Übersetzungsförderung ViceVersa: Deutsch-tschechische Übersetzerwerkstatt

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© Loredana La Rocca

Von 11.–17. 7. 2016 wurde die erste ViceVersa: deutsch-tschechische Übersetzerwerkstatt abgehalten. Sie ermöglichte es Übersetzerinnen und Übersetzern der Sprachkombinationen Tschechisch-Deutsch sowie Deutsch-Tschechisch, gemeinsam an vorgegebenen Texten zu arbeiten und sich über Themen auszutauschen, die das Übersetzen betreffen.

Es handelte sich um das erste Treffen, bei dem sich Übersetzer von literarischen Texten beidseitig austauschen konnten. Geleitet haben die Übersetzerwerkstatt Kristina Kallert und Tomáš Dimter in Prag. Im Seminar befassten sich die Teilnehmer detailliert mit der Analyse konkreter Texte, mit spezifischen Problemen beim Übersetzen zwischen dem Tschechischen und dem Deutschen und auch mit grundlegenden Fragen, die das literarische Übersetzen betreffen.
Unter den Texten, die im Seminar übersetzt wurden, befand sich unter anderem Prosa von Markéta Pilátová, David Zábranský oder Bohumil Hrabal, auf der deutschsprachigen Seite waren Navid Kermani, Norbert Scheuer oder Elke Heidenreich vertreten. Insgesamt elf Übersetzer nahmen an dem Workshop teil.

Was haben die Teilnehmer mitgenommen? Hat die Teilnahme bei einer solchen Werkstatt bei der Arbeit als Übersetzer geholfen? Wir haben nachgefragt:
 
Jitka Nešporová
„Ich danke der Übersetzerwerkstatt Vice Versa für anregende und inspirierende Diskussionen über Texte aus unterschiedlichen Genres. Mit erfahrenen Kollegen die eigentlich aus einer anderen Sprache als ich übersetzen, nämlich in die andere Richtung, aus dem Tschechischen ins Deutsche, an einem Tisch zu sitzen und ihre Überlegungen zur Sprache oder zu kontextuellen und assoziativen Bedeutungen zu verfolgen, oder die Meinung zu bekräftigen, dass es besser ist, immer wieder nachzufragen als etwas alibihaft zu vernebeln oder auch, dass man Ratschläge einholen soll, war unglaublich erfrischend. Vor allem, weil sich uns die Gelegenheit zu einem fachlichen Dialog mit Kollegen nur sehr selten bietet.

Doris Kouba
„Der erste Jahrgang der Übersetzerwerkstatt Vice Versa brachte für mich eine engere Verbindung mit Kollegen aus beiden Ländern. Wir konnten mit den Texten intensiv arbeiten und uns auf Details konzentrieren. Unsere Diskussionen betrafen nicht nur die Autoren oder konkrete Texte, sondern auch das Übersetzen als Beruf und damit verbundene Fragen.“
 
Mirko Kraetsch
 „Persönlich ein Wiedersehen mit bzw. Kennenlernen von Kolleginnen und Kollegen, von Gleichgesinnten mit einem ähnlichen Spektrum von beruflichen Fragestellungen, was eine gute Basis für ausführliche Gespräche bietet. Außerdem ist es gut, wenn wir Einzelkämpferinnen uns vernetzen und im Fall des Falles auch gemeinsam für unsere Interessen eintreten. Fachlich im Speziellen wertvolle Anregungen für die Übersetzung, an der ich gerade arbeite („Tsunami Blues“ von Markéta Pilátová). Im Allgemeinen interessante Anregungen und Lösungen für diverse übersetzerische Probleme aus den unterschiedlichsten Genres und Textsorten. Außerdem höchst interessante Einblicke in die Arbeit der Kolleginnen, die in die andere Richtung übersetzen, also AUS dem Deutschen. So etwas gibt es bei keiner anderen Weiterbildung, das geht nur mit ViceVersa.  Eine rundum gelungene Veranstaltung also. Vielen Dank aus Berlin.“
 
Zdenka Obrová
„Durch die Übersetzerwerkstatt konnte ich Einblick in die souveränen Bereiche der Kollegen bekommen, was nicht oft passiert. Desto mehr hat es mich gefreut, zu erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und gleichzeitig aber auch in unserem eigenen. Es war toll, sich kennenzulernen und Meinungen auszutauschen. Die Welt der Geschichten, die in einer fremden Sprache geschrieben sind, ist eine zauberhafte Welt und der Übersetzer spielt darin die Rolle eines ehrerbietigen Wegbereiters…“

Lena Dorn
 „Die Übersetzerwerkstatt hat mir sehr viel gebracht; unter anderem neue Inspirationen für die sorgfältige sprachliche Arbeit am Detail, tiefe Diskussionen über Literatur, Vernetzung mit anderen ÜbersetzerInnen; und natürlich ganz konkrete Tipps für mein aktuelles Projekt. Ich hoffe, es wird noch mehr solcher Veranstaltungen geben.“
 
Anna Förster
„Für die übersetzerische Praxis habe ich vor allem die intensive Textarbeit, gerade auch mit Teilnehmern aus beiden Sprachrichtungen als sehr bereichernd empfunden. Und für die Vernetzung mit Kollegen und den Austausch untereinander bietet die Werkstatt einen idealen Rahmen. “  
 
Štěpánka Podlešáková
„Was mir die Werkstatt gebracht hat: Freundliche Treffen. Und was ich sehr schätze, den Austausch von Informationen, Meinungen und Erfahrungen mit Kollegen vom Fach. Die Bestätigung meines Eindrucks, dass das Übersetzen ein außergewöhnliches, aber leider auch unterschätztes „Handwerk“ ist, und deshalb würde es nicht schaden, es der Öffentlichkeit näherzubringen. Außerdem auch die Motivation, mich selbst professionell weiterzuentwickeln.“
 
Gefördert aus dem ViceVersa-Programm des Deutschen Übersetzerfonds, von der Robert Bosch Stiftung GmbH und vom Auswärtigen Amt. Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts in Prag, des Kultusministeriums der Tschechischen Republik, der Stadt Prag und des Kunst- und Theaterinstituts IDU Prag.