Doó Nhoo
Crossing Strands

Impresiones de los participantes

Eindrücke der Teilnehmer_innen

Heike Selmer

„Mit zapotekischen Weber_innen in den Bergen von Oaxaca zu arbeiten, war auf vielen Ebenen lehrreich, inspirierend und für mich persönlich tief beeindruckend.

Der gegenseitige fachliche und kulturelle Austausch, das voneinander Lernen auf gleicher Augenhöhe und vor allem die intensive Diskussion essentieller Themen wie Nachhaltigkeit, kulturelle Identität und Sinn/Problematik von Tradition, Wert von Handarbeit im globalen und politischen Kontext, Möglichkeiten/Verantwortung/Aufgabe von Design, Wert und emotionaler Mehrwert von Produkten, war hochinteressant und inspirierend für alle Beteiligten.

In zwei intensiven Projektphasen, in denen die Designerinnen, Daphne Corell, Dulce Martinez und ich, den Weber_innen der Kooperativen Bienhi und Wen Do Sed grundlegende Designstrategien und textile Arbeitstechniken vermittelten und im Austausch die Techniken der Weber_innen erlernten, entstanden erste neue Produktideen und Konzepte. Alle Teilnehmer_innen planen, die beflügelnde Zusammenarbeit zukünftig in weiteren Projektphasen auszubauen. Die außergewöhnlich ansteckende Energie dieses Projekts hat das Potential, etwas Erfolgreiches hervorzubringen.“

 
Dulce Martínez

„Es ist immer eine wunderbare neue Erfahrung, mit Kunsthandwerker_innen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu arbeiten, die über verschiedene Techniken und Weltanschauungen verfügen. Zur selben Zeit mit deutschen Designerinnen und Weber_innen aus der Gegend der Sierra Norte in Oaxaca arbeiten zu können, war allerdings noch bereichernder.

Die Kontraste und der fantasievolle Umgang mit Herausforderungen und Problemlösungen in der Welt des Designs, zu dem jeder einzelne der Teilnehmer des Workshops etwas beitrug, waren außerordentlich interessant und haben bei mir persönlich ein Nachdenken über das Tun des Anderen angestoßen, das nur durch die einzigartigen und unwiederbringlichen Momente der gemeinsamen Produktion sowie durch das gemeinsame Benutzen von Werkzeugen und Werkstätten angeregt werden konnte.

In diesen Tagen lernte ich, dass durch das Ausführen der alltäglichen Arbeit der Kunsthandwerker ein Verständnis des Tagewerks des Anderen erreicht werden kann. Es handelt sich um eine bescheidene und respektvolle Art der realen Zusammenarbeit auf horizontaler Ebene, welche die technischen Schwierigkeiten und die Bedeutung der künstlerischen Prozesse honoriert und den Anderen nicht nur als Arbeitskraft betrachtet.

Mit Geduld, Respekt und Hingabe für die Technik der Kunsthandwerker_innen, mit denen wir die Tage in San Miguel Cajonos, Oaxaca, verbrachten, gelang es uns, Raum und Zeit rund um die Arbeit der Kunsthandwerker_innen und ihre Gemeinschaft zu erleben und, was noch wichtiger ist, zu genießen.

Ich bedanke mich von Herzen bei ihnen dafür, ihr Wissen mit mir zu teilen und mir das Vergnügen zuteil kommen zu lassen, in ihren von Wolken verhangenen Bergen weben zu dürfen.“
 

Ana Paula Fuentes

„Dieses Projekt war für mich sowohl auf persönlicher als auch auf professioneller Ebene sehr bedeutsam und bereichernd. Ich sehe es als Geschenk an, mit so sensiblen und verantwortungsbewussten Menschen aus so unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen in einem Projekt zusammen arbeiten zu können, das mit außerordentlicher Sorgfalt, Respekt, Professionalität und Hingabe zusammengestellt wurde. Meine Teilnahme als Organisatorin und Sozialdesignerin des Projekts, in dem ich Seite an Seite mit mir seit Jahren bekannten Kunsthandwerkern, den deutschen Designerinnen, den Projektleiterinnen des Goethe-Instituts und der mexikanischen Designerin agierte, war absolut konstruktiv und positiv: Ich konnte von jedem einzelnen der Teilnehmer unglaublich viel lernen und wieder einmal wurde mir gezeigt, wie wertvoll und wirksam ein Zusammentreffen verschiedener Kulturen sein kann, die mithilfe von Textilien miteinander verwoben werden und verbunden sind durch das Streben nach dem Gemeinwohl. Was mich am meisten freute, war die offensichtlich positive Veränderung der Weber_innen nach diesem Aufeinandertreffen. Ich glaube, es hat ihnen neue Horizonte eröffnet und gab ihnen die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln und zu erkennen, dass sie selbst Designer_innen ihrer eigenen Projekte und ihres Lebens sein können.

Ich bin dem Goethe-Institut unglaublich dankbar für die Ermöglichung dieses Projekts und für die Bereitschaft, durch den Kulturaustausch zwischen zwei so unterschiedlichen Ländern wie Mexiko und Deutschland etwas zu der Entwicklung des Textilhandwerks beizutragen. Mein besonderer Dank gilt Magdalena Wiener – die das Programm erst ersonnen hat – für das mir entgegengebrachte Vertrauen, für die Einladung, ein weiterer Faden in diesem Gewebe zu sein, und ihr ausgesprochenes Engagement und ihren Einsatz während der gesamten Durchführung.“
 

Daphne Correll

„Seit vielen Jahren beschäftige ich mich in meiner Arbeit als Mode- und Textildesignerin mit Themen der Nachhaltigkheit und besonders mit der Rolle des Handwerks und der Handarbeit in kontemporärem Modedesign. Das Projekt “Hilos Cruzados” ist eine ganz besondere Erfahrung für mich. Durch die intensive Zusammenarbeit mit den beiden Kunsthandwerker_innen-Kooperativen Bienhi und Wen Do Sed Productores de Seda, den Designerinnen Heike Selmer, Dulce Martinez und Ana Paula Fuentes, kann ich diesen Themenbereichen auf besonders umfassende Weise nachgehen.

Angefangen beim Erlernen des eigentlichen Handwerks, des Handwebens auf dem “Backstrap Loom”, ersten Experimenten auf dem Pedal-Webstuhl und dem Pflanzenfärben mit Cochinilla und Indigo, der Vertiefung der theoretischeren Fragestellungen nach horizontalen Methoden der Zusammenarbeit, Fair Trade, wirtschaftlicher Nachhaltigkeit bei Handarbeit im globalen Textilmarkt bis hin zur Entwicklung von Designkonzepten und Arbeitsmethoden, das Spektrum des Projektes ist immens.

Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten mit so vielfältigen professionellen und kulturellen Hintergründen ist eine große Bereicherung und das Potenzial des Projektes enorm.“
 

Marisol Zarate Lopez

„Durch diesen Workshop habe ich viel deutlicher verstanden, was „Design“ eigentlich bedeutet und wie ein Designprozess aussieht. Ich habe gelernt, dass es für die Entwicklung eines Produktes wichtig ist zu wissen, was genau man machen wird und wie man dies machen wird; auch ist es wichtig, sich die nötige Zeit zu nehmen um nachzudenken und nachzuspüren, was es ist, das man machen möchte. Im Normalfall produzieren wir die Stoffe immer in derselben Art und Weise, ohne viel zu hinterfragen oder über den Grund nachzudenken, warum die Formen, Farben und die abschließenden Details so sind wie sie sind. Meistens arbeiten wir aus der Gewohnheit heraus, oft aus Zeitmangel und in vielen weiteren Fällen aus Angst vor der Veränderung, aus Angst davor, das Material zu verschandeln oder davor, dass es nachher nicht „schön“ aussieht. Auch wenn wir in den vielen Jahren große Fortschritte gemacht haben, hat uns dieser Workshop gezeigt, dass wir noch viel zu lernen haben, noch viel ändern und verbessern müssen. Er erinnerte uns daran, dass wir nicht einfach in unserer Komfortzone bleiben dürfen und uns die Zeit nehmen müssen, die Analyse und das Design bewusster auszuführen – ohne unseren eigenen Ausdruck und unsere Spontanität zu vernachlässigen und in dem Wissen, dass wir durch analytisches Denken selbst in den kleinsten Details und den Dingen, die wir oft als „Fehler“ abtun, neue Ideen entdecken können. Dieser Workshop hat uns die notwendige Zeit geschenkt um etwas zu schaffen, selbst Hand anzulegen, zu erforschen, zu experimentieren, Wildes und Abwegiges zu tun. Das gemeinsame Färben, Nähen, Sticken – ohne einen Gedanken daran zu verschwenden an das, was wir eigentlich damit machen wollten – ließ uns erst diese Angst spüren vor der Frage: „Was werde ich tun?““
 

Natividad Estela Zarate Lopez

„Die Struktur und die Methodik des Programms waren ganz anders als das, was wir bei anderen Designer_innen beobachten konnten. Diesmal hatten die Designerinnen nämlich keine vorgefertigten Ideen und Vorschläge und sagten uns nicht, was wir zu tun hatten. Sie gaben uns vielmehr die Werkzeuge an die Hand, um unserer Fantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen und bereits vorhandenes Wissen mit neu erworbenen Kenntnissen zu vermischen und zu verbessern. Das Zusammentreffen und der Austausch mit ihnen basierte auf dem eigentlichen Tun, auf der Beobachtung, dem Zuhören und Ausprobieren. Sie ließen uns den Entwicklungsprozess mit anderen Augen sehen und wir erkannten, dass wir selbst über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um neue Produkte zu entwickeln, und keinen Designer brauchen, der uns vorgibt, was wir mit unseren Stoffen zu tun haben. Die Designerinnen drängten uns nicht ihre persönlichen Ideen auf, sondern halfen uns während des gesamten Prozesses und bei der Methode, unsere eigenen Ideen fließen zu lassen. Dieser Workshop gab uns nicht nur die Gelegenheit, über die Entwicklung absolut neuer Produkte nachzudenken; er gab uns auch die Zeit und die Werkzeuge, um sie zu entwerfen und herzustellen,  wenn auch zunächst als Prototyp. Uns wurde zudem die Möglichkeit eröffnet, unter gleichen Voraussetzungen neue Stoffe zu kreieren, ohne ein komplett neues Produkt entwickeln zu müssen.“
 

Alicia Ortega Cruz
 
„Wir Kunsthandwerker_innen nehmen uns normalerweise nicht die Zeit und den Spielraum, selbst zu entscheiden, was wir machen wollen. Dieser Workshop hat uns bewusst gemacht, wie wichtig es ist, sich diese Zeit und diese Freiheit zu nehmen, um noch vor der Produktion bewusst entscheiden zu können, was genau gemacht werden soll. Generell konzentrieren wir uns stark auf die einzelnen Produktionsschritte der Seidenproduktion: die Zucht der Raupen, das Spinnen, Weben und Färben. Niemals zuvor hatten wir uns aber mit der Wichtigkeit des Designs beschäftigt. Nun sehen wir diesen Schritt und dieses Verfahren als absolut notwendig an für den Entstehungsprozess, da wir wissen, dass man zu positiveren und besseren Ergebnissen kommt, wenn man Kriterien aufstellt und ruhig über das eigene Tun nachdenkt, als wenn man ohne vorherige Planung oder Analyse agiert. Eine wertvolle Lehre aus dieser Erfahrung ist, dass es einer Planung, Organisation und Ausführung bedarf, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Nach einer Reihe von Workshops, die wir seit der Entstehung von Bienhi und Wen Do Sed besucht haben, war dieser der erste, dem eine Planung und Methodik zugrunde lagen und in dem das ausgeführt wurde, das bereits vor dem Beginn des Workshops entworfen wurde. Dies war außerordentlich bereichernd, da wir generell weniger im Voraus planen und im Hier und Jetzt, für den täglichen Bedarf und vor allem aus der Gewohnheit heraus arbeiten.

Das Seminar förderte die Disziplin in der Gruppe. Uns wurde bewusst, dass jeder Einzelne in der Kooperative für das Unternehmen Verantwortung übernehmen muss und man nicht davon ausgehen kann, dass jemand anderes die eigenen Aufgaben übernimmt. Auch bemerkten wir, dass das Endergebnis nicht genauso gut ausfällt, wenn jemand die ihm zugeteilten Aufgaben vernachlässigt. Zunächst taten wir uns etwas schwer damit, dass bei diesem Programm immer alle anwesend sein und alles mitmachen mussten, damit der Workshop überhaupt stattfinden konnte. Im Nachhinein sehen wir aber, dass sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt hat und sind sehr dankbar dafür.“
 

Francisca Lopez Santaella

„Nie zuvor hatten wir es gewagt, verschiedene Garne und Stoffe für das gleiche Produkt zu verwenden. Wir taten es nicht, weil wir nicht experimentieren wollten und aus Angst, dass das Endergebnis hässlich aussehen würde. In diesem Workshop wurden wir allerdings dazu gedrängt, genau dies zu tun und dies zeigte uns, dass wir sehr wohl dazu in der Lage sind und dass die Ergebnisse sehr gut ausfallen können und die Stoffe und unsere Arbeit sogar aufwerteten. Nach jedem Tag des Kurses schmerzte uns der Kopf vom vielen Denken: es gibt so viele Materialien, Techniken und Optionen für neue Produkte! Wir bedanken uns für die Möglichkeit, mit so vielen verschiedenen Garnen, Stoffen und Techniken arbeiten zu können und damit Neues zu schaffen – alles von der Planung bis zur Ausführung.  Uns hat es sehr gefallen, verschiedene Materialien zu verwenden und die Möglichkeiten des Färbens auszuschöpfen, also Experimente durchzuführen die unseren Horizont erweitern und uns neue Ideen und Mittel für die Kreation eröffnen. In Bienhi hatte etwa bislang die Meinung vorgeherrscht, es könnten nur Artikel für Erwachsene hergestellt werden. Nun erklärte Marcos, dass auch  Produkte für Jugendliche gefertigt  werden könnten, wie zum Beispiel Designerhandtaschen. Das Gelernte wird uns von großem Nutzen sein, um uns weiterzuentwickeln und die neu erworbenen Kenntnisse auch tatsächlich anzuwenden.

Wenn wir nun nach Cajonos und in unseren Alltag zurückkehren, bleiben wir uns der Motivation bewusst, die wir aus dem Workshop mitgenommen haben und die uns bewusster, disziplinierter, verantwortlicher und ordentlicher handeln lässt, uns die Angst nimmt und Kraft gibt, um Produkte herzustellen, die uns als Personen und auch als Gruppe weiterbringen werden.

Es ist noch ein weiterer Designworkshop geplant, der sich auf die Themen Komposition und Muster sowie auf die Farben- und Formenlehre konzentrieren soll. Dieser wird nicht mehr auf experimenteller Basis stattfinden... wir werden selbst nach allen Regeln des Designs Neues entwerfen und produzieren! Wir bedanken uns beim Goethe-Institut und bei den Designerinnen für diese wundervolle Möglichkeit. Die Zusammenarbeit war sehr produktiv und hat unser Leben bereichert.“