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17:00–21:00 Uhr

Wellenwelten: Neue Realitäten

Autorenlesungen und Debatte|Eröffnung des Begleitprogramms anlässlich des Ehrengastauftritts der Tschechischen Republik auf der Frankfurter Buchmesse 2026.

  • Goethe-Institut Tschechien, Prag

  • Sprache Auf Tschechisch und Deutsch mit Dolmetschung.
  • Preis Eintritt frei

Wellenwelten © Goethe-Institut

Wellenwelten © Goethe-Institut

Die Auftaktveranstaltung einer Reihe tschechisch-deutscher Dialoge, die vom Tschechischen Literaturzentrum und dem Goethe-Institut Tschechien anlässlich des Ehrengastauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026 organisiert wird.

Gäste:

  • 17:00 Uhr - Sascha Reh & Jonáš Zbořil
  • 19:00 Uhr - Fiona Sironic & Petr Šesták
Moderation: Kateřina Kadlecová.

Die Autoren Sascha Reh und Jonáš Zbořil beschäftigen sich in ihren Romanen Biotopia und Flora mit einer nahen Zukunft, in der wir vielerorts unsere neue Realität wiedererkennen. Biotopia ist ein dystopischer Roman über eine Zukunft, die unserer Gegenwart erschreckend ähnlich ist. Er bietet einen anregenden Blick auf das Zusammenspiel von Ökologie, Technologie, Macht und zwischenmenschlichen Beziehungen – und stellt die Frage, welchen Preis wir für nachhaltigen Fortschritt zu zahlen bereit sind. Die Handlung des Romans Flora spielt am Rande der Stadt, in einem verlassenen Gebiet, das einen Übergangsraum zwischen Zivilisation und Natur bildet – und in dem ungewöhnliche Wesen auftauchen. Der Autor lässt der Leserschaft viel Raum zum Nachdenken über neue Lebensformen, das Verschmelzen von Organischem und Anorganischem, die Sehnsucht nach einem Kind sowie über das Gleichgewicht zwischen Fürsorge und Angst.

Der rebellische Ton in den kurzen Prosatexten der deutschen Autorin Fiona Sironic und des tschechischen Schriftstellers Petr Šesták kann als Aufforderung verstanden werden, eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Ideologien und Kulturkämpfe zu machen. Inwieweit ruiniert die Digitalisierung unser Leben? Die titelgebenden „Mädchen“ aus Fiona Sironics erfolgreichem Debüt Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft wuchsen als Töchter von Influencerinnen auf und zerstören in ihrer Wut während der Pubertät alle digitalen Erinnerungen. Auch der Erzähler in Šestáks Vyhoření wird von Wut getrieben, tritt wütend in die Pedale seines Fahrrads, mit dem er Essen in der Stadt ausliefert – sein Leben wird ebenfalls weitgehend von den Algorithmen der digitalen Plattform bestimmt, für die er arbeitet.

Dem Abendprogramm für die Öffentlichkeit geht ein Vormittagsprogramm Die dicke Prinzessin Petronia für Schulklassen mit Katharina Greve voraus.

Wellenwelten: Neue Realitäten

Sascha Reh (*1974, Duisburg) studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. Bereits mit sechzehn Jahren begann er, Prosa zu schreiben, seit 1999 erscheinen seine Texte in Literaturzeitschriften und Anthologien. Heute lebt er mit seiner Familie in Berlin, wo er neben dem Schreiben auch im Bereich Familientherapie tätig ist. Rehs Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit inneren und gesellschaftlichen Konflikten – etwa Fragen von Schuld, Verantwortung, dem Zynismus des modernen Kapitalismus oder psychologischen Krisen seiner Figuren.

Jonáš Zbořil (*1988) ist Schriftsteller und Publizist. Er veröffentlichte die Gedichtbände Podolí (2013), Nová divočina (2020) sowie die Prosa Flora (2024, Paseka). Er wurde für den Jiří-Orten-Preis und den Magnesia-Litera-Preis nominiert. Zehn Jahre lang moderierte er den Podcast Liberatura beim Radiosender Radio Wave. Heute arbeitet er als Kulturredakteur beim Nachrichtenportal Seznam Zprávy, wo er unter anderem den Newsletter Chlebíček schreibt und den Podcast Kulturák moderiert. Seine Gedichte wurden ins Japanische, Polnische und Spanische übersetzt. Flora wird in mehr als fünfzehn Sprachen erscheinen. 

Fiona Sironic (*1995) studierte Kreatives Schreiben und Gender Studies in Hildesheim und in Wien, wo sie heute lebt. In ihrer literarischen und journalistischen Arbeit beschäftigt sie sich vor allem mit der Klimakrise, der Digitalisierung und der Influencer-Kultur. Ihr literarisches Debüt gab sie 2025 mit dem Roman Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft, der in der Nominierung für den Deutschen Buchpreis Beachtung fand.

Petr Šesták (*1981) ist Schriftsteller, Fotograf und Kulturveranstalter in Mikulov in Südmähren. Zwei Jahre, die er in einem Wohnwagen an verschiedenen Orten Europas verbrachte, dienten als Inspiration für seine Reisebücher Kočovná galerie (2014) und Cesta je pes (2023). Er schreibt Kurzgeschichten und Romane, zuletzt erschienen bei Host Kontinuita parku (2021) und Vyhoření (2023). 2025 debütierte er als Dramatiker mit dem Stück Darwin & co., geschrieben für das Theater Husa na provázku. Seine Bücher wurden in fast zehn Sprachen übersetzt.

Kateřina Kadlecová studierte Medienwissenschaften und Bohemistik an der Karls-Universität. Seit 2009 arbeitet sie als Redakteurin bei Reflex und war zuvor auch beim Festivaljournal des MFF Karlovy Vary tätig. Sie veröffentlicht kulturelle und literarische Reportagen aus aller Welt und führt Interviews mit bedeutenden Schriftstellern und Persönlichkeiten. Seit 2018 ist sie Jurorin des Literarischen Preises des Buchclubs und seit 2024 der Magnesia Litera. Sie redigiert Bücher und moderiert Kulturveranstaltungen; kürzlich erschien ihr Buchinterview Faktor Pafko.

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