Der gefundene Gipfel
von Matěj Peterka
Das in der Technik des Metalltreibens gefertigte Relief besteht aus gefundenem Blech. Das Material trägt die Erinnerung an seine frühere Verwendung ebenso in sich wie die Spuren menschlicher Arbeit und wird so zum Symbol für Kontinuität, geteilte Erfahrungen und Veränderung.
Über das Kunstwerk
Die Form des Reliefs erinnert an einen Hügel oder Berg, ein archetypisches Symbol für die Überwindung von Hindernissen und das gemeinsame Streben nach einem Ziel. Über seine Oberfläche steigen kleine Stahlkugeln empor, die für einzelne Menschen stehen, die für sich genommen unscheinbar wirken, gemeinsam jedoch eine Kraft entwickeln, die den Gipfel erreichen kann. Der Aufstieg ist hier keine Metapher für individuellen Erfolg, sondern für einen Prozess, der auf gegenseitiger Unterstützung, dem Teilen von Erfahrungen und der Hilfe für andere beruht. Das Werk verweist sowohl auf historische und symbolische Aufstiege, etwa auf den Berg Říp, als auch auf alltägliche Situationen, in denen wir aufeinander angewiesen sind.
Die Besucherinnen und Besucher sind zudem eingeladen, mit dem Werk zu interagieren und die Stahlkugeln auf seiner Oberfläche neu anzuordnen. So werden sie Teil der Geschichte des Werkes und gestalten seine Bedeutung mit. Auf dem Gipfel befindet sich eine Öffnung, durch die man ins Innere blicken kann. Dort verbirgt sich ein Spiegel, in dem sich das Auge der Betrachterin bzw. des Betrachters spiegelt. Der Gipfel wird so zum Moment persönlicher Erkenntnis: Zusammenhalt ist nicht nur etwas, das wir von der Gesellschaft erfahren, sondern auch eine Verantwortung dafür, welches Mitglied einer Gemeinschaft wir selbst sind.
Der gefundene Gipfel im Hof des Goethe-Instituts in Prag | © Veronika Svítil / Goethe-Institut
Über den Autor
Matěj Peterka ist Architekturstudent und verbindet in seiner Arbeit Architektur, zeitgenössische Kunst und gesellschaftlich orientierte Forschung. Langfristig beschäftigt er sich mit Themen wie öffentlichem Raum, bezahlbarem Wohnraum, Menschenrechten und den Veränderungen des städtischen Umfelds.
Seine Perspektive auf Raum und Gesellschaft wurde unter anderem durch seine Erfahrungen im Ausland geprägt, insbesondere durch einen Studienaufenthalt in Peru und einen Arbeitsaufenthalt in Japan. In Japan entdeckte er die Technik des Metalltreibens und entwickelte eine tiefere Beziehung zur handwerklichen Arbeit mit Material, die heute einen wichtigen Bestandteil seines künstlerischen Ausdrucks bildet.
Er arbeitet medienübergreifend – von architektonischen Entwürfen über Texte bis hin zu Rauminstallationen, in die er häufig gefundene und weggeworfene Materialien einbezieht. Ihn interessiert, wie Kunst öffentliche Debatten über aktuelle gesellschaftliche Fragen anstoßen und neue Formen der Wahrnehmung von Raum schaffen kann. Er ist Mitglied des Architektur- und Kunstkollektivs Cyrkulárka und engagiert sich außerdem im aktivistischen Theaterkollektiv IPUP.
Matěj Peterka | © Matěj Peterka
Inspiration
Eine wichtige Inspiration für die Entstehung des Werkes waren die Erfahrungen des Künstlers in Japan. Matěj Peterka beschreibt diese Erfahrung wie folgt:
„In der Bergregion der Präfektur Toyama, in der ich damals lebte, hatte die Zahl der Bären zu dieser Zeit stark zugenommen. Auf Anordnung der Behörden wurde daher davon abgeraten, nach Einbruch der Dunkelheit hinauszugehen oder sich weit von der Stadt zu entfernen. Diese Zeit verbrachte ich deshalb in der örtlichen Metallwerkstatt, wo mich meine heutige Freundin Saya Watanabe in die Grundlagen dieses Handwerks einführte – und dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Nach meiner Rückkehr nutzte ich die neu erworbenen Fähigkeiten bei der Gestaltung des Reliefs für das Goethe-Institut. Das vorgegebene Thema Zusammenhalt bedeutet für mich, Teil eines Ganzen zu sein, das einem Halt gibt. In bestimmten Momenten unseres Lebens können wir den Gipfel nämlich nur dann erreichen, wenn wir in unserem Umfeld auf ein starkes Fundament bauen können. Deshalb steigen die Stahlkugeln gemeinsam zum Gipfel empor, und das Werk lädt die Betrachterinnen und Betrachter unmittelbar zum Spielen und Neuanordnen ein. Wenn man jedoch in das Innere dieses Gipfels blickt, sieht man die Spiegelung des eigenen Auges. Es ist eine Erinnerung daran, dass wir, wenn wir anderen Halt geben wollen, zunächst selbst innere Widerstandskraft entwickeln müssen.
Die Arbeit an dem Relief bedeutete für mich nach einer langen Zeit im Ausland einen Prozess der Rückkehr nach Hause. Tausende Schläge auf das Aluminium brachten mich Schritt für Schritt zurück in diese Stadt, zurück nach Prag."
Detailaufnahme des Kunswerks "Der gefundene Gipfel" von Matěj Peterka | © Matěj Peterka
Das Kunstwerk "Der gefundene Gipfel" von Matěj Peterka | © Matěj Peterka
Danksagung
Die Entstehung des Werkes wurde aus dem Projekt CYCLE UP! finanziert, das von der Europäischen Union kofinanziert wird.
Cycle Up!
Kontakt & Informationen
Haben Sie Fragen zum Thema? Wenden Sie sich gerne an Veronika Svítil aus der Programmabteilung des Goethe-Instituts: Veronika.Svitil@goethe.de.