Pixel und Poetik: Sudek, Funke und der Einfluss neuer Technologien auf die Entwicklung der Fotografie

Ausstellung|Kann man einem Foto trauen? Anlässlich des Jubiläums zweier Schlüsselfiguren der europäischen Avantgardefotografie des 20. Jahrhunderts – Josef Sudek und Jaromír Funke – kommt eine Ausstellung der Tschechischen Zentren ins Goethe-Institut.

  • Goethe-Institut Tschechien, Prag 1

  • Sprache Deutsch und Tschechisch
  • Preis Eintritt frei

Der Titel Pixely a Poetika im weiß auf einem bunten Hintergrund, das aus mehreren bunten unscharfen Quadraten besteht. ©StudioCOLMO

Der Titel Pixely a Poetika im weiß auf einem bunten Hintergrund, das aus mehreren bunten unscharfen Quadraten besteht. ©StudioCOLMO

Die Ausstellung Pixel und Poetik: Sudek, Funke und der Einfluss neuer Technologien auf die Entwicklung der Fotografie verbindet die Welt der Analogfotografie der Zwischenkriegszeit mit der visuellen Ästhetik des zeitgenössischen Zeitalters. Der Besucherschaft bietet es die einzigartige Gelegenheit, die Entwicklung des Bildes innerhalb zweier Jahrhunderte – von der materiellen Erfassung des Lichtes bis zu synthetischen Welten, die von der künstlichen Intelligenz erschaffen werden – zu vergleichen.

Die Ausstellung wird die ikonischen Werke von Josef Sudek und Jaromír Funke vorstellen. Ihre Arbeit zeigt, wie man mit Hilfe von Licht, Komposition und Atmosphäre die Realität in poetische oder konstruktive Bildwelten verwandeln kann. Diese klassischen Herangehensweisen werden durch historische Fotomontagen, doppelte Expositionen und analoge Manipulationen ergänzt, die zeigen, wie tief in der Tradition der Fotografie die Sehnsucht nach der Anpassung des Bildes verwurzelt ist.

Der aktuelle Teil der Ausstellung ergänzt diesen Dialog mit Hilfe von Autor*innen, die mit KI und generativen Technologien arbeiten. In ihrem Werk Your Addiction Is the Message enthüllt Barbora Trnková die Mechanismen der visuellen Sucht der digitalen Landschaft und die Rolle der Technologien in der Bildung unserer Vorstellungen. Innerhalb ihres Projekts Troubling GAN und der Serie Strange Attractions untersucht Lenka Hamošová die Ästhetik und Grenzen der neuronalen Netze und zeigt, wie Algorithmen Stereotype oder auch visuelle Halluzinationen erstellen und reproduzieren.

Das gemeinsame Werk von Trnková und Javůrek, Eine Generation von Prinzessinnen, reflektiert mithilfe von generativen Modellen die popkulturellen Ideale der Weiblichkeit und ihre digitale Rekonstruktion kritisch.

Die Ausstellung bietet einen visuell beeindruckenden und gedanklich nachvollziehbaren Blick darauf, wie sich unsere Vorstellung vom Bild, Realität und dem, was wir bereit sind zu glauben, wenn wir schauen/ sehen, verändert.

Die Vernissage wird am 21.5.2026 ab 19 Uhr stattfinden.

Josef Sudek

Josef Sudek (1896–1976) zählt zu den bedeutendsten tschechischen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich zum Buchbinder ausgebildet, wandte er sich nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg mit großer Intensität der Fotografie zu. Nach einem Studium an der Staatlichen Grafikschule in Prag und der engen Zusammenarbeit mit Jaromír Funke konzentrierte er sich sowohl auf die künstlerische als auch angewandte Fotografie. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören Serien wie „Aus Invalidovna“, „Das Fenster meines Ateliers“ und „Glaslabyrinthe“ sowie romantische Ansichten von Prag und der tschechischen Landschaft. Sudek zeichnet sich durch seine lyrische Gestaltung von Licht und Atmosphäre aus und durch seine Fähigkeit, das Schöne im Alltäglichen sichtbar zu machen.

Jaromír Funke

Jaromír Funke (1896–1945) war einer der prominentesten Vertreter der tschechoslowakischen Zwischenkriegsfotografie. Ursprünglich studierte er Philosophie, Rechtswissenschaften und Medizin, widmete sich aber nach dem Ersten Weltkrieg ganz der Fotografie. Sein Werk durchlief verschiedene Phasen - vom Piktorialismus über Konstruktivismus und Funktionalismus bis hin zum Surrealismus und sozialen Dokumentarismus. Seine berühmtesten Werke sind sorgfältig komponierte Stillleben aus den 1920er und 1930er Jahren, in denen er mit elementaren Formen, Licht und Schatten arbeitete.