Diskussion Green Park und Gäste: Zeitgenössische Kultur und Aktivismus aus Athen

Actopolis/Green Park © Goethe-Institut Athen / Fotos: Michael Pappas’

Mo, 06.06.2016

Goethe-Institut

Masarykovo nábřeží 32
110 00 Prag 1

Die Diskussion mit Vassilis Noulas (Green Park), Nadja Argyropoulou (freie Kuratorin) und Juliane Stegner (Goethe-Institut Athen) ist Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung "5 Uneasy Pieces" .

Arm aber sexy - nicht erst seit der Entscheidung der documenta-Leitung, die kommende Ausgabe neben dem traditionellen Standort in Kassel auch in Athen auszurichten, meinen KuratorInnen und JournalistInnen, dass die hellenische Hauptstadt drauf und dran ist, das neue Berlin der Kunstwelt zu werden. Denn niedrige Mieten und eine dynamische Off-Szene gibt es hier wie dort.
 
Im Abgleich mit der Wirklichkeit entsteht ein anderes Bild: das Land schlitterte in den letzten Jahren und Monaten von einer wirtschaftlich prekären Lage in einen krisenhaften Ausnahmezustand, dessen wahre Dimension kaum jemand zu erfassen vermag. Allein die politischen Ereignisse gleichen einer modernen griechischen Tragödie. Die konstanten Begleiterscheinungen dieser Krise sind noch beängstigender: enorme Arbeitslosenzahlen und die zunehmende Verarmung der Mittelklasse, die Radikalisierung am rechten Rand, der drohende Grexit und nicht zuletzt die anhaltende Migrationsbewegung über die Türkei nach Europa, die in den griechischen Gross-, Hafen- und Grenzstädten ihr Nadelöhr gefunden hat.
 
Aber was kann unter diesen Umständen  von permanenter Krise und Bedingungen von verordnetem Sparzwang über künstlerische Praxis gesagt werden? Vor diesem Hintergrund der wirtschaftlichen und nunmehr humanitären Krise im Land stellt sich die Frage: Kann kulturelle Praxis als kritisches Instrument und Therapeutikum wahrgenommen werden? Welche unmittelbaren Möglichkeiten ergeben sich daraus für Kunst und Kultur in Griechenland, sei es nun als Symptom oder Lösung?
 
Man könnte das Fehlen bzw. Versagen staatlicher Subventionsgeber auch als Katalysator ansehen, denn es zwingt KünstlerInnen und KuratorInnen, mit neuen Formen der Kooperation zu experimentieren und neue - auch internationale - Netzwerke zu knüpfen. So mag die Krise für manche sogar sinnstiftend sein: Ein eher kommerziell ausgerichteter Kunstbetrieb wurde durch selbstorganisierte Projekte mit Mehrwert für die Gemeinschaft ersetzt. In Athen haben sich in letzter Zeit mehrere Orte informellen urbanen Handelns entwickeln können - etwa Green Park, ein besetzter Pavillion mit interdisziplinärer Programmatik. "Als die Krise kam, fühlte ich mich irgendwie besser, denn sie machte uns gleich" so Vassilis Noulas, einer der Initiatoren der Parkbesetzung, in einem aktuellen Interview im Kunstmagazin Frieze.
 
Neben Noulas und weiteren AktivistInnen des Green Park wird die Kuratorin Nadja Argyropoulou an der Diskussion im Goethe-Institut teilnehmen. Nadja ist eine freie Kuratorin, die derzeit eng mit nicht-staatlichen Akteuren der Athener Kulturszene, wie  DESTE Foundation for Contemporary Art, Onassis Foundation, Benaki Museum und weiteren, zusammenarbeitet. In Ihren Projekten reflektiert sie die gegenwärtige Situation in ihrem Land in einem globalen, historischen und politischen Kontext.

Das Goethe-Institut gehört innerhalb der institutionellen Landschaft der Region zu den größten nicht-staatlichen Fördereinrichtungen. Juliane Stegner, die Programmleiterin des Goethe-Instituts für Griechenland und Südosteuropa, reagiert mit ihrem Projekt "Actopolis. The Art of Action" auf den Zustand demokratischer Institutionen und die Dynamik zivilgesellschaftlicher Handlungen.
 
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung "5 Uneasy Pieces" in der UM Galerie in Zusammenarbeit mit Are | are-events.org und der Kunstakademie UMPRUM statt. Die Diskussion wird auf Englisch geführt. Eintritt frei.
 
 
 

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