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18:00 Uhr

Erzählte Vergangenheit

Buchvorstellung und Diskussion|Wellenwelten mit Nora Bossong und Eli Beneš

  • Goethe-Institut Tschechien, Prag 1

  • Sprache Auf Tschechisch und Deutsch mit Dolmetschung.
  • Preis Eintritt frei

Wellenwelten © Goethe-Institut

Wellenwelten © Goethe-Institut

Abschlussveranstaltung der Reihe deutsch-tschechischer Literaturdialoge, die von der Mährischen Landesbibliothek und dem Goethe-Institut Tschechien anlässlich des Ehrengastauftritts der Tschechischen Republik auf der Frankfurter Buchmesse 2026 veranstaltet wird.

Der Literaturdialog zum Thema Erzählte Vergangenheit bringt zwei markante Stimmen der zeitgenössischen tschechischen und deutschen Prosa zusammen, die sich in ihren Werken den Zäsuren des 20. Jahrhunderts widmen.

In seinem Romandebüt Unmerklicher Verlust der Einsamkeit (Nepatrná ztráta osamělosti)greift Eli Beneš das lange tabuisierte Thema der Rückkehr von Überlebenden der Konzentrationslager nach Prag im Jahr 1945 auf. Die renommierte deutsche Autorin Nora Bossong untersucht in ihrem Roman Reichskanzlerplatz die Mechanismen menschlichen Versagens und die Entstehung des Fanatismus vor der Kulisse der zerfallenden Weimarer Republik.

Das Gespräch über Schuld, Erinnerung und die Suche nach Menschlichkeit vor dem Hintergrund tiefgreifender historischer Umbrüche moderiert die Germanistin und Publizistin Zuzana Lizcová.

Erzählte Vergangenheit

  • Eli Beneš (*1976) ist Schriftsteller und Musikproduzent aus Prag. Er moderierte Sendungen über die tschechische Elektronikszene bei Radio 1, komponierte Musik für das Tschechische Fernsehen und war Mitbegründer mehrerer unabhängiger Musiklabels sowie der Akademie für elektronische Musik Prag.

    Er studierte Anglistik, Bohemistik und Journalistik an der Karls-Universität Prag sowie Jüdische Studien in Stockholm und Tel Aviv. Derzeit arbeitet er für das Medienunternehmen Seznam.cz.

    Seinen literarischen Einstand gab Eli Beneš 2023 mit dem eindrucksvollen Roman Unmerklicher Verlust der Einsamkeit (Nepatrná ztráta osamělosti). 2025 erschien sein zweiter Roman Všechno bude super.

    Sein vielfach ausgezeichnetes Debüt Unmerklicher Verlust der Einsamkeit (Nepatrná ztráta osamělosti, 2023, Akropolis) erhielt den renommierten Literaturpreis Magnesia Litera als Debüt des Jahres und war als erstes tschechisches Buch überhaupt Teil der internationalen Auswahl Books at Berlinale. Der Roman eröffnet einen ebenso sensiblen wie schonungslosen Blick auf das Trauma der Nachkriegszeit. Erzählt wird die Geschichte eines jungen jüdischen Mannes, der ein Konzentrationslager überlebt hat und im Frühjahr 1945 nach Prag zurückkehrt, wo er versucht, seinen Platz in einer grundlegend veränderten Welt zu finden.

    Der Roman besticht durch seine vielschichtige Figurenpsychologie und einen eindringlichen Erzählstil, der neue Fragen nach dem Umgang mit der Vergangenheit aufwirft. Die Literaturzeitschrift iLiteratura bezeichnete das Buch als „gelungene Verbindung eines Holocaust-Romans mit einem Bildungsroman“. Der Autor selbst sagt: „Meine Geschichte spielt erst nach dem Krieg, weil mich interessierte, was die Menschen erlebten, die aus den Konzentrationslagern zurückkehrten. Wie verlief ihre Heimkehr? Wie begegneten ihnen ehemalige Nachbarn oder Freunde? Ich wollte kein weiteres Holocaust-Buch schreiben, in dem eindeutig feststeht, wer gut und wer böse ist. Denn keine meiner Romanfiguren ist vollkommen.“

  • Die vielfach ausgezeichnete Lyrikerin, Romanautorin und Essayistin Nora Bossong (*1982) zählt zu den bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ihrer Generation.

    Sie studierte Philosophie und Komparatistik, unter anderem in Berlin, wo sie heute lebt. In ihrem Werk setzt sie sich häufig mit gesellschafts- und kulturpolitischen Themen, moralischen Fragestellungen und historischer Erinnerung auseinander. Darüber hinaus engagiert sie sich öffentlich für Demokratie und die europäische Integration. Mehrere ihrer Romane standen auf der Longlist beziehungsweise Shortlist des Deutschen Buchpreises, darunter 2024 auch Reichskanzlerplatz, der nun in tschechischer Übersetzung von Jitka Nešporová im Verlag Argo erscheint.

    Es handelt sich um den sechsten, lange erwarteten Roman der Autorin. Ausgehend von historischen Ereignissen zeichnet er anhand eines Doppelporträts von Magda Goebbels und ihrem jungen Geliebten Hans Kesselbach ein Vierteljahrhundert deutscher Geschichte zwischen 1919 und 1944 nach. Die beiden begegnen einander, als Magda einen Ausweg aus ihrer unglücklichen Ehe sucht und Hans nach Möglichkeiten, seine Homosexualität zu verbergen. Schon bald führen ihre Lebenswege auseinander: Magda erscheint als vorbildliche arische Mutter auf den Titelseiten der Zeitungen, während Hans unauffällig im diplomatischen Dienst tätig ist.

    Der Schriftsteller Daniel Kehlmann würdigte den Roman mit den Worten: „Ein furchtloser Roman über Mittäter und darüber, wie aus kleinem Bösen großes Böses wird. Darf man über das ‚Dritte Reich‘ auf diese Weise schreiben? Diese Frage wird oft gestellt – und nicht zu Unrecht. Nora Bossong beantwortet sie mit diesem großartigen Buch, indem sie genau das tut: vielschichtig, klug und schonungslos.“

  • Zuzana Lizcová wirkt als akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für deutsch-österreichische Studien an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Karls-Universität Prag (FSV UK) sowie als Journalistin.

    In den Jahren 2004-2013 arbeitete sie in der Dokumentarredaktion des Tschechischen Pressbüros (ČTK), wo sie sich auf die deutschsprachigen Länder und Staaten Mittelosteuropas spezialisiert hatte. Danach war sie tätig als unabhängige Publizistin, Analytikerin für die Assoziation für internationale Fragen (AMO) und Koordinatorin des Programms Czech-German Young Professionals (CGYPP).