Justine Toms
DIE MUSEEN UND DIE DIGITALE KOMMUNIKATION

Das Internet, insbesondere die sozialen Netzwerke und Blogs, werden häufig als Hauptfaktor angesehen, der Menschen vom Galerien-, Theater- und Museumsbesuch sowie von kulturellen Veranstaltungen ablenkt. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die Menschen viel Zeit online verbringen – sowohl beruflich als auch zum Spaß und manchmal nur aus Langeweile. Dies ist die Wirklichkeit, und die Statistiken sind schonungslos – die Prozentsätze in der Quarantäne steigen drastisch an

Von Justine Toms

BLOGS UND SOZIALE NETZWERKE als UNTERSTÜTZung WÄHREND des lockdowns und danach.


Mit oder ohne Quarantäne – jetzt ist es der passende Zeitpunkt, um über die Digitalisierung und über die Möglichkeiten zur aktiveren Nutzung sozialer Netzwerke und Blogs zugunsten der Museumskommunikation nachzudenken, über die Möglichkeiten, traditionelles und neues Publikum zu begegnen und anzulocken. Anbei einige grundlegende Schritte dafür.

Team. In jeder Organisation gibt es mindestens 1-2 Personen, die gut online kommunizieren und ein Gespür für neue Kanäle haben. Es ist gut zu wissen, dass hier technische Kenntnisse kaum erforderlich sind – heutzutage sind Online-Tools relativ einfach und intuitiv zu bedienen. Viel wichtiger sind die Fähigkeiten des schriftlichen Ausdrucksvermögens, die Fotografie-Fähigkeiten – auch mit handlichem Zubehör (z.B. Handy) – und eine positive Einstellung gegenüber der Einführung von digitalen Kanälen in die Museumsarbeit.

Kanäle. Die Zahl der Online-Möglichkeiten ist unendlich. Beginnend von der Website über Blogs, Facebook und Instagram bis zu Emails, YouTube, Podcasts, Twitter, Discord u.a. Es ist wichtig, nur 2-3 Kanäle für die Online-Präsenz Ihres Museums auszuwählen, diese jedoch gut zu pflegen, mit hochwertigen Inhalten und in optimaler Frequenz zu füllen. 

Publikum. Wie wählen Sie die Online-Kanäle aus, die Sie nutzen werden? Denken Sie an Ihr Publikum – an diejenigen, die bereits bei Ihnen sind und die Sie anziehen möchten. Sie kennen sie – erstellen Sie ihr Profil und fragen Sie sich – welche Kanäle nutzen sie? Wenn Sie sich nicht sicher sind – fragen Sie sie. Analysieren Sie und wählen Sie aus.

Plan. Einen Plan muss es geben. Einen Kommunikationsplan. In unserer dynamischen Zeit ist es schwierig, einen langfristigen Plan zu erstellen. Beginnen Sie dann mit Plänen für kürzere Zeiträume. Seien Sie bereit, sie nach Bedarf zu ändern. Gestalten Sie z.B. Ihre Hauptwebsite neu, starten Sie Werbeaktionen und Online-Veranstaltungen in sozialen Netzwerken oder fangen Sie ein Blog mit 2 Beiträgen pro Monat an.

Inhalt. Unabhängig davon, für welche Instrumente wir uns entscheiden und welchen Plan wir machen, wenn wir es nicht schaffen, hochwertige, menschliche, verständliche Inhalte mit klaren Botschaften zu erstellen, die sowohl für unser Publikum als auch für unsere Institution relevant sind (bestimmte Veranstaltungen, Artefakte), werden unsere Online-Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt sein. Der technische Aspekt ist nicht zu unterschätzen, aber hier ist er zweitrangig, an erster Stelle steht die Kommunikation. Eine entscheidende Rolle spielen vielfältige und geschickt kuratierte, erstellte und veröffentlichte Inhalte.
 
Das Blog als wichtiges Instrument für die Museumsinstitutionen
 
Das Blog ist ein langsames Instrument, es funktioniert dank der Anhäufung von Inhalten und wird im Laufe der Zeit immer wertvoller. Es gibt viele Themen, über die Sie mit Ihrem Publikum sprechen wollen, aber dafür haben Sie keinen Platz? Eine Lösung bietet das Blog.

Das Blog ist eine Plattform für informelle Online-Kommunikation. Hier kann man Geschichten erzählen – über Schlüsselmomente in der Entwicklung unserer Institution auf sehr menschliche und zugängliche Art und Weise berichten; Respekt gegenüber Schlüsselfiguren der Geschichte und Gegenwart entgegenbringen; den Fokus auf einzelne Artefakte lenken. Dies geschieht mithilfe von vielen Fotos, Links zu anderen ähnlichen Artikeln, mit der Option, Video- und Audioinhalte einzubetten.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, dass Google die Blogs liebt. Somit ist das Blog der Haupthelfer Ihrer Website bei der Positionierung der Seite, wenn man in der Suchmaschine nach Schlüsselworten sucht. Und heutzutage ist das wichtig.

Ein Blog technisch einzurichten und zu starten, ist überhaupt keine schwierige Aufgabe. Selbst wenn Sie über kein Budget verfügen, können Sie die Unterstützung von Freiwilligen in Anspruch nehmen – Schüler der Klassen 8 bis 12 könnten Ihnen helfen, denn sie hätten die Fähigkeiten dazu.

Es ist wichtig zu wissen, dass die technische Seite einfacher zu meistern ist. Der Inhalt ist viel wichtiger. Man muss mit Herz, mit Leichtigkeit verfassen und gleichzeitig sich über die Kraft dieses Instrumentes bewusst sein, über seine Rolle als Online-Informationslager, als Instrument der Popularisierung Ihrer Tätigkeit, als Schlüsselfaktor für die Gewinnung neuer Zielgruppen, Partnerschaften und für die Positionierungen in der Online-Umgebung.

Die sozialen Netzwerke, die Sie den Menschen nahe bringen

Im Gegensatz zum Blog sind die sozialen Netzwerke ein schnelles Instrument, mit dem Ihre Nachrichten und Ideen Ihr Publikum sehr leicht erreichen. Der Nachteil dieser Kanäle besteht darin, dass Sie in großem Wettbewerb mit allen anderen stehen, und die Verbraucher sind von vielen verschiedenen Marken, Nachrichten „überflutet“. Dies bedeutet eines: Ihre Nachrichten sollten aussagekräftig und klar sein, und Sie sollten wirklich interessante und gut gestaltete Nachrichten veröffentlichen. Ein weiterer Nachteil ist die maximale Lebensdauer eines Beitrags, wenn er nicht finanziell unterstützt wird.

In den sozialen Netzwerken haben wir verschiedene Instrumente – Beiträge, Hashtags (#), Gruppen (unsere und thematische, bereits vorhandene), Online-Events, Live-Videos und viele mehr. Der gute Umgang mit ihnen und die Selektion gehören zu den Schlüsselfaktoren für unseren Erfolg dort.

In den unterschiedlichen sozialen Netzwerken werden wir unterschiedliche Zielgruppen haben. Auf Facebook werden wir ein ziemlich breites Spektrum erreichen, aber immer häufiger die 30-35-Jährigen und Älteren. Auf Instagram werden wir die Jüngeren erreichen. Und die Jüngsten werden wahrscheinlich auf YouTube zu erreichen sein. Dies bedeutet nicht, dass wir überall sein sollten, noch weniger, wenn wir überall den gleichen Inhalt haben wollen. Nach der Analyse unserer Zielgruppen müssen wir nur diejenigen Kanäle auswählen und pflegen, die für uns wichtig sind.

Inspirationsquellen

Einige interessante Beispiele aus der ganzen Welt während des COVID-19-Lockdowns:
  • Das Museum der Obdachlosen (The Museum of Homelessness, UK) hat über seine Website Freiwillige mobilisiert, die Lebensmittelpakete und notwendige Materialien für Obdachlose verteilten: https://museumofhomelessness.org/
  • Das Gedächtnis- und Toleranzmuseum in Mexiko (Museo Memoria y Tolerancia, Mexiko) setzte sich in den sozialen Medien für die Unterstützung der Menschenrechte (gegen Rassismus, Recht auf Gesundheitsversorgung, Sozialhilfe, gegen häusliche Gewalt) während der Pandemie ein (zum Beispiel auf Twitter: https://twitter.com/MuseoMyT/status/1240502783670923265
  • Das ethnografische Museum Juan Ambrossetti in Argentinien (Das Museo Etnográfico Juan B. Ambrosetti, Argentina) (oben ist dessen Vision) organisierte eine kollektive Online-Ausstellung „ExpoCuarentena“ mit Gegenständen, die in den Gemeinden während der Krise verwendet wurden: https://www.instagram.com/p/B-ufS4SAlLs/
  • Das kanadische Museum für Menschenrechte (Canadian Museum for Human Rights) sammelte Videos und organisierte eine Online-Ausstellung mit persönlichen Geschichten über COVID-19.
  • Das Museum in Erding (Museum Erding) sammelte Beweise, Gegenstände und Fotografien, um das Leben in der Gemeinde während der Coronavirus-Pandemie zu dokumentieren.

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