ZUM TOD VON KURT KROLOP
Kurt Krolop und das Goethe-Institut in Prag

Kurt Krolop (rechts) und Eduard Goldstücker im Prager Goethe-Institut
Kurt Krolop (rechts) und Eduard Goldstücker im Prager Goethe-Institut | © Goethe-Institut

Kurt Krolop, ein wichtiger Germanist und Literaturkritiker, ist gestorben. An ihn und an die gemeinsam verbrachten Jahre erinnert sein persönlicher Freund und Gründungsleiter des Goethe-Instituts in Prag Jochen Bloss.

Die Geschichte zwischen Kurt Krolop und dem  im Herbst 1990 neu gegründeten GI Prag ist eine Erfolgsgeschichte in fachlicher Hinsicht und in herzlicher Verbindung. Er war eine Stütze in allen literarischen und speziell germanistischen Veranstaltungen. Es begann sozusagen auf seinem ureigenem Terrain mit Karl Kraus und den letzten Tagen der Menschheit.  Eine junge, frische Berliner Theatertruppe gastierte in einem Prager Kellertheater. Es folgte ein erstes Seminar über Willy Haas, dem großen Journalisten und Kritiker, der mit Max Brod und Kafka befreundet war. Es ging wieder um das Hauptforschungsgebiet von Krolop um den „Prager Kreis“ vor und zwischen den beiden Weltkriegen. So begann es und so blieb es.

Es würde fast ermüden, seine ganzen Beteiligungen und Vorbereitungen an Colloquien und Seminaren im Haus am Moldauufer auf zu zählen, aber drei müssen unbedingt hervorgehoben werden, die dann auch zu großen wissenschaftlichen Publikationen unter seiner Mitwirkung führten:

1992 „Kafka und Prag“, als internationale Konferenz geradezu wegweisend.                     
1994 „Rainer Maria Rilke - ein europäischer Dichter aus Prag“                                      
1995 „Literatur/Geschichte im Prager Kontext“ zum 65 Geburtstag von K.Krolop

Er machte bei zahlreichen Lesungen souveräne, kenntnisreiche Einführungen und war für das GI ein wertvoller Ratgeber in allen literarischen Fragen. Einer unserer Mitarbeiter sagte einmal. “wenn man ein solch kompetenten Gesprächspartner zum Freund hat, dann kann einem nichts passieren“.

Noch ein paar persönliche Worte: Kurt Krolop stammte aus der Stadt Graber in Nordböhmen. Das war bis zur Vertreibung seine Heimat und blieb es bis zu seinem Tode. Mit Begeisterung führte er uns durch Hain und Flur, in Flusstälern und auf Burgen oder in seine Schulstadt Leitmaritz. Er war rundum ein offener am Anderen interessierter Mensch. Durch ihn und mit ihm kamen ins Goethe-Institut die „ grossen Alten“ der Prager deutschen Literatur Hugo Rokyta, Eduard Goldstücker und Lenka Reinerova. Alle sind vor ihm gegangen.

Nun verlässt einer die universitäre Bühne, der viel seiner Heimat und seinen Studenten von seinem wissen zurück gegeben hat. Er hat viele tschechische und deutsche Talente gefördert und damit quasi eine Schule gebildet in Prag, Olmütz, Brünn, Marburg, Weimar und Regensburg. Ein Geschenk war es für jeden, der mit ihm zusammenarbeiten konnte. Das GI ist ihm zu grossen Dank verpflichtet.