Vortrag Jens-Christian Rabe: Kritik der Kritik

Do, 17.11.2016

Nationalgalerie - Messepalast

Dukelských hrdinů 530/47
170 00 Prag 7

Im Rahmen der Verleihung des Kunstkritikerpreises Věra Jirousová

Das Allerschwierigste bei der Kritik ist die Infragestellung des kritischen Infragestellers durch sich selbst. Das unverzagte Weitermachen im Vertrauen auf das Denken und Diskutieren, obwohl man weiß, dass man mit dem Rücken zur Wand steht, ist eine fröhlich-menschenfreundliche Kritik der Kritik. So eine Kritik der Kritik ist natürlich ein zähes, mühsames, anstrengendes und im Zweifel endloses Geschäft, das wohl auch nicht zu so etwas Feinem wie dem habermasschen zwanglosen Zwang des besseren Arguments führt. Es läuft eher auf eine Situation hinaus, die man vielleicht permanent palliativ nennen könnte, auf Hinauszögern und Schmerzen lindern. Im Angesicht der Alternative, des Todes der Wahrheit, klingt das aber auch wieder gar nicht so schlecht.

Jens-Christian Rabe, geboren 1977 in Erlangen, studierte in München Literatur, Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie. Seit  2007 schreibt er als Literatur- und Popkritiker im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Im Suhrkamp Verlag veröffentlichte er einen Essay über den zeitgenössischen Hipster, „Gegenwärtigkeit als Phantasma“ (2012), und einen über Slavoj Žižek, „Philosophie als Telesport“ (2011). In der Zeitschrift Mittelweg des Hamburger Instituts für Sozialforschung erschien zuletzt mit „Agieren, reagieren, abreagieren“ (2015) ein Versuch über Hass als populäre Kunst.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts „Kritikmaschine: 50 Jahre Kursbuch“ vom Goethe-Institut und während der Verleihung des Kunstkritikerpreises „Věra Jirousová“.

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