Multiplikatorenprogramm

Seminar Foto: Goethe-Institut/Bernhard Ludewig

Multiplikatoren sind kompetente und engagierte russische Deutschlehrer/-innen, die im Auftrag des Goethe-Instituts in ganz Russland lokale Fortbildungsseminare zur Didaktik und Methodik des Deutschunterrichts durchführen.

Die Multiplikatoren-Seminare vermitteln Deutschlehrer/innen in ganz Russland Kenntnisse und Fertigkeiten in verschiedenen unterrichtsrelevanten DaF-Themen.

Die Multiplikatoren-Seminare werden unter Berücksichtigung der beruflichen Kompetenzen der Deutschlehrenden konzipiert (siehe dazu Berufsstandards für russische Lehrende „Pädagoge“ und auch das Europäische Profilraster für Sprachlehrende).

Die Multiplikatoren-Seminare basieren auf dem DLL-Fortbildungsprogramm des Goethe-Instituts „Deutsch Lehren Lernen“ und integrieren einen innovativen fortbildungsdidaktischen Ansatz: die Aktionsforschung. Das DLL-Programm bietet den Seminarteilnehmenden Aufgabenstellungen zu systematischer Beobachtung und Reflexion von Lehrtätigkeit durch Videoaufnahmen des Fremdsprachenunterrichts. Diese Videos bilden den Ausgangspunkt dafür, Unterricht zu verstehen und durch die kritische Überprüfung von pädagogischen und fachdidaktischen Konzepten die eigene Professionalisierung voranzutreiben.

Jedes Thema wird mit einem praxisorientierten Projekt abgeschlossen, in dem die Teilnehmer entweder einzelne Aspekte des Videounterrichts analysieren (Präsenzformat) oder Forschungsprojekte im eigenen Unterricht realisieren (Blended Learning-Format).

Die Qualität der Multiplikatoren-Seminare hat für das Goethe-Institut höchste Priorität. Die Multiplikatoren werden gründlich ausgebildet und regelmäßig fortgebildet. Die Multiplikatoren-Seminare werden systematisch evaluiert.
Die Multiplikatoren-Seminare des Goethe-Instituts richten sich an alle Deutschlehrenden in Russland und an Studierende des vierten Studienjahres der pädagogischen/linguistischen Hochschulen, die Deutsch als Fremdsprache (DaF) studieren und das erste Schulpraktikum absolviert haben. Die DaF-Multiplikatoren arbeiten selbst als aktive Deutschlehrer/innen in verschiedenen Tätigkeitsbereichen und sprechen damit verschiedene Zielgruppen an.

Zielgruppen
  • Deutschlehrende an Schulen (Mittelschule, Oberschule,  Gymnasium / Lyzeum)
  • Deutschlehrende an Universitäten und Hochschulen (Philologie und studienbeglei­tender Deutschunterricht)
  • Deutschlehrende in Kindergärten, Vorschulen und Grundschulen
  • Deutschlehrende – Fortbildung und Training zu DaF-Werbeveranstaltungen etwa für Eltern und Schulleitungen
  • Deutschlehrende – Fortbildung und Information zu Jugendprüfungen und externer Zertifizierung
Jedes Thema wird in vier Formaten angeboten:

Eintägiges Präsenzseminar (8 UE*) + eine Woche online (8 UE*)
Dieses Format beinhaltet ein Einführungsseminar zum gewählten Thema und eine Online-Phase, in der die Teilnehmenden an einem praktischen Projekt arbeiten sowie Forschungsprojekte in ihrem eigenen Deutschunterricht erproben.
 
Zweitägiges Präsenzseminar (16 UE*)
Das Seminar beginnt mit der Einführung in das gewählte Thema und schließt mit einem praxisorientierten Projekt ab, in dessen Rahmen die Teilnehmenden einzelne Aspekte des Seminarschwerpunkts auf Basis von Video-Unterrichtssequenzen analysieren.
 
Zweitägiges Präsenzseminar (16 UE*) + eine Woche online (8 UE*)
Dieses Fortbildungsformat besteht aus einem Aufbauseminar zum gewählten Thema und einem online erarbeiteten Projekt, in dessen Rahmen Forschungsprojekte im eigenen Unterricht erprobt werden.
 
Dreitägiges Präsenzseminar (24 UE*)
Das Seminar beginnt mit einer Einführung in das gewählte Thema und schließt mit einem praxisorientierten Projekt ab, in dessen Rahmen die Teilnehmenden einzelne Aspekte des Seminarschwerpunkts auf Basis von Video-Unterrichtssequenzen analysieren.

* UE steht als Abkürzung für „Unterrichtseinheit“.
 
Themen und Formate der Multiplikatoren-Seminare des Goethe-Instituts:

Aufgabenorientierter Deutschunterricht
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „Aufgabenorientierung“ kennen und lernen, Übungen von Aufgaben zu unterscheiden sowie die Prinzipien der Erfolgs- und Aufgabenorientierung im eigenen Deutschunterricht einzusetzen.

Lernen durch Interaktion 
Teilnehmende des Seminars erfahren, wie Lernende zur aktiven Teilnahme am Unterricht motiviert werden können, lernen passende Arbeits- und Sozialformen umzusetzen und reflektieren über ihre Rolle als Lehrende in einem interaktionsorientierten Unterricht.

Text-Didaktik
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „Didaktik im DaF-Unterricht“ kennen und lernen, relevante Texte im Hinblick auf verschiedene Lernziele und Lerngruppen auszuwählen und zur Vermittlung der deutschen Sprache zu nutzen.

Persönliche Zugänge schaffen
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „Binnendifferenzierung“ kennen. Die Teilnehmenden erfahren, wie sie den Unterricht so gestalten können, dass er den individuellen Bedürfnissen und Voraussetzungen der Lernenden gerecht wird und mit welchen Aufgaben und Unterrichtsformen Elemente von reflektiertem, selbstständigem und strategiegestütztem Lernen in den Unterricht integriert werden können.

Deutsch als zweite Fremdsprache: Tertiärsprachen-Didaktik
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „Methodik und Didaktik von Deutsch als zweite Fremdsprache“ kennen. Sie erfahren, warum es wichtig ist, bereits vorhandene Sprachkenntnisse und Sprachlernerfahrungen beim Deutschlernen zu berücksichtigen. Sie beschäftigen sich mit didaktisch-methodischen Prinzipien, nach denen Deutsch als zweite Fremdsprache unterrichtet wird, und mit Übungsformen, die sie beim Unterrichten von Deutsch als zweite Fremdsprache einsetzen können.

Konstruktiver Umgang mit Fehlern
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „Fehler beim Spracherwerb“ kennen. Die Teilnehmenden erfahren, wie sie Fehler der Lernenden und deren Ursachen analysieren und mit den Fehlern konstruktiv umgehen können. Sie erkennen das Potenzial der Fehler für die Entwicklung weiterer Lernaktivitäten und die Förderung der Sprachbewusstheit der Lernenden zu nutzen.

Bewusst lehren, bewusst lernen
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „Lernstrategien und autonomes Lernen“ kennen. Die Teilnehmenden erfahren, welche Merkmale selbstständiges Lernen auszeichnet und warum es wichtig ist, dass Lernende zunehmend selbstständig lernen. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit verschiedenen autonomen Lernstrategien.

Mikro- und Makroprojekte
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „projektorientiertes Lernen“ kennen. Die Teilnehmer erfahren, wie Mikro- und Makroprojekte in Ergänzung der Arbeit mit dem Lehrwerk geplant und durchgeführt werden. Sie reflektieren über die Rolle der Lehrenden im Projektunterricht und vertiefen, welche Kompetenzen Lernende benötigen, um komplexe Lernaufgaben bei der Projektarbeit erfolgreich bearbeiten zu können.

Medien im Deutschunterricht
Teilnehmende des Seminars lernen den thematischen Schwerpunkt „Medieneinsatz im Deutschunterricht“ kennen und wie sie Online-Aufgaben für Lernende  erstellen und betreuen.

Lernende zum Sprechen bringen
Teilnehmende des Seminars beschäftigen sich mit den Merkmalen gesprochener Sprache. Sie erfahren, welche Prozesse beim Sprechen ablaufen und wie sie diese fördern können. Die Teilnehmenden lernen Übungen und Aufgaben kennen, die Lernende für ein erfolgreiches Sprechen auf Deutsch vorbereiten und Sprechaktivitäten im Unterricht zu planen.

Lehr- und Lernstrategien bei der Vermittlung der Grammatik
Teilnehmende des Seminars lernen, die Grammatik der deutschen Sprache aus funktionaler Perspektive zu betrachten und Grammatikkenntnisse effektiv zu vermitteln und zu üben. Außerdem festigen und erweitern die Seminarteilnehmenden ihr Verständnis von Deutsch als fremder Sprache und lernen, warum Phänomene des Deutschen in Nachschlagewerken und Lehrbüchern auf eine bestimmte Art und Weise dargestellt sind. Als Beispiele werden Phänomene ausgewählt, die Lernenden besondere Schwierigkeiten bereiten und Lehrkräfte bei der Vermittlung stärker herausfordern.

Informelles Evaluieren im Unterricht
Teilnehmende des Seminars lernen grundlegende Evaluationstypen und ihre Funktionen kennen: die interaktionistische dynamische Evaluation (IDE) und ihre Bedeutung für die Bewertung des Entwicklungsstandes der Lernenden sowie die Bedeutung der nonverbalen Mittel bei der IDE. Die Teilnehmenden entwickeln ihre diagnostische Kompetenz und erfahren, wie Lernende ihre eigenen Leistungen und die Leistungen anderer Lernender einschätzen können. 

Deutsch für Kinder – ohne Stress und ohne Zwang
Mit diesem Seminar werden in erster Linie Lehrkräfte angesprochen, die Deutsch im Kindergarten und in der 1. bis 2. Klasse der Grundschule vermitteln beziehungsweise künftig vermitteln wollen. Die Teilnehmenden des Seminars lernen didaktisch-methodische Prinzipien der frühen Fremdsprachenvermittlung im Zusammenhang mit Altersbesonderheiten der Kindergarten- und Grundschulkinder kennen. Im Seminar erfahren die Teilnehmenden, wie sich das frühe Fremdsprachenlernen spielerisch, altersgerecht und stressfrei gestalten lässt. Sie erleben auch selbst einige Methoden aus der Perspektive der Lernenden und probieren sie als Lehrende aus.

Deutschunterricht planen
Teilnehmende des Seminars denken über Leitfragen der Unterrichtsplanung nach und lernen verschiedene Arten von Lernzielen kennen. Sie formulieren Lernziele und relevante Teillernziele. Nachdem die Teilnehmenden mit möglichen Modellen der Unterrichtsplanung bekannt gemacht werden, wenden sie die erworbenen Kenntnisse an, indem sie eine Unterrichtseinheit mit Blick auf aktuelle didaktisch-methodische Prinzipien planen.
Schritt 1 – Klärung des Fortbildungsbedarfs
Bevor Sie ein Multiplikatoren-Seminar des Goethe-Instituts buchen, überlegen Sie sich bitte:
  • Zielgruppe/Teilnehmende
  • Seminarthema
  • Seminarort
  • Seminardauer
  • Seminardatum
  • Anzahl Teilnehmende
Wichtig: Die einladende Institution stellt einen geeigneten Seminarraum zur Verfügung sowie technische Ausstattung nach Bedarf. Die Reisekosten des Multiplikators, sowie Unterkunft und Verpflegung trägt die einladende Institution.

Schritt 2 – Vorbesprechung mit dem Goethe-Institut
Um das Organisatorische zu besprechen, nehmen Sie dann Kontakt auf mit der Projektkoordinatorin.

Schritt 3 – Beantragung des Multiplikatoren-Seminars
Beantragen Sie „Ihr“ Multiplikatoren-Seminar verbindlich mit diesem Antragsformular, das von der einladenden Institution unterschrieben und abgestempelt per E-Mail an das zuständige Goethe-Institut zu schicken ist. Zum Seminar-Ende werden die einladende Institution und alle Teilnehmenden um eine Auswertung des Multiplikatoren-Seminars gebeten, die wichtig für die Optimierung der Fortbildungsarbeit des Goethe-Instituts ist. Die Teilnehmenden erhalten nach Seminar-Ende eine Teilnahmebescheinigung des Goethe-Instituts.