf das Studium in Deutschland an und ermöglicht einen direkten Zugang zu einer der deutschen Partneruniversitäten. Konkrete Möglichkeiten, an den mehr als 80 Max-Planck-Instituten zu lernen und zu forschen, gibt es ab dem Bachelor-Abschluss, vor allem aber für Doktorand*innen und Post-docs. Informationen dazu finden alle Interessierten am besten und schnellsten auf der Website www.mpg.de unter „Karriere“.

Eine Frage zu Ihrer Person: Welche Position haben Sie in der Zentrale des Goethe-Instituts und in der Max-Planck-Gesellschaft inne?

Dr. Steffi Retzlaff: Ich bin Referentin in der Bildungskooperation Deutsch (BKD). Meine Aufgaben umfassen die Konzeption und Umsetzung von Kulturprogrammen für die Zielgruppe der BKD wie z. B. Ausstellungen, Musiktourneen oder Filme, die didaktische Erschließung und Begleitung der Kulturprogramme aber auch Öffentlichkeitsarbeit in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen und Fortbildungsveranstaltungen für die BKD.

Dr. Andrea Wegener: Bei der Max-Planck-Gesellschaft bin ich zuständig für Kooperationen im Bereich der Wissenschaftskommunikation. Ausstellungen haben hieran einen wesentlichen Anteil. So ist UMI nach „Erfinderland Deutschland“ bereits mein zweites großes Kooperationsprojekt mit dem Goethe-Institut. Außerdem bin ich als Kuratorin auch verantwortlich für die Max-Planck-Ausstellung „Bilder aus der Wissenschaft“, die nach einer großen Tournee auch in Russland viele Menschen kennen.

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