Lisa Heissenberg
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Künstlerin Lisa Heissenberg unterstützte Blank Noise schon aus der Ferne und hat erste Entwürfe und Konzepte vorbereitet, die nun realisiert werden sollen. Sie wird sich besonders auf die erfolgreiche und wachsende Kampagne von «I Never Ask For It» fokussieren.

Lisa Heissenberg, geboren 1991, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und wurde nach dem Diplom zum Meisterschüler ernannt. Seit dem Abschluss arbeitet sie als freier Künstler und Lehrer.

Der Fokus ihrer Arbeiten liegt auf den Neuen Medien, Nerd- und Geek-Kultur und dem Thema Sprache. Die Betonung liegt dabei meist auf verschiedenen Konzepten und Strategien des Storytellings, Erinnerns, Verbindens und Kommentierens unterschiedlicher Versatzstücke und Elemente der Arbeiten untereinander. Nicht zuletzt setzt sie sich mit dem Fetisch-Charakter verschiedener künstlerischer und alltäglicher Materialien auseinander.
Lisa Heissenberg © Lisa Heissenberg
Der Abusive Relationship Simulator (2015) ist nach außen hin ein einfach gehaltenes Text Adventure, das sowohl online als auch in einem fixierten Terminal bedient werden kann. Entgegen seiner genretypischen Aufmachung weist das Programm jedoch einige spezifische Abweichungen von der Norm auf: So kann das Spiel weder gewonnen noch kann der Verlauf der Handlung tatsächlich beeinflusst werden. Es gibt kein Ende, keinen High Score und insgesamt nur 300 Wörter, die semi-randomisiert ausgespielt werden. Mit dem Programm zu interagieren endet zwangsläufig in einem Loop, bis der Spieler entscheidet, das Spiel nicht mehr zu spielen. Solange er partizipiert, ist er in der Diegese des Texts ein „Enabler“, der dem Computer, dem die Rolle des missbräuchlichen Partners einprogrammiert wurde, immer wieder zuspielt. Das Programm ist nicht nach Lehrbuch oder als Lehrstück entstanden, sondern besteht aus Versatzstücken eigener und der Erfahrungen von Bekannten und Freunden, die eben solche Beziehungen selbst erlebt haben.

In der Zweikanal-Videoinstallation Negentropie (2015-16) treffen verschiedene Themenkomplexe in mehreren Ebenen aufeinander: in Zeichnung, Video und  Text wird über eine akute private Ausnahmesituation,  ein vergangenes Laster und den Prozess der Entropie, der Wärmebewegung, und den damit einhergehenden Untergang des Universums berichtet. Ziel der Arbeit ist das Verknüpfen der unterschiedlichen Narrative in ihrer Dialogizität, ihren Widersprüchen und Prognosen, um letztlich mit minimalen Mitteln auf die typischen großen Fragen zu rekurrieren: Worin liegt der Sinn unserer Handlungen, wenn die Welt untergeht? Ist ein zeitlich endliches oder ein unendliches Universum bedrohlicher? Und welche Verbindung haben schon unsere kleinen Alltagsgesten zum ‚großen Ganzen‘?

In dem experimentellen Dokumentarfilm oo-nye-doo? (2016) letztlich beschäftigt sich Heissenberg anhand eines Kindheitstraumes – eines Furbies – kritisch mit den Themen Warenfetischismus und Privatsphäre: Weshalb bekam man keinen Furby, und was hatte die NSA damit zu tun? Warum muss Barbie wissen, was ich sage? Und wie kommt es, dass das Loch in uns immer exakt so groß ist wie das Produkt, das wir begehren?
 
Zuletzt befasst sich der Film SYMPTOMS eine Stunde lang mit online aktiven, extrem rechten Anime-Fanboys, psychischem und physischem Verfall, der Rezeptionshistorie der Ode an die Freude und der Reichweite von Zeichenunterricht, oder, weniger direkt: Es ist eine Auseinandersetzung mit Übersättigung, den Limitationen von Sinnzusammenhängen und Information Overload.

In Deutschland hat die Künstlerin das Projekt Blank Noise aus der Ferne unterstützt und erste Entwürfe und Konzepte zu realisierender Projekte in Bangalore mit den Organisatoren der I-Never-Ask-For-It-Kampagne vorbereitet.