Mit ihrem Background in Darstellender Kunst, Literatur, Philosophie und Politikwissenschaft arbeitet das Künstlerduo matthaei&pfeifer multidisziplinär, vor allem mit performativen Interventionen, Installationen, Ton, Video und Text.
Unter anderem kooperiertenmatthaei&pfeifer auch für die Inszenierung der Wiedereröffnung des „Hundsturms“ (2013), einem urbanen Veranstaltungsortes des "Wiener Volkstheaters" als performatives Laboratorium und offenen Raum für ausgefallene Formate. Und mit „Paradis Artificiels - the b-sides“ (2012) tauchten sie für die Wiener Festwochen in die Drogengeschichten der Stadt ein. Die künstlerische Praxis von matthaei&pfeifer reagiert auf aktuelle urbane Themen – oft mit einer subversiven Botschaft und ihrem eigenen humorvollen Dreh.
Während der bangaloREsidency werden matthaei&pfeifer mit SRISHTI INSTITUTE OF ART, DESIGN AND TECHNOLOGY zusammenarbeiten, um eine Reihe von ortsbezogenen Interventionen zu kreieren und zu erproben, welche urbanen magischen Praktiken neue – individuelle und kollektive – Perspektiven auf die wundersamen Performances des urbanen Alltags eröffnen. "Magie" meint hier weniger Vaudeville & Cheesy Make-Beliefs – auch wenn sie diese als performative Modelle sehr schätzen! – sondern die menschliche Fähigkeit, aus blosser Überzeugungskraft jegliche Imaginationen wirklich werden zu lassen. Die Begegnung mit Bangaloreans und den Studierenden von Srishti steht im Mittelpunkt ihres Aufenthaltes. Gemeinsam werden sie urbane Magie als unerschöpflichen Pool von Open-Source-Inspirationen erforschen.
Zusammen mit den Studierenden von Srishti werden matthaei&pfeifer erproben, mit welchem Format man unterschiedliche Öffentlichkeiten am besten ansprechen, involvieren, einbinden kann. Das Ergebnis wird als mehrstimmige Audioinstallation im öffentlichen Raum, als interaktive Karte und als Manual präsentiert werden. Performativ an bestimmten Orten und weiterführend in gedruckten und digitalen Formaten ist das Manual for Urban Magic ein vielschichtiges Buch voller magischer Mikroerzählungen.
Abschlussbericht
A) Unser Thema für die bangaloREsidency
Wir trafen in Bangalore ein mit diversen Ideen für künstlerische Forschung zu “Magie” – sowohl als uralte kulturelle Praxis & wechselseitige Projektionsfläche zwischen Indien & “dem Westen”, wie auch als Tool, um den sich rapide verändernden urbanen Charakter der Stadt zu untersuchen.
Als cleverer Showprofi erkannte PC Sorcar die Chance des noch neuen Mediums Fernsehen & nutzte seinen ersten Auftritt in der britischen BBC zu einem fulminanten Durchbruch: Seine live übertragene Show wurde “unerwartet” wegen Stromausfall abgebrochen, gerade als er die Lady durchsägt hatte – unter der darauf einsetzenden Lawine von Anrufen besorgter & aufgebrachter Zuschauer*innen brach das Telefonsystem der BBC zusammen. Nach diesem Abend war PC Sorcar auch im Westen auf einen Schlag quasi über Nacht berühmt.
Dementsprechend begeistert waren wir, als wir uns schon kurz nach unserer Ankunft in Bangalore auf der Bühne eines Magiers wiederfanden - mit einem der Enkel des großen Meisters! Das Setting entpuppte sich als eigenartiges Reenactment der berühmten Shows seines Großvaters – wobei nicht nur die Kulissen & Requisiten unterm grellen Licht, sondern auch einige der routinierten Mitarbeiter*innen bei näherem Hinschauen aussahen, als ob auch sie schon mit dem früheren Meister weit gereist wären… Die wild zusammengewürfelte Playlist plärrte knapp unterhalb der Schmerzgrenze aus den Boxen in den halbleeren Zuschauerraum – & wir schauten als willige Versuchskaninchen in die Gesichter der etwas verwirrten Kinder & ihrer nostalgischen Großeltern.
Doch ja: Auch PC Sorcar Junior konnte ALLE unsere Gedanken lesen! Das "Water of India" hörte nie auf zu fließen und die Lady wurde tatsächlich halbiert (oder in viele weitere Stücke geschnitten).
Nachdem wir mit den Studierenden etablieren konnten, daß wir keine Erfüllung von klar vorgegebenen Aufgaben erwarteten, sondern sie zu gemeinsamer Forschung an den von uns vorbereiteten Themen einluden, waren sie sehr motiviert & wir hatten eine ebenso spielerische wie produktive Zusammenarbeit zu “magischen” Praktiken im öffentlichen Raum.
Am Ende des Interim-Programms stand eine große Gruppenausstellung aller Workshops im “Metro Art Center”, einem Open-Air-Kulturort unter der Hochbahn im Zentrum der Stadt. Sehr quirlig & nicht die übliche White Box.
C) Ein paar Gedanken zur Residency mit Srishti
Als Künstlerduo haben wir in vielen Projekten mit Kollegen und Menschen aus allen Lebensbereichen in diversen Städten & Ländern gearbeitet. Die Residency bei Srishti war im Vergleich dazu etwas Besonderes: Während der ersten Hälfte hatten wir einige Zeit für uns allein, was gut war. So hatten wir Gelegenheit, uns mit den anderen Künstler*innen der bangaloREsidency auszutauschen und unser eigenes künstlerisches Projekt zu starten. Was naturgemäß etwas an Zeit braucht, sich zu orientieren & mit Menschen in Kontakt zu treten. Die zweite Hälfte gestaltete sich völlig anders: Eine sehr intensive Zeit mit Vollzeitunterricht, täglichen Workshop-Sessions & den Vorbereitungen für eine Gruppenausstellung, die unsere gesamte Zeit in Anspruch nahm.
Im Nachhinein überlegten wir, ob wir nicht auch weniger Zeit mit den Studierenden hätten verbringen können. Hinzu kam, dass Srishti öfters kurzfristig mit ziemlich direkten Forderungen & Erwartungen für ihren eigenen Output an uns herantrat – was manchmal irritierte, da wir unser professionelles Engagement auf freiwilliger Basis in ihrem Betrieb zur Verfügung stellten.
Unsere Einstellung war jedoch auch in Stresssituationen, dass wir vor allem die Verantwortung übernommen hatten, einen Workshop für die Studierenden durchzuführen, der für sie in einem offenen, inspirierenden Umfeld sinnvoll und bereichernd wäre und dafür bedurfte es eben dieser zusätzlichen Arbeit.
D) Ein paar praktische Tipps
Unterbringung: Wir waren von Srishti in einer Wohnung in Malleshwaram untergebracht, was für uns toll war. Malleshwaram ist einer der “älteren” Stadtteile, eher ruhig, aber immer noch mit zahlreichen Restaurants und Geschäften ausgestattet, ursprünglich von kleineren Wohnhäusern geprägt, die inzwischen häufig mehrstöckigen Appartementhäusern Platz machen mussten. Es gibt von Srishti auch noch Wohnungen näher am Campus – damit spart man sich dorthin mindestens 1 Stunde Fahrzeit, ist ebenso weit von der Stadt entfernt, bzw. deutlich länger noch, je nachdem, wohin man möchte.
Wir sind sehr dankbar und glücklich, derartig viele inspirierende Menschen getroffen zu haben, ihre Veranstaltungen, Shows und Diskussionen besuchen zu können; sowohl die indischen und internationalen Künstlerkolleg*innen bei Srishti wie auch die anderen Künstler*innen der bangaloREsidency & deren Host-Institutionen. Viele künstlerische Arbeiten, die wir in Bangalore sehen konnten, hatten eine starke politische Ausrichtung & die Reise zur Kochi-Biennale am Ende der bangaloREsidency war sicherlich ein Höhepunkt und bot uns allen noch mal Gelegenheit, tiefer in aktuelle künstlerische Praktiken und Diskurse einzutauchen.
Nicht zuletzt gilt unser besonderer Dank dem gesamten Goethe-Team – Max, Maureen, Nandita & Claus, sowie allen Mitarbeiter*innen. Ihr unermüdliches & liebevolles Engagement, die sachkundige Vorbereitung & Betreuung während der Zeit in Bangalore waren wunderbar & unglaublich hilfreich, um uns gleich von Anbeginn an unterstützt & begleitet zu fühlen. Ohne euch wäre diese Zeit nicht so inspirierend & produktiv gewesen. Großen Dank dafür!