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„DAOWO Sessions – Artworld Prototypes“
„Die Blockchain-Technologie ist ein Werkzeug, kein Retter“

Die DAOWO Sessions – Artworld Prototypes ist eine Reihe von Live-Online-Events mit dem Ziel, die Rolle der Kunst im entstehenden Blockchain-Raum zu hinterfragen.
Die DAOWO Sessions – Artworld Prototypes ist eine Reihe von Live-Online-Events mit dem Ziel, die Rolle der Kunst im entstehenden Blockchain-Raum zu hinterfragen. | Grafik (Ausschnitt): © Goethe-Institut / Studio Hyte

Welchen Nutzen haben Blockchain-Technologien für Kunst und Zivilgesellschaft? Damit befassten sich die „DAOWO Sessions – Artworld Prototypes“ des Goethe-Instituts. „Goethe aktuell“ hat mit den beiden Kuratorinnen Ruth Catlow und Penny Rafferty und dem Künstlerkollektiv eeefff gesprochen.

Von Annette Walter

Ruth Catlow und Penny Rafferty, Sie haben gemeinsam die „DAOWO Sessions – Artworld Prototypes“ kuratiert und dabei online mit Kulturschaffenden und Vertreter*innen von Kunst- und Technologieorganisationen diskutiert. Analysiert wurde dabei etwa die Rolle der Kunst im entstehenden Blockchain-Raum. Wie haben Sie und die Teilnehmer*innen davon profitiert?

Penny Rafferty: Die Kuratorin Penny Rafferty Die Kuratorin Penny Rafferty | Foto (Ausschnitt): © Hannah Rumstedt Ich denke, dass das DAOWO-Projekt die Möglichkeiten vergrößert hat, anders zu leben, zu denken und zu arbeiten.
Die Möglichkeit, weiter zu denken, war schon immer eine große Stärke der Künste.






Momentan erleben wir ja einen Hype wegen der „NFTs“, der sogenannten Non-Fungible Tokens, also nicht austauschbare Codes. Damit lässt sich zum Beispiel ein digitales Bild mit einer eindeutigen Kennzeichnung versehen und kann damit nicht mehr kopiert werden, wie es sonst bei digitalen Dateien möglich wäre. Inwiefern hat diese Diskussion Ihre Konzeption der Reihe beeinflusst?

Ruth Catlow: Die Kuratorin Ruth Catlow Die Kuratorin Ruth Catlow | Foto (Ausschnitt): © Ruth Catlow Als wir das DAOWO-Programm konzipiert haben, konnten wir den NFT-Boom nicht erahnen. Seit Mitte Januar sprechen in der Kunstwelt alle von NFTs, die meiner Meinung nach die Liebe der Kunstwelt zur Finanzspekulation befriedigen.
Die Arbeit, die wir mit den DAOWO-Sessions geleistet haben, geht aber in die entgegengesetzte Richtung. Uns geht es um eine Spekulation über eine Welt von morgen, statt dass wir als Individuen von dem Hype profitieren. Uns war wichtig, eine Welt zu erschaffen und vorstellbar zu machen, in der wir gerne leben und zusammenarbeiten wollen.

Ruth Catlow, wie haben Sie mit Penny die Projekte ausgewählt?

Ruth Catlow: Es war uns sehr wichtig, die richtigen Personen zusammenzubringen, also nicht speziell Leute, die überwiegend mit dezentralen Organisationen oder dezentraler Technologie gearbeitet hatten, sondern eine bunte Mischung aus Kreativen aus verschiedenen gesellschaftspolitischen Bereichen. Außerdem wollten wir uns außerhalb einer euro-zentrierten Perspektive bewegen, da wir uns von unserer eigenen Position aus ziemlich schnell in diesem europäischen Diskurs positioniert hätten.

Ruth Catlow, wie haben Sie den Austausch zwischen den Projekten organisiert? Wichtig war ja die titelgebende Philosophie „DAOWO“ (Decentralised Autonomous Organisation With Others), also eine dezentrale autonome Organisation mit anderen. Welche kollaborativen Elemente gab es?

Ruth Catlow: Auch wenn wir nicht physisch zusammen waren, hatten wir eine sehr gute kollektive Erfahrung. Das lief zum Beispiel sehr viel über Telegram-Chats. Am Ende haben wir zusammen ein Paper ausgefüllt, das wie ein kollektives Gedächtnis funktioniert.

Nicolay Spesivtsev und Dzina Zhuk, Sie leben in Minsk und haben als Künstlerkollektiv eeefff ein Live-Action-Rollenspiel mit dem Titel „Economic Orangery 2021“ konzipiert. Um was geht es dabei?

Nicolay Spesivtsev: Nicolay Spesivtsev, aus dem Künstlerkollektiv eeefff Nicolay Spesivtsev, aus dem Künstlerkollektiv eeefff | Foto (Ausschnitt): © Nicolay Spesivtsev Aufgebaut ist „Economic Orangery 2021“ um eine kollektive Vorstellung von dezentralen Wirtschaftsinstitutionen in einer revolutionären belarussischen Situation. Es soll ein Ort sein, an dem man sich als Teilnehmer*in an einem Zeitpunkt in der Zukunft befindet und das spekulative Wissen über Blockchains im Jahre 2020 zusammenträgt.
Das Spiel dauert zwei Monate; jede Woche findet eine einstündige Online-Session statt.



Wie gefiel das den Teilnehmer*innen?

Nicolay Spesivtsev: Sie waren begeistert, dass sie in einem Rahmen agierten, in dem man mit der Realität spielen kann. Die Vielfalt der Erfahrungen, die die Teilnehmer*innen damit gemacht haben, war uns sehr wichtig.

Dzina Zhuk: Dzina Zhuk, aus dem Künstlerkollektiv eeefff Dzina Zhuk, aus dem Künstlerkollektiv eeefff | Foto (Ausschnitt): © Dzina Zhuk Der Protest, in dem es in unserem Live-Action-Rollenspiel geht, bringt etwas Neues hervor, was wir „gegenwärtige Zukunft“ nennen. Dies bedeutet, dass viele mehrschichtige Konstruktionen und viele Testgelände entstehen, also neue Arten von Infrastrukturen und des Zusammenlebens. Wir wollen neue kollektive Erzählungen ausprobieren. Es war wichtig, sich in bereits vorhandenen, dezentralen Protestinfrastrukturen zu befinden. Beispielsweise gab es Telegram-Chats, mit denen Sie den Chat Ihres spezifischen Nachbarschaftshofs finden konnten. Man kann sich unser Rollenspiel als eine Art imaginären Hof vorstellen, in dem wir alle zwei Monate lang lebten.

Wie sieht Ihre Zukunftsvision der Blockchain-Technologie für Kunst und Kultur aus?

Ruth Catlow: Schwer zu sagen. Nach meinem Verständnis von Technologie verschwindet sie nicht mehr, wenn sie einmal aufgetaucht ist, sondern mutiert. Ich glaube auch nicht, dass NFTs verschwinden werden. Diese Technologie wird menschlicher werden. Wenn wir Technologie als Teil von uns selbst verstehen, haben wir möglicherweise eine viel ethischere und sozialere Art, mit Technologie zu existieren.

Penny Rafferty: Die Blockchain-Technologie wird Kunst und Kultur nicht verändern. Aber sie bietet eine andere Möglichkeit, beides durch alternative Systeme zum Guten oder Schlechten zu verändern. Sie ist ein Werkzeug, kein Retter.

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