Performances / Talks PERFORMING ARCHITECTURE 2018

Performing Architecture 2018 © Harri Kuhn

23. Mai - 25. November 2018

S.a.L.E. Docks

Magazzini del Sale
Dorsoduro 265
Venedig

Anlässlich der 16. Architekturbiennale – Biennale Architettura Venezia schafft das Goethe-Institut wiederholt mit dem Programmformat „Performing Architecture“ einen neuen experimentellen Raum an der Nahtstelle von Architektur, Choreographie, Kunst und Institution. Neben dem öffentlichen Raum, dem Stadtraum von Venedig mit all seinen Menschen stehen Wirkung und Bedeutung von Architektur und ihre gesellschaftliche Relevanz im Zentrum verschiedener künstlerischen Arbeiten und performativer Gesprächsrunden. Im Kontext der Ausstellung der Biennale ermöglicht das Programm einen postdisziplinären Ideenaustausch sowie neue Denk- und  Erfahrungsräume.

Inhaltlich orientieren sich die Performances und Diskussionen zunächst am Motto der diesjährigen Architekturbiennale Freespace und dem Thema des deutschen Pavillons Unbuilding Walls. Mit künstlerischen Interventionen werden auch Verbindungslinien zum Schweizer (Svizzera 240) und zum Luxemburgischen Pavillon (The Architecture of the common Ground) hergestellt. Damit verfolgt das Programm die Verwobenheit internationaler und nationaler Schaffensprozesse. Im Rahmen von Performing Architecture erzeugt die diesjährige Architekturausstellung ein produktives Spannungsfeld, das in unterschiedlichen Disziplinen ‚beheimateten‘ Künstler*innen und Expert*innen dazu einlädt, Modelle der Zusammenarbeit nicht nur neu zu denken, sondern diese gleichzeitig zu praktizieren.
 

22.06., 20:00 Uhr
Performance
Biennale Danza 2018
Teatro alle Tese
Built to last
Meg Stuart, Damaged Goods
 
Built to Last - Meg Stuart Foto: Chris Van der Burght Die weltbekannte, vielfach ausgezeichnete und in Berlin lebende Choreographin Meg Stuart eröffnet mit ihrem Meisterwerk Built to last die Biennale La Danza (22.6.-1.7.2018). Die Performance Built to last beschäftigt sich mit der Konstruktion des Unvergänglichen und Monumentalem und referiert damit auf sehr interessante Weise mit dem Thema des deutschen Pavillons (Unbuildung walls) sowie der Notwendigkeit, einer globalen Gesellschaft sich den sichtbaren und unsichtbaren Mauern zu stellen.
 
24.06., 11:00 Uhr
Moving Panel
Architecture Talks
Armen Avanessian, Meg Stuart, Jozef Wouters
 
Moving Talk - Meg Stuart Foto: Ewoud Vermote „Wie sehen Räume für eine freie Kunst der Zukunft aus?“ – dieser Frage geht der Philosoph Armen Avanessian gemeinsam mit Jozef Wouters und Meg Stuart nach, indem sie in einem Spaziergang das Publikum dazu aufrufen, zusammen zeitgenössische Bühnen und Kunsträume zu imaginieren, um diese weiter als Freiräume zu behaupten. Das Panel bewegt sich in der Ausstellung des Gardinis und hält Station in diversen Pavillons.
Meg Stuart erforscht mit ihrer künstlerischen Arbeit Formate der Präsentation und sucht nach neuen Formaten, die die Präsentation übersteigen können. Sie öffnet ein Praxisfeld in dem Publikum und Künstler zusammen sich gegenseitig etwas mitteilen, sich intim auszutauschen und gemeinsame Momente herstellen: Ein gleichzeitiges Suchen und Praktizieren von Kollaboration.
 
16.– 23.11.
S.A.L.E. Docks – Magazzini del Sale 
Performances and Architecture Talks
Simone Aughterlony, Armen Avanessian, Avatara Ayuso, Johan Bettum, Björn Bicker, Daniel Birnbaum, Johanna Bruckner, Boris Charmatz, Ofri Cnaani, Malte Jelden, Angel Martinez Roger, Fabrice Mazliah, Sandra Oehy, Marie France Rafael, Rimini Protokoll, SAC Frankfurt, Michael Steinbusch, Li Tavor und andere
 
Über den Zeitraum einer Woche diskutieren zum Abschluss der 16. Architekturausstellung Künstler*innen, und Expert*innen und Studierende, die Fragen der Zeit mit Performances und diversen Gesprächsrunden.
U.a. das Künstlerkollektiv Rimmini Protokoll bringt ihre neueste Arbeit Do’s and Dont’s nach Venedig, der Choreograph Fabrice Mazliah kommt mit einer Arbeit zurück ebenso wie die Städel Architecture Class und entwickeln eigens Performances und suchen die Begegnung mit der Stadt Venedig und ihren Bewohner*innen. Die Performerin und Choreographin Simone Aughterlony, die bildende Künstlerin und Choreographin Johanna Bruckner, die Architektin, Musikerin und Komponistin Li Tavor und die Kuratorin Sandra Oehy setzen sich für einen Beitrag grundlegend mit der Qualität des Raumes auseinander. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit dem Team des Schweizer Pavillons um Li Tavor und wird in den Räumen der Ausstellung umgesetzt.

Abgeschlossene Veranstaltungen:

23.–28.05., ganztägig
Performance
Stadtraum Venedig
Sie treffen ihre Vorkehrungen
von Gintersdorfer / Klaßen mit Gotta Depri, Montserrat Gardó Castillo, Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star
 
Sie treffen ihre Vorkehrungen © Goethe-Institut Mailand Freespace steht als Motto über der diesjährigen Architekturbiennale und ist ein Aufruf, demokratische Räume und nicht vorbestimmte Räume einzufordern. Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen setzen sich mit ihrem Team insbesondere mit der Politik und Plänen der Außengrenzen Europas auseinander. Auf Spekulationen und Tatsachen zur europäischen Grenzverschiebung in den afrikanischen Kontinent hinein reagieren die Künstler*innen mit skulpturalen und dialogischen Performances im Stadtraum Venedigs und versuchen performativ für diese Zusammenhänge ein Bewusstsein zu schaffen. Die Performances werden eigens für Performing Architecture und anlässlich der internationalen Archtitekturausstellung entwickelt.
 
24.–26.05., ganztägig
Performance
Giardini della Biennale
Tattoos for Architects
Studio Lukas Feireiss
 
Tattoos for Architects Federico Sutera / Xframe Studio © 2018 Mit Tattoos for Architects eröffnet der Berliner Kurator und Künstler Lukas Feireiss an verschiedenen Orten in Venedig temporäre Pop-Up Tattoo Studios, in denen der menschliche Körper selbst zum Bildträger wird. 
Dabei wendet sich Feireiss einem der prominentesten Analogien in der Geschichte der abendländischen Architektur- und Stadtrezeption zu, nämlich dem von der Architektur, der Stadt und dem menschlichen Körper. Vergleiche dieser Art reichen von der Antike bis in die Gegenwart. Die gedankliche Gegenüberstellung von Tätowierung und Ornament im Sinne Gottfried Sempers lässt zudem auf  weiteren Analogien von Haut und Hülle, Gewand und Wand, Gefäss und Haus rekurrieren. Architektur als des Menschen dritte Haut (nach der Kleidung als zweiter) begreifend, lässt die Tätowierungen auf dem Körper wie die Inschriften und Ornamente auf Gebäuden erscheinen. Was einst am Körper ausgeübt, wird auf die Architektur übertragen.
 
In Kooperation mit dem Deutschen Pavillon

25.05., 16:00 Uhr
Talk & Performance
S.a.L.E. Docks
ARCH+ features #74
Marco Baravalle, Arno Brandlhuber, Roberta Da Soller, Monika Gintersdorfer, Florian Hertweck, Anh Linh Ngo, Knut Klaßen, Andrea Rumpf

Logobi 05
von Gintersdorfer/Klaßen mit Richard Siegal, Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star

Die Kuratorinnen der 16. Architekturbiennale Venedig, Yvonne Farrell und Shelley McNamara, haben das Motto Freespace gewählt. „Freespace“, so die beiden Architektinnen, sei „a space for opportunity, a democratic space, un-programmed and free for uses not yet conceived.“ Mit der fortschreitenden Privatisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums schrumpft dieser Freiraum jedoch zusehends. Zwar rufen die Kuratorinnen dazu auf, die Freiräume architektonisch zurückzuerobern. Doch ohne öffentliche Kontrolle über Grund und Boden wird es letzten Endes keine öffentlichen Räume, keine Freespaces geben.

ARCH+ Feature/Logobi 5 Federico Sutera / Xframe Studio © 2018 Die Frage „Wem gehört der Boden?“ ist für alle Gesellschaften zentral, weil die Ressource Raum genauso lebensnotwendig ist wie Luft und Wasser. Und doch wird die Bodenfrage von Architekt*innen selten explizit behandelt. Ausgehend von der ARCH+ Ausgabe The Property Issue diskutieren Arno Brandlhuber und Anh-Linh Ngo die Bodenfrage mit Florian Hertweck und Andrea Rumpf, Kurator*innen des Luxemburger Pavilions zur 16. Architekturbiennale, Roberta Da Soller und Marco Baravalle, Aktivist*innen von S.a.L.E. Docks, sowie den Choreograf*innen Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen, die mit ihrem Stück Logobi 05, aufgeführt von Richard Siegal und Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, die Bodenfrage performativ interpretieren.


25.05., 10:00–15:00 Uhr 
26.05., 15:30–17:30 Uhr
Workshops
S.a.L.E. Docks
Still Untitled
von Xavier Le Roy, entwickelt mit Scarlet Yu, in Zusammenarbeit mit Alexandre Achour, Susanne Griem, Zeina Hanna
 
Still Untiteld - Xavier Le Roy Federico Sutera / Xframe Studio © 2018 Still Untitled nimmt die Form einer verkörperten Skulptur an, dargestellt von Menschen für Menschen, um sie mit anderen zu teilen. Sie sind Begegnungen, die stattfinden, wenn jemand von ihnen beschließt, sie einem Zuschauer seiner Wahl zu zeigen. Diese Skulpturen werden sich vervielfältigen und zu jeder Zeit, an jedem öffentlichen Ort in der Stadt Venedig auftauchen. Es kann sein, dass viele unbemerkt bleiben oder sich ausbreiten und wachsen wie ein Virus oder zum Stadtgespräch werden.

Still Untitled wurde entwickelt von Xavier Le Roy und Scarlet Yu für Skulptur Projekte Münster 2017. Es wird von seinen eigenen Bedingungen gerahmt, die die Notwendigkeit in Frage stellen, mit der Unvereinbarkeit von Zeit und Raum zu arbeiten – wie sie normalerweise mit Skulpturen als Gegensatz zu menschlichen Handlungen assoziiert wird – sowie den Bedingungen von Erfahrungen, wie sie vielmehr in Ausstellungen möglich sind als in geplanten Aufführungen. Ausgehend von unseren heutigen Erfahrungen von Zeit, hinterfragt Still Untitled unser Verständnis des öffentlichen Raums.

Still Untitled wird während der Workshops offen für jede*n und alle sowie kostenlos bei S.a.L.E. Docks entwickelt. Anmeldung unter saledocks@gmail.com – begrenzte Teilnahme.

Produktion: Skulptur Projekte Münster 2017
Mit Unterstützung von Le Kwatt production company
 
26.05., 11:00 Uhr
Talk
S.A.L.E. Docks
Architecture Talks
Armen Avanessian, Johanna Bruckner, Knut Klaßen, Alex Lehnerer, Xavier Le Roy, Sandra Oehy, Li Tavor, Stephan Trüby, Matthew van der Ploeg und andere
 
Architecture Talks Federico Sutera / Xframe Studio © 2018 Das Panel um den Philosophen Armen Avanessian diskutiert – der Beobachtung folgend, dass feste architektonische und institutionelle Strukturen und freies künstlerisches Arbeiten in Interaktion stehen – mit Vertreter*innen und Beobachter*innen von Architektur und Institutionen die Frage, wie neue institutionelle Modelle des post-disziplinären Zusammenarbeitens progressiv und experimentell in die Praxis umgesetzt werden können.

Zurück